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Ökoautos: Wie Elektroautos unseren Alltag verändern werden

von Jürgen Rees, Matthias Kamp (Peking) und Martin Seiwert

Weltweit fließen Milliarden in die Entwicklung von Elektroautos. Der Wettkampf um den Stromantrieb wird die Industrie revolutionieren. Deshalb ist die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt so grün wie nie.

Der Mercedes Blue Zero E-Cell Quelle: AP
Der Mercedes Blue Zero E-Cell Quelle: AP

"Wir sind zur Oma nach Pforzheim gefahren", schrieb Bertha Benz am 5. August 1888 ihrem Mann Carl. Der hatte keine Ahnung vom riskanten Ausflug seiner Frau und seiner beiden Söhne Richard und Eugen: Die drei knatterten in einer Art dreirädrigen Kutsche mit 0,9 PS und mit bis zu 18 Kilometern pro Stunde die damals sagenhafte Entfernung von 106 Kilometern von Mannheim nach Pforzheim. Bertha Benz war damit der erste Mensch, der eine Fernfahrt in einem Benzinauto unternahm. Die Tour im sogenannten Benz Motorwagen markiert den Beginn der spektakulären Erfolgsgeschichte des Verbrennungsmotors.

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Ganz in der Nähe, zwischen Pforzheim und Stuttgart, fährt heute wieder ein Mercedes-Benz. Und wieder ist er das Symbol für den Aufbruch in ein neues Zeitalter: Der giftgrüne Kompaktwagen Blue Zero surrt dank eines Elektromotors flüsterleise über den Flugplatz Malmsheim, 30 Kilometer westlich von Stuttgart. Noch ist er ein Einzelstück. Doch schon nächstes Jahr soll er als Elektro-A-Klasse-Modell mit bis zu 200 Kilometer Reichweite auf den Markt kommen, in einer Miniauflage von 500 Exemplaren. Spätestens 2014 soll die Öko-A-Klasse in Serie gehen. Aber nicht nur sie. Bis dann wollen alle großen Hersteller mit Elektromobilen auf dem Markt sein.

Auf der Schwelle zur Antriebs-Revolution

Auch wenn auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die am Donnerstag dieser Woche in Frankfurt ihre Tore öffnet, noch die klassischen Modelle mit Benzin- und Dieselantrieb die Messestände beherrschen werden – schon jetzt ist allen Spielern im Markt klar: Langfristig wird der Elektroantrieb den Verbrennungsmotor vollständig ablösen. Schwindende Erdölreserven, hohe Benzinpreise, die Klimadebatte und immer schärfere Abgasvorschriften zwingen Autohersteller, Zulieferer und Kunden zu einem radikalen Kurswechsel. Für die Hersteller ist es der größte Umbau in ihrer Geschichte. Denn die neuen Stromautos brauchen leistungsfähige Batterien und eine komplexe Steuerungselektronik. Zugleich werden Verbrennungsmotoren, mehrstufige Getriebe, Auspuffanlagen und Katalysatoren überflüssig.

„Wir stehen an einer Schwelle, vergleichbar mit der von der Schreibmaschine zum Computer“, sagt Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick. Selbst wenn die Verbrennungsmotoren in den nächsten Jahren deutlich sparsamer werden, müssen bis zum Jahr 2020 bis zu zehn Prozent der zugelassenen Autos elektrisch und emissionsfrei fahren, um die weltweit vereinbarten Klimaziele zu erreichen.

Ein neuer Markt entsteht

Doch wer wird das Rennen um das Elektroauto gewinnen? Was zählt noch die über Jahre erworbene Kompetenz im Bau von Motoren oder anderen Fahrzeugkomponenten? Welche der 17 weltweit tätigen Autohersteller und ihrer 10.000 Zulieferer werden überleben? Wer dominiert künftig die Branche? Welche Region gibt den Ton an? Mit Staatsmilliarden gepäppelte Produzenten aus China nutzen schon jetzt ihre Chance, ebenso wie Startups aus den USA. Mit neuen Ideen und Techniken greifen sie die etablierten deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler, BMW & Co. an. Die halten mit Milliardeninvestitionen in die neue Technik dagegen.

Wie gigantisch die Umwälzungen sein werden, zeigt eine neue Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey: Weltweit können Elektrofahrzeuge bis 2020 einen Marktanteil von etwa neun Prozent erreichen. Das wären rund sieben Millionen Fahrzeuge und ein neuer Markt mit 470 Milliarden Euro Umsatz.

Die Stromer kommen (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Die Stromer kommen (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Rund 140.000 neue Arbeitsplätze würden dann weltweit in Unternehmen entstehen, die Batterien herstellen und entwickeln, so die Studie. Doch zugleich fallen 46.000 Jobs weg, davon 12.000 bei deutschen Herstellern von Motoren, Getrieben und Abgasanlagen. „Es ist eine Frage des langfristigen Überlebens, dass sich Unternehmen den entstehenden Elektromarkt erschließen“, sagt McKinsey-Autoexperte Christian Malorny.

In einem weiteren Schritt wird das Stromzeitalter auch das Geschäft von Autohändlern und Werkstätten erschüttern. Rund 600.000 Mitarbeiter zählt McKinsey heute im Kfz-Handel, in Werkstätten und bei Zubehörherstellern in Deutschland. Schon jetzt zeigt sich, dass Elektroautos weniger wartungsintensiv sind als Verbrennungsmotoren. Sie benötigen kein Motorenöl, kein mehrstufiges Getriebe, keinen Auspuff und keinen Katalysator mehr, diese Teile jedoch machen einen erheblichen Teil aller Reparaturen aus. Die einzig wartungsintensiven Teile von Elektroautos sind Batterie und Elektronik.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.10.2009, 19:11 UhrAnonymer Benutzer: ViTAL.power

    und zum Schluss:

    Unter dem Diktat der Mineralöllobby werden sich die meisten rückständigen Deutschen unterstützt mit oder ohne der „Abwrackprämie“ artverwandten Förderprogrammen einen „modernen“ Hybrid (benziner, Diesel od. Gas) zugelegt haben, das immerhin weniger als 5lt/100km verbraucht und weniger als 100gr CO2/km ausstösst. Die Rückständigen zahlen trotzdem oder eben aus diesem Grund immer höhere Strom- wie auch benzin, Diesel, Öl und Gaspreise. (war immer so und wird sicher auch immer so bleiben...)

    Die voraussichtigen Deutschen fahren unterdessen längst rein elektrisch, haben eine PV auf dem Dach, ein Windrad im Garten und/oder ein bHKW als Energiezentrale im Keller od. sind an solchen beteiligt Trotz der verlockenden Angebote der Automobiliindustrie, haben sie sich, anselle eines Neuwagens, für eben diese gewinnbringende investitionen entschieden, ihr Haus wärmegedämmt oder eben überhaupt eines gekauft. im Winter werden diese Elektrofahrzeuge über naheliegende bHKW oder Windkraft versorgt im Sommer über die PV-Anlagen. Die Stromüberschüsse verkaufen die Voraussichtigen direkt an die Rückständigen.

  • 06.10.2009, 19:07 UhrAnonymer Benutzer: ViTAL.power

    ich habe einen Arbeitsspeicher von 2 Gb.

    Aber mein Liebling ist der:

    "Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.
    (Gottlieb Daimler, 1901)

    Das war nun vor genau 100 Jahren. Also schluss mit Lustig, blicken wir in die Zukunft:

    @ misterdata am 17.09.2009 15:45 Uhr
    bei vorsichtigen Schätzungen werden in 10 Jahren die batterien die 4-fache Speicherleistung bei gleichbleibendem Gewicht erreichen. Die Ladung wird 10x schneller erledigt sein, die Reichweite vervierfacht. Die Lebensdauer der batterien werden sich verdoppelt und die Preise halbiert haben. Die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen wird die 2,5 Millionengrenze überschritten haben. in der gleichen Zeit wird sich der Strompreis vervierfachen (ca. € 0,80kWh – 1,00kWh und es wird eine Elektromobilitätssteuer (evtl. Über Toll Collect) erhoben. Die Mineralölpreise werden sich bereits zwischen $200.00 und $300.00/barrel bewegen, Diesel und benzin gibt's für über € 3.50/ltr - € 5.00/ltr.. Lange Transportwege fallen weg. Das 3-Liter-Auto wirdt "wiiedergeboren". Der CO2-Ausstoss wird sich hoffentlich ½-irt haben.

  • 06.10.2009, 19:00 UhrAnonymer Benutzer: ViTAL.power

    @ GDM am 18.09.2009 12:37 Uhr
    batteriesatz kostet heute ca. € 8'000.00. Die Lebensdauer ist ca. 80'000km. Citroen-batterien halten auch über 100'000km. Damit läuft ein Stromer bereits heute im betrieb (inkl. Amortisation) günstiger. Die Entsorgung ist kein Problem. 1. Müssen die batteriehersteller diese zurücknehmen. 2. Sind batterien kein Abfall sonder ein wertvoller Rohstoff (Recycling). 3. Gibt's sogar spezialiserte Unternehmen die die batterien wieder aufbereiten. „Stromtanke“ sind einfach zu realisieren, da überall Strom vorhanden ist (sogar bei Dir zu Hause...!). oder versuch doch mal einen benzin- und Dieseltank im Garten einbuddeln bzw. selber herzustellen. Über 80% der Deutschen haben keinen grösseren Aktionsradius als 60-100km/Tag. Die elektrische Energiespeicherung wird in den kommenden 5 Jahren revolutionäre Formen annehmen, ähnlich wie diese die Computerindustrie vorgemacht hat. Dazu ein paar Zitate zur Aufheiterung:

    „640 Kb an Arbeitsspeicher ist alles was eine Anwendung jemals benötigen wird!“ (bill Gates, 1981)

    Es gibt nichts Neues mehr. Alles, was man erfinden kann, ist schon erfunden worden.
    (Charles H. Duell, US-Patentamt, 1899)

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