
Wie sieht es mit Geräuschen aus? Ob Sie es glauben oder nicht, Markenbildung mithilfe von Geräuschen gibt es schon seit den Fünfzigerjahren. General Electric entwickelte seine vertrauten drei Töne – das akustische Äquivalent eines Logos – bereits vor Jahrzehnten. Auch Kellogg’s kultiviert seit Jahren ein Erkennungsgeräusch und beauftragte sogar ein dänisches Labor damit, ein unverkennbares Knuspergeräusch zu entwerfen, damit jedes Kind den Unterschied zwischen dem Zerkauen von Kellogg’s und irgendwelchen anderen Cornflakes hören kann. Nichts prägt sich so ein wie ein gesungener Werbespruch, egal, wie doof oder nervtötend er ist. Wer kennt nicht: „Nichts ist unmöglich – Toyota“?
Wir haben gesehen, wie das Neuromarketing Erklärungen dafür liefern kann, was wir warum kaufen. Aber kann man damit auch den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg eines Produkts vorhersagen? Hält diese vergleichsweise junge, aber vielversprechende Wissenschaft so etwas wie den Heiligen Gral bereit – das, worauf Werbetreibende und Marketingleute ihr Leben lang gewartet haben? Oder vermag Neuromarketing Firmen sogar zu helfen, solche Produkte zu entwickeln, die wir Verbraucher wirklich haben wollen und mögen? Falls ja, kann dann das Neuromarketing auf einem Gebiet erfolgreich sein, auf dem die Marktforschung bisher versagt hat: Ist es in der Lage, auf wissenschaftliche Weise zuverlässig Erfolg oder Misserfolg einer Marke vorhersagen?
Unser nächstes Experiment mit Gehirnscans konzentrierte sich auf die Prognosefähigkeit des Neuromarketings. Wir verwendeten für diesen Versuch die Pilotversion einer Fernsehshow. In Befragungen erklärten Hunderte von Probanden ihre Abneigung – aber im Stillen mochten sie die Show doch.
Was wäre geschehen, hätte es Neuromarketing schon vor zehn Jahren gegeben? Die Unternehmen hätten erkennen können, welche Produkte keinen Erfolg haben würden, sie hätten Hunderte von Millionen sparen können. Es ist merkwürdig, wie lange es gedauert hat, bis Wissenschaft und Marketing zusammengefunden haben. Naturwissenschaft gibt es, seit sich die Menschen wundern, warum wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten. Marketing ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. In der Wissenschaft geht es um Fakten, um eine Erkenntnis der Wahrheit. Die Marketing- und Werbeleute werfen dagegen seit einem Jahrhundert Spaghetti an die Wand – in der Hoffnung, dass sie kleben bleiben.
Neuromarketing steckt noch in den Kinderschuhen, und ich denke, es wird an Bedeutung gewinnen. Möglicherweise werden wir auch damit nie genau bestimmen können, wo der „Kaufauslöser“ in unserem Gehirn sitzt – Gott sei Dank!, werden viele jetzt aufatmen –, aber es wird uns helfen, einige Trends und Entwicklungen vorherzusagen, die den Handel auf der ganzen Welt verändern werden.












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Alle Kommentare lesen02.09.2009, 23:56 UhrAnonymer Benutzer: Marketer
ich muss gleichermaßen zugeben, dass ich mich durch beide Artikel des Herrn Lindström quälen musste. Nicht, weil es am Thema liegt - ich komme aus der branche. Das Problem ist, dass wie die anderen MaFo-Konzepte es auch versuchen, auch hier nach der übergreifenden Wahrheit für den goldenen Weg gesucht wird. Nicht unberechtigt, es geht um viel, viel Geld.
Aber: bislang wird zuviel auf Ergebnisse geachtet. Was heißt das? Der kreative Entstehung-Prozess wird vernachlässigt. Und der entscheidet in meinen Augen ebenso wie richtige Konzertierung von Marketinginstrumenten in den richtigen Kanälen.
in diesem Sinne: Marketing - und Werbekommunikation sind eine komplexe Vernetzungsleistung, die vor einem bestimmten Geschäftsmodell falsch oder richtig erstellt werden können. insofern hat eine gute Vernetzungsleistung sicherlich auch einen "positiveren" neuronalen Ausschlag zur Folge, der sich von schlechter Werbung unterscheidet. Aber das ist, wie ein anderer Kommentator bereits geäußert hat, eine vorhersehbare Leistung.
ich denke, dem Marketing würden mehr interdisziplinärer Dialog und mehr Fachkenntnisse gut tun. Aber ich habe mir mehr von den neuronalen Ergebnissen erhofft. Nur quäle ich mich seit Jahren durch immer neue Hiobsbotschaften, wie komplexe Zusammenhänge auf best-Practice oder Every-is-Changing-Erkenntnisse zusammen gedampft werden. Aber diese Erkenntnisse sind kein WiWo-Titel wert, höchstens eine buchvorstellung...
Den Artikel zur Religion und zur Marke: ein lustiges Sammelwerk für Einsteiger, dem Experten wird die Vernetzungsleistung allerdings etwas trivial vorkommen.
in der Hoffnung, dass in Zukunft nicht alle Preisschilder mit Smileys versehen werden - die haben nämlich in einer anderen Neuro-Studie auch großartigen Erfolg gehabt...
17.08.2009, 23:10 UhrAnonymer Benutzer: Mr. Markenlexikon
Habe vor kurzem die englische Ausgabe des oberpeinlichen buches "buyology" von Martin Lindstrom gelesen. Das muss man erst einmal verdauen. Was sich Lindstrom einbildet, und wie er sich zum Supermarketingexperten aufbläst, ist kaum noch zu toppen. Ein paar Kostproben:
> "The results ... [will] transform the way you think about how and why you buy." (S. 12)
> "i felt i could help uncover our minds' truest motivations - and just maybe push human brain science forward at the same time." (S. 22f.)
> "The brain scan study i decided to undertake would be the first attempt to examine not just a specific brand ... but to explore what the concept "brand" really means to our brains." (S. 33)
> "it was the first time that anyone had tried to prove a scientific link between brands and the world's religions." (S. 121)
> "Thanks to our brain-scan experiments, for the first time ever, we know the brain science behind why." (S. 190; referring to the use of sex and beauty in advertising)
> "in this book, you've witnessed a historic meeting between science and marketing." (S. 194)
> "My study has, i hope, helped to demystify much of what goes on in our subconscious minds." (S. 203)
Mir tun all die ehrbaren Wissenschaftler leid, deren Studienergebnisse er unter seinen Namen vermarktet!
Rahel Willhardt hat es Anfang des Jahres in der Absatzwirtschaft auf den Punkt gebracht: "Vielleicht ist das größte Manko des buches seine (für europäisch sozialisierte Gehirnwindungen) zum Größenwahn neigende Vermarktung." (1/2009, S. 39)
Dem kann ich nur beipflichten: No-buy-ology!!!
17.08.2009, 11:51 UhrAnonymer Benutzer: Hamanda
Alles ist Universum - auch du und ich. Aber wer bin ich? Gibt es mich überhaupt? Eigentlich nicht. Ergo: Es gibt auch kein Dopamin oder pseudowissenschaftlichen Nonsens.