Neues Smartphone Key One: Ein schwerer Neuanfang für Blackberry

Neues Smartphone Key One: Ein schwerer Neuanfang für Blackberry

, aktualisiert 16. Mai 2017, 13:55 Uhr
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Das Key One ist das erste Modell, das unter der Ägide der TCL-Tochter Blackberry Mobile entstanden ist – das Unternehmen Blackberry ist nur noch am Rande beteiligt.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Es macht wieder Klick: Heute kommt das Blackberry Key One mit echter Tastatur heraus. Dahinter steckt der chinesische Konzern TCL, der die bekannte Marke nutzt – und die Frage beantworten muss: Wer braucht noch Tasten?

DüsseldorfAuf der Vorderseite glänzen die kleinen, abgerundeten Tasten. Über den weißen Buchstaben stehen, ganz klein, Ziffern und Sonderzeichen. Und auf der Rückseite fällt das stilisierte B ins Auge, das in die Abdeckung eingelassen ist. Wer über 30 Jahre alt ist und die vergangenen Jahre nicht in medialer Abstinenz verbracht hat, der erkennt gleich: Dieses Smartphone ist ein Blackberry.

So unwahrscheinlich das klingt: Die traditionsreiche Marke feiert gerade ein Comeback. Das Key One kommt am heutigen Dienstag in Deutschland auf den Markt, große Elektronikhändler und Mobilfunkanbieter werden es vertreiben. Dahinter steckt jedoch nicht der Konzern Blackberry, sondern der chinesische Hersteller TCL, der die Markenrechte erworben hat und nun neue Modelle entwickelt und fertigt.

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„Die Menschen kennen die Marke“, sagt Francois Mahieu, der das Europageschäft der TCL-Tochter Blackberry Mobile leitet. Sie sei immer noch ein Zeichen für Erfolg, „fast ein Statussymbol“. Mit einer Marketingkampagne will er nun den spektakulären Niedergang des Blackberry-Geschäfts vergessen machen. Und er will zeigen, dass Handys mit Tasten immer noch gefragt sind – trotz der vielen Konkurrenten, die schon den Original-Blackberrys vor einigen Jahren das Leben schwer machten.

Das Key One soll die Stärken ausspielen, für die Blackberry steht: Es hat eine Tastatur mit echten, klickenden Tasten, ergänzt um intelligente Wortvorschläge auf dem Bildschirm. Es bietet einige Sicherheitsfunktionen, etwa eine App namens DTEK, die permanent den Zustand des Gerätes überwacht und vor Risiken warnt. Und es enthält einen Akku, der auch bei intensiver Nutzung mindestens den ganzen Tag durchhalten soll.

Damit die Nutzer nicht auf eine große Auswahl an Apps, Musik und Filme verzichten müssen, nutzt TCL aber kein eigenes Betriebssystem, wie es Blackberry bei seinen E-Mail-Maschinen lange tat, sondern installiert Android. Allerdings handelt es sich um eine besonders abgesicherte Version, die Schwachstellen des Betriebssystems ausbessern soll. Der Hersteller bewirbt das Gerät als „das sicherste Android-Smartphone“.

Die Software stammt übrigens von Blackberry. „Wir arbeiten sehr eng mit TCL zusammen, um Sicherheit in jede Schicht des Key One einzubauen“, versicherte Blackberry-Manager Alex Thurber bei der Präsentation im Februar. Der kanadische Konzern steuert auch einige Anwendungen bei, etwa eine Zentrale für alle Arten von Nachrichten.


Teil eines Markenreiches

Mit einem Preis von 600 Euro zielt das Key One auf das Premiumsegment, es kostet etwas weniger als das iPhone 7 (ab 760 Euro) und das Galaxy S8 (ab rund 700 Euro). Es ziele auf „professionelle Verbraucher und Firmen“, sagt Blackberry-Mobile-Manager Mahieu. 15 bis 20 Prozent der Verbraucher in Europa zählt er dazu.

Daher sollen sich nicht nur Banker und Berater dafür interessieren, sondern alle, die für die Arbeit viel unterwegs sind – das legt auch der Werbespot nah, den das Unternehmen im Februar auf dem Mobile World Congress zeigte. In den Worten von Mahieu: „Das Key One ist das Smartphone, um die Arbeit erledigt zu bekommen.“

TCL bekommt es allerdings mit harter Konkurrenz zu tun. Zum einen sind die Zeiten rasanten Wachstums vorbei, vielerorts ist der Markt gesättigt – wer Marktanteile gewinnen will, muss das auf Kosten anderer Anbieter tun. Zum anderen bauen inzwischen auch chinesische Hersteller wie Huawei Geräte mit Premiumausstattung, und zwar zu günstigen Preisen.

Ob die Ausstattung mit Tastatur reicht, um eine lukrative Nische zu finden, bezweifeln Experten. „Das Segment ist inzwischen sehr klein“, beobachtet Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. Das habe mit dem Wandel der Nutzungsgewohnheiten zu tun: Anders als in den Hochzeiten von Blackberry sei das Smartphone nicht nur eine Maschine für Textnachrichten, sondern auch ein Lesegerät und eine Videoabspielstation. „Das Tippen steht nicht mehr im Vordergrund.“

Zudem hält sie den Preis von 600 Euro für ambitioniert. „Unternehmenskunden suchen meist Mittelklassegeräte, die Nachfrage nach so einem hochpreisigen Produkt ist gering.“ Und Privatnutzer bekommen für diese Summe auch zahlreiche andere gut ausgestattete Geräte – der Hersteller muss also einiges tun, um sie zu überzeugen.

Einen Vorteil hat TCL allerdings gegenüber Blackberry: Anders als der kanadische Konzern ist der chinesische Hersteller nicht von den Smartphones mit dem dicken B allein abhängig. Er verkauft in vielen Ländern bereits erfolgreich günstige Geräte mit Alcatel-Logo und ist in der Heimat auch unter eigenem Namen aktiv. „Blackberry ist eine Ergänzung für TCL“, betont Mahieu. Es ist also ein Comeback mit begrenztem Risiko.

Quelle:  Handelsblatt Online
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