Neue Glanzlichter: Innovationspreis: Drei auf dem Siegertreppchen

Neue Glanzlichter: Innovationspreis: Drei auf dem Siegertreppchen

Den 28. Innovationspreis der deutschen Wirtschaft erhalten MAN Diesel, der Optikspezialist Limo Lissotschenko Mikrooptik und der Solarkraftwerksbauer Concentrix. Ihre Erfindungen sind neue Glanzlichter in einer langen Historie.

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Innovationspreis der deutschen Wirtschaft

Im Herbst 1983 traf sich die Jury des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft zum fünften Mal. Die Sitzung dauerte länger als üblich, denn der Diskussionsbedarf war groß. Zu entscheiden war, ob ein revolutionäres medizinisches Gerät des damaligen Friedrichshafener Unternehmens Dornier System gewinnen sollte, ein sogenannter Nierenstein-Lithotripter. Bis dahin gab es nur die Möglichkeit, die mit der Existenz von Nierensteinen verbundenen Schmerzen operativ und stationär zu behandeln. Die Dornier-Leute wollten das Gleiche ganz ohne Eingriff in den menschlichen Körper schaffen. Den Nierenstein sollte eine Stoßwelle zerstören, ähnlich der beim Überschallknall von Flugzeugen. Mithilfe von Wasser, das als Übertragungsmedium dient, wird die Welle in den Körper eingeschleust. Erst an der Stelle unmittelbar vor dem Stein, auf die sie fokussiert ist, entfaltet sie ihre heilende Wucht und zerstört diesen wie mit einem Hammerschlag.

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Die Jury stimmte schließlich dafür, Dornier die Goldurkunde zu verleihen. Doch Zweifel blieben: Würde sich die Technik durchsetzen? Heute weiß man: Sie lag richtig. Allein die heutige Dornier MedTech aus Wessling bei München, hat inzwischen weltweit mehr als 1000 Lithotripter verkauft. Zahlreiche andere Unternehmen haben die Technik aufgegriffen und für eine Zerstörung von Harn- und Gallensteinen modifiziert. Das unblutige Verfahren hat dem Skalpell bei der Entfernung von Steinen aller Art längst den Rang abgelaufen.

Die wegweisende Innovation von Dornier gehört zu den Glanzlichtern in der Geschichte des ersten Innovationspreises der Welt. Er wurde 1980 vom Wirtschaftsclub Rhein-Main gegründet und bundesweit ausgeschrieben. 1983 stieß die WirtschaftsWoche dazu. Genau 89 Innovationen wurden in den 27 Jahren seit der Gründung des Preises prämiert.

Zwar lag die Jury nicht immer richtig, aber immerhin meistens. Etwa mit dem magnetooptischen Disk-Rekorder. CDs ließen sich vor 20 Jahren zwar mit äußerst teuren Geräten brennen. Doch anders als beim Tonband war das Ergebnis endgültig. Änderungen oder ein komplettes Überspielen von Dateien wie beim Tonband oder der Musikkassette waren nicht möglich. Die damalige Deutsche Thomson-Brandt, die die Creme der deutschen Unterhaltungselektronikindustrie – unter anderem Nordmende und Telefunken – unter französischer Führung vereinigt hatte, entwickelte das erste Gerät, mit dem sich CDs beliebig oft überschreiben ließen. Die Informationseinheiten waren winzige Magnete, deren Polung sich umkehrte, wenn sie von Laserlicht angeregt wurden. An der Kommerzialisierung der Technik waren die Entwickler aus dem Schwarzwald nicht mehr beteiligt. Hier machte der Ferne Osten das Rennen.

Aixtron, im Jahr 1988 ausgezeichnet, machte es besser. Die Aachener, heute Weltmarktführer in diesem Bereich, bauen sogenannte Gasphasen-Epitaxieanlagen, mit denen Wafer für die boomende Optoelektronik hergestellt werden. Leuchtdioden werden damit produziert, aber auch Hochleistungs-Solarzellen, wie sie der diesjährige Preisträger in der Kategorie Start-up-Unternehmen einsetzt, die Freiburger Concentrix Solar (siehe Seite 88). Genutzt werden sie auch für Halbleiterlaser, denen der Preisträger in der Kategorie Mittelstand, die Dortmunder Limo Lissotschenko Mikrooptik, mithilfe von raffiniert geformten Mikrolinsen zu dramatisch höheren Leistungsdaten verhilft.

Ebenfalls ein Glanzlicht aus der Geschichte des Innovationspreises: Der permanente Allradantrieb, für den Audi 1984 ausgezeichnet wurde. Mit dem Fahrsicherheits-Feature (Markenbezeichnung: quattro) lassen sich inzwischen sämtliche Fahrzeuge von Audi ausrüsten. Auch andere Hersteller haben das Konzept des permanenten Allradantriebs aufgegriffen.

Was heute weitverbreitet ist, war 1991 höchst innovativ und damit preiswürdig: IBM Deutschland führte damals Telearbeitsplätze ein. Kritiker fürchteten die Vereinsamung der vermeintlich abgeschobenen Mitarbeiter. Befürworter sahen hingegen eine Möglichkeit, Beruf und Haushalt samt Kinderbetreuung besser in Einklang zu bringen. Die Nutzer haben entschieden: Die meisten wollen beides: zeitweise zu Hause, zeitweise im Büro arbeiten.

Schnell setzte sich auch eine Art Reißverschluss für die Fenster von Bussen und Bahnen durch, der sich im Notfall leicht öffnen lässt, um zu Verletzten zu gelangen. Die Idee wurde geboren, als der ICE Wilhelm Conrad Röntgen 1998 bei Eschede verunglückte und viele Verletzte über längere Zeit für die Retter unerreichbar blieben, weil sich die Fenster nicht öffnen ließen. Schollglas erhielt für den innovativen Notausstieg 2003 den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Heute sind fast alle ICEs der Bahn damit ausgerüstet.

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