Nanotechnik: Stapelbare Seifenblasen - Seite 3

Nanotechnik: Stapelbare Seifenblasen

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Daran scheiterten bisherige Entwicklungen oftmals. So hat Jürgen Allgaier vom Forschungszentrum Jülich zusammen mit dem Druck-Chemikalien-Spezialisten Schwegmann aus Grafschaft-Gelsdorf bei Bonn ein Reinigungsmittel für Druckmaschinen auf reiner Wasser-Öl-Tensid-Basis entwickelt. „Es kommt völlig ohne gesundheitsgefährdende Lösungsmittel aus“, sagt Allgaier. Das Projekt wurde deshalb von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Nur der Preis des Öko-Putzmittels war noch zu hoch, deshalb fiel es bei den Unternehmen durch. Nun geht das Projekt in die zweite Runde, um das umweltfreundliche Reinigungsmittel doch doch marktfähig zu machen.

An diesem Punkt ist Bubbles & Beyond schon weiter: Die Anti-Graffitilösung ist seit einem Jahr auf dem Markt und verkauft sich bestens, sagt Surkow: „2010 wollen wir mindestens in den dreistelligen Tonnenbereich vorstoßen.“ Und für die stapelbaren Seifenblasen ist als Kooperationspartner seit Kurzem Marktführer Pustefix mit an Bord, der sie im Sommer auf den Markt bringen will.

Ob die neuen Blasen bei Eltern und Kindern ankommen, ist indes noch nicht ausgemacht. Bisher waren die Deutschen für nanotechnische Anwendungen offen. Doch die Stimmung könnte kippen. BASF-Forschungschef Kreimeyer empfiehlt: „Wir sollten uns mit möglichen Risiken offen auseinandersetzen.“

Beiersdorf fürchtet um sauberes Nivea-Image

Auch die Jungunternehmer aus Leipzig bekommen die zunehmende Skepsis zu spüren. „Obwohl die Nanotechnik laufend neue, faszinierende Lösungsansätze hervorbringt, ist die spontane Begeisterung erst einmal verflogen“, sagt Bubbles-Geschäftsführer Surkow. Auch ihr erster großer Industriepartner, der Kosmetikkonzern Beiersdorf, will sein sauberes Nivea-Image nicht durch eine Nanokooperation besudelt sehen. So schlossen die Unternehmen im Sommer 2009 zwar einen Vertrag, in dem es um die Entwicklung von Kosmetikprodukten geht, die besonders gründlich und schonend reinigen. Dass es um nanostrukturierte Flüssigkeiten geht, erwähnt Beiersdorf jedoch lieber nicht.

Das ist nicht nur unfair den Kunden gegenüber. Es ist eine vertane Chance, den Konsumenten zu erklären, dass Nanotechnik viele Facetten hat – mit unterschiedlichsten Gefahrenpotenzialen. So sieht Cheftüftler Schumann seine Erfindungen völlig zu Unrecht in einen Topf geworfen mit Produkten, die Nanopartikel beinhalten, die in noch nicht bekannter Weise im Körper wandern oder verweilen können: „Partikel sind etwas ganz anderes als unsere flüssigen Nanostrukturen, die lösen sich auf, sobald sie mit Wasser verdünnt oder abgespült werden.“

Gerade weil ihre innovativen Mischungen ohne aggressive Substanzen auskommen, sehen Surkow und Schumann sie als Beginn eines Zeitalters der „sanften Chemie“. Denn mit den nano-strukturierten Flüssigkeiten lassen sich nicht nur Busse, Häuser oder Züge von Graffiti befreien, damit könnten bald auch Giftstoffe aus Wohnungswänden gelöst und entfernt werden. Auch bisher nicht rentabel zu fördernde zähe Erdölreste könnten in leichtgängige Emulsionen verwandelt und dann durch das poröse Gestein gedrückt werden. Und wenn die Vision des Kölner Forschers Strey wahr wird, könnte Fensterglas eines Tages von Nanoschäumen abgelöst werden: „Sie wären wärmedämmend wie eine Styroporplatte, aber durchsichtig wie Glas.“

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.01.2010, 14:12 UhrAnonymer Benutzer: Helena Landsberg

    bei Debatten rund um Nanotechnologie sollte dringend stärker differenziert werden. Die Partikelgröße allein ist kein Kriterium für ein mögliches Gefahrenpotenzial. Selbst das Umweltbundesamt bezieht sich in seiner Empfehlung zu diesem Thema explizit auf Produkte, welche Nanomaterialien enthalten UND freisetzen. Gebundene Nanopartikel hingegen gelten als ungefährlich und kommen seit jeher in vielfältiger Form in der Natur und im Alltag vor (Man denke nur an Ruß oder an die so mannigfaltig eingesetzte Gelatine).

  • 18.01.2010, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: Marius Flemming

    Der begriff "Nanotechnologie" umfasst doch letztendlich nur die Größenordung des zu erforschenden bzw. angewendeten Größenbereichs eines bestimmten Produkts. Wo soll da bitte ein Gefahrenpotential liegen? Nur weil etwas winzig klein ist, kann es doch noch lange nicht als gemeingefährlich eingestuft werden. Abgesehen davon: Sind wir nicht alles ein bisschen Nano?

  • 15.01.2010, 13:29 UhrAnonymer Benutzer: Gabriele-S. Grieser-Richter

    Nanotechnologie wird schon in unzähligen Artikeln verwendet, ohne dass der Verbraucher es weiss. Aber wie die Vorderseite, so die Rückseite: bisher ist nirgendwo erklärt worden, wo Nanotechnologie unbedenklich angewendet werden kann und wird und warum. Wenn Nanotechnologie in der Medizin verwendet wird oder werden soll, muss VORHER genauestens erforscht sein, wo die Risiken liegen und wie hoch sie sind, damit Nutzen und Risiken gegeneinander abgewogen werden können. Alles andere istd nicht nur unfair sondern verantwortungslos.

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