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Ökonom Blankart: Mehr Freiheit für Spender

von Cornelia Schmergal

Der Ökonom Charles Blankart fordert mehr Rechte für potenzielle Organspender, um den Mangel an Nieren und Herzen zu bekämpfen.

Charles Blankart Quelle: LAIF/Amin Akhtar
Charles Blankart Quelle: LAIF/Amin Akhtar

Herr Blankart, künftig soll jeder Deutsche zu Lebzeiten entscheiden, ob er im Falle seines Todes Organspender sein will oder nicht. Wird das die Zahl der Organspenden erhöhen?

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Blankart: Das Ziel ist richtig, der Weg ist falsch. Der Gesetzgeber darf das Grundrecht der Person nur dann mit Zwang belegen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Eingriff muss geeignet, erforderlich und angemessen sein. Zur Erhöhung der Spenderzahl ist die Erklärungspflicht aber weder erforderlich noch angemessen; denn es gibt freiwillige Verfahren, um das Angebot an Organen zu erhöhen.

Wie sehen solche Verfahren aus?

Um die Spenderzahl zu erhöhen, braucht es mehr Freiheit statt mehr Zwang. Auf Freiheit beruht etwa das Vorsorgeprinzip: Jeder Mensch muss das Recht haben, rechtlich bindend zu erklären: „Meine Organe sollen nach meinem Tod vorzugsweise an jene gehen, die sich ebenso zur Spende erklärt haben wie ich.“ Dahinter steht die Grundidee, dass Helfer einander helfen. Je mehr mitwirken, desto besser die Versorgung mit Organen. Geld spielt keine Rolle.

Diese Lösung setzt auf den Selbstnutzen des Spenders. Kirchen sagen aber, eine Spende setze im Wortsinne voraus, dass es keine Gegenleistung gibt.

Das ist Wortklauberei. Der Gesetzgeber verlangt Unentgeltlichkeit bei der Organspende – nicht um altruistische Spenden im Sinne der Theologen zu erzeugen, sondern um zu verhindern, dass Menschen ihre Organe wegen einer Zwangslage oder gar aus Unachtsamkeit hergeben.

Halten Sie dieses Ziel etwa für falsch?

Für Lebendspenden braucht es andere Gesetzesregeln als für Totenspenden. Der Gesetzgeber muss differenzieren: Nicht jede entgeltliche Lebendspende geschieht aus Zwang oder Unachtsamkeit. Und auch wenn jemand unentgeltlich eine Niere spendet, ist eine Gegenleistung nicht völlig ausgeschlossen, falls zum Beispiel eine Erbschaft in Aussicht gestellt wird.

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15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2011, 15:02 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    @MV

    "schlafwandlerischer Sicherheit darauf zurückführen, dass ich Sie nicht verstanden hätte"

    Nun ja, es fällt halt auf, dass ihnen grundlegende Zusammenhänge schlichtweg nicht bekannt sind! Das ist aber leider ihr Problem!

    "dann sollten Sie mal meine Frau sehen, was die alles verkauft, was man früher einfach weggeschmissen hätte."

    ich gehe jede Wette ein, eines ihrer Organe war nicht dabei?! Die Motivationslage der Verkäufer (und der Käufer) bei Ebay ist eine grundlegend andere und nicht mit der Motivation der Organspender und -suchenden vergleichbar! bei Ebay werden zudem weitestgehend austauschbare Gegenstände versteigert! Sie können sich bei vergleichbaren Gegenständen preislich orientieren! Wie Sie gelernt haben sollten, gehören Organe n i c h t dazu!

    "ich meine, mein bauch gehört mir, - Sie bestreiten das."

    Nein, solange die Entscheidung ausschließlich Sie selbst betrifft, medizinisch unbedenklich ist und diese nachweisbar frei und ohne Zwang erfolgt! Jede andere Konstellation lehne ich allerdings genauso entschieden ab!

    "Aber ich maße mir nicht an, iHNEN vorzuschreiben, was SiE mit iHREN Organen anstellen."

    Das tue ich auch nicht, wie Sie gemerkt haben sollten! Sie können ihre Organe spenden, wem und wann immer sie wollen! Nur ein Handel mit Organen gehört verboten!

    "Wegen Mangel an diesen [Nahrungsmitteln], sterben wesentlich mehr Menschen, meistens in Gegenden übrigens, in welchen kein Markt wegen mangelnder Rechtssicherheit Zustande kommen kann"

    Also, alles was Recht ist, dieser Einwand ist blödsinn! Selbst in Gegenden, in denen keine Rechtssicherheit herrscht, gibt es einen (offenen oder versteckten) Handel mit Grundnahrungsmitteln! Die wahren Ursachen der Unterversorgung in vielen Gegenden der Welt liegen aber ganz woanders! Aber das ist ein anderes Thema.

  • 26.10.2011, 00:36 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @nicolo

    ich finde es ja erfrischend, dass Sie ihr Nichtnachvollziehen meines beitrages mit schlafwandlerischer Sicherheit darauf zurückführen, dass ich Sie nicht verstanden hätte, Sie „selbstbewusstes“ Kerlchen, Sie.

    Zunächst einmal geht auch von einer Auktionsbörse ein Preissignal aus und zwar eines, das Signalisiert: "Hier werden dafür Preise gezahlt!"

    Verstehen Sie, bisher gab es GAR NiX - jetzt gibt es eben GELD. Viele Dinge z.b., welche man früher entsorgte, kommen jetzt auf den Markt dank E-bAY. Wenn Sie glauben, von einer Auktionsbörse würden daher keine Preissignale ausgehen, dann sollten Sie mal meine Frau sehen, was die alles verkauft, was man früher einfach weggeschmissen hätte.

    Zitat: "Es ist müßig, auf ihre Gedanken zur "Ethik" zu antworten. Hier liegen wir meilenweit auseinander."

    Stimmt, ich meine, mein bauch gehört mir, - Sie bestreiten das.

    Zitat: "Wollen Sie dafür verantwortlich sein, wenn ein Geschäft "wegen 50 Euro Differenz" scheitert (und der potentielle Empfänger deshalb stirbt)?"

    Nein, iCH nicht. Aber ich maße mir nicht an, iHNEN vorzuschreiben, was SiE mit iHREN Organen anstellen. Dabei ist es übrigens egal, ob es ihre eigenen sind oder die ihres Großvaters (falls dieser testamentarisch zustimmte). ihr Argument gilt übrigens auch für Nahrungsmittel. Wegen Mangel an diesen, sterben wesentlich mehr Menschen, meistens in Gegenden übrigens, in welchen kein Markt wegen mangelnder Rechtssicherheit Zustande kommen kann, was wiederum den blick auf die wahren Aufgaben des Staates lenkt.

    Zitat: " Jetzt soll er sie noch nach dem Preis fragen?!"

    Nein, nein - es ist bestimmt viel "ethischer" sie umsonst zu fordern.

    Zitat: "Denken Sie das Problem mal in allen seinen Facetten zu Ende

    ich will mich nicht so weit wie Sie aus dem Fenster lehnen, aber ich glaube fast, dass tat ich sogar etwas mehr als Sie.

  • 25.10.2011, 15:27 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    @MV

    "Die "börse" ist nichts anderes als die Materealisierung des Marktes, welcher über den Preis in der Tat das Angebot erhöht."

    Sie haben offenbar meinen Ausführungen nicht folgen können! Aus den beschriebenen Gründen wäre nur eine "Auktionsbörse" möglich! Die auf einer Auktion erzielbaren Preise sind dabei so unterschiedlich wie die angebotenen Waren und die interessen der beteiligten. Die Geschäfte sind völlig unabhängig voneinander und eine Voraussage des Preises ist unmöglich! Von einer Auktionsbörse kann also auch kein Preissignal ausgehen! Das wäre aber erforderlich, um, wie Sie sagen, das Angebot preisinduziert langfristig zu erhöhen! ihre Annahme eines durch den Preis getriebenen höheren Angebots fehlt also schon eine Grundvoraussetzung der Angebotstheorie! Abgesehen davon, dass unter mitteleuropäischen Verhältnissen empirisch bisher immer nur sehr preisunelastische Angebotskurven festgestellt werden konnten, gäbe es also noch nicht einmal eindeutige Preissignale von einer börse, die das Angebot langfristig beeinflussen könnten! Der von ihnen postulierte Mengeneffekt existiert nicht!!!!

    Es ist müßig, auf ihre Gedanken zur "Ethik" zu antworten. Hier liegen wir meilenweit auseinander. Aber eines noch, da Sie diese Frage nur ausweichend beantwortet haben: Wer soll darüber entscheiden, ob ein Geschäft zustande kommt oder nicht?! Wollen Sie dafür verantwortlich sein, wenn ein Geschäft "wegen 50 Euro Differenz" scheitert (und der potentielle Empfänger deshalb stirbt)? Haben Sie sich das mal überlegt, welche Gewissenskonflikte daraus entstehen könnten? Haben Sie einmal miterlebt, wie ein junger Assistenzarzt die Eltern eines eben tödlich verunglückten Sohnes fragen mußte, ob sie bereit wären, Organe (ihres Sohnes) für Dritte zu spenden? Jetzt soll er sie noch nach dem Preis fragen?!

    Denken Sie das Problem mal in allen seinen Facetten zu Ende!

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