Neue Top Level Domains: Unser Internet soll größer werden

Neue Top Level Domains: Unser Internet soll größer werden

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Abstimmung für die neue Domainwelt in Singapur am 20. Juni 2011

von Oliver Voß

Im Internet werden neue Endungen wie .hotel oder .berlin möglich. Die neuen Adressen sind teuer, der Erfolg unklar, trotzdem wird heftig darum gestritten. Was die neuen Domains für Unternehmen und Nutzer bedeuten.

Am Montag wurde nichts weniger verkündet, als „die größte Veränderung, seit es das Internet gibt“. So jedenfalls bezeichnete der Chef der Internet-Regulierungsbehörde ICANN, Peter Dengate Thrush, den Beschluss des Gremiums, das Adresssystem im Netz radikal auszuweiten. Zusätzlich zu den bisher gebräuchlichen Adress-Endungen, wie .de oder .com werden dann auch Firmennamen, Städte und andere Begriffe möglich.

Diskutiert wurde dieser Plan seit Jahren, die endgültige Entscheidung traf die ICANN jetzt in Singapur. Zwischen dem 12. Januar und dem 12. April 2012 können sich die Interessenten bewerben, nach Prüfung der Anträge werden die ersten Entscheidungen zur Bewilligung bis November 2012 erwartet. Im Netz zu finden sind die neuen Domains dann voraussichtlich ab 2013, auch wer sich privat neue Adressen registrieren möchte, dürfte erst dann wirklich zum Zug kommen, auch wenn Vorbestellungen schon jetzt möglich sind.

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Denn der Aufbau und Betrieb der neuen Adressräume ist komplex. „Jeder der eine der neuen Topleveldomains betreibt, hat ähnliche Rechte und Pflichten, wie die DENIC, die jetzt die .de-Adressen verwaltet“, erklärt Oliver Süme, stellvertretender Vorstandsvorsitzender beim Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. (eco).

Daher können sich auch keine Privatpersonen bei der ICANN für die neuen Endungen bewerben, sondern nur Firmen und Organisationen, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu gehört ein Nachweis der technischen Befähigung.

Kosten von einer Million Euro

Zudem sind die neuen Top Level Domains eine teure Angelegenheit. Allein für die Bewerbung wird eine Gebühr von 185 000 Dollar (130 000 Euro) fällig. „Insgesamt kann so ein Projekt im ersten Jahr eine Million Euro kosten“, sagt Süme. Auch der Branchenverband BITKOM rechnet mit bis zu einer halben Million Euro für Projektmanagement, Technik und Rechtsberatung, der laufende Betrieb könne dann bis zu 200.000 Euro pro Jahr kosten.

Trotzdem ist das Interesse groß, die ICANN erwartet etwa 120 Bewerbungen für die neuen Top Level Domains. Zum Vergleich: Derzeit gibt es etwa 270 verschiedene Domain-Namen. Die meisten davon sind die Länderendungen, wobei beispielsweise das Kürzel .tv des Inselstaates Tuvalu auch gern für kommerzielle Web-Videoangebote genutzt wird und für die Insel zu einer lukrativen Einnahmequelle geworden ist. Auch als nach der Unabhängigkeit Montenegros 2008 neue Adressen mit der Endung .me vergeben wurden, war das Interesse groß.

Vor allem für Großunternehmen dürften die neuen Adressen interessant sein. Canon, Deloitte und Hitachi haben bereits angekündigt, sich für ihre Namen zu bewerben. Der Internetverband eco rechnet damit, dass demnächst auch große deutsche Konzerne zu ihren Plänen äußern.

Allerdings reagieren nicht alle Unternehmen euphorisch auf die neuen Namensmöglichkeiten.

“Bisher haben wir relativ wenig Interesse von Unternehmen gesehen”, sagte Alan Drewsen, Chef der International Trademark Association gegenüber der Nachrichtenagentur “Bloomberg”. „Die Unternehmen haben so viel Zeit und Geld investiert, um ihre Kunden auf ihre Seiten zu lenken“, gibt der Marken-Experte zu bedenken.

„Für Unternehmen bieten sich jetzt ganz neue Chancen der Markenbildung“, sagt dagegen Thomas Rickert, der bei eco für Adressfragen zuständig ist. „Insgesamt werden Inhalte im Internet für den Nutzer viel leichter auffindbar.“ Doch ob das Internet durch eine Vielzahl neuer Domains wirklich übersichtlicher wird, muss sich erst noch zeigen.

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