P7 Wireless und P9 im Test: So klingt die 900-Euro-Liga

P7 Wireless und P9 im Test: So klingt die 900-Euro-Liga

, aktualisiert 22. Februar 2017, 07:57 Uhr
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Waren über zwei Monate im Handelsblatt-Test: die Bowers & Wilkins Kopfhörer P9 (links) und der Bluetooth-Kopfhörer P7. Privat seit mehreren Jahren im Einsatz (rechts) das günstigere Kopfhörer-Modell P5.

von Carina Kontio und Florian HückelheimQuelle:Handelsblatt Online

Der britische Traditionshersteller Bowers & Wilkins hat mit dem P7 und dem P9 zwei High-End-Kopfhörer auf den Markt gebracht, die eine Klang-Revolution für Audio-Nerds versprechen. Ist das Geld sinnvoll angelegt?

KölnFüllige Rundungen, wunderbar weich und sinnlich: der P7 und der P9 des britischen Traditionsherstellers Bowers & Wilkins (B&W) sind zwei Kopfhörer der Sonderklasse. Wir haben die beiden Audio-Gadgets über mehrere Wochen lang getragen und uns angehört, was sie auf den Ohren machen.

Die Premium-Kopfhörer versprechen eine Klang-Revolution für Audio-Nerds - um sich das leisten zu können, müssen Sie allerdings tief in die Tasche greifen. So stehen für den kabellosen P7 399,99 Euro und für den kabelgebundenen P9 Signature stolze 899,99 Euro auf dem Preisschild. Viel zu überteuerter Luxus oder lohnt sich der Kauf?

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Ein Warnhinweis vorweg: Lieber Leser, wenn Sie seit 30 Jahren über ein Magazin-Abonnement für Hifi-, Surround- und High-End-Dinge verfügen, könnte der nachfolgende Artikel bei Ihnen zu Schnappatmung und einem lauten Lachanfall führen. Denn: Ich bin nur ein einfacher Audio-Laie. Einen Satz wie: „Der Kopfhörer ist ein Alleskönner, der echte Highend-Sphären erreicht und mit einem feinzeichnenden, präzisen, tendenziell analytischen und gleichzeitig druckvollen Klangbild begeistert“ werden Sie in diesem Text nicht lesen. Dazu kommt, dass es wohl kaum subjektivere Tests gibt als die von Kopfhörern. Bevor Sie mir also gleich in einem erbosten Leserbrief schreiben, dass ich stümperhaft und ohne fundierte Sachkenntnisse getestet habe, berücksichtigen Sie bitte, dass jeder Mensch anders hört und jeder Mensch unterschiedliche Präferenzen beim Musikgenuss hat.

Aber beginnen wir mit den harten Fakten: Mit dem P7 Wireless bringt B&W einen „Bluetooth-High-Ender“ auf den Markt, der sich an Einsteiger der höheren Audio-Klasse richtet, während der P9 aktuell wohl der hochwertigste Kopfhörer in der Produktpalette der Briten ist. Das Design ist bei beiden Produkten schlicht gehalten und unaufdringlich schön. Der P7 überzeugt mit schwarzem italienischem Schafleder und Aluminium, der P9 mit braunem Leder und nobel matt-gebürstetem Aluminium.
Besonders praktisch, auch wenn es seinen Platz im Reisegepäck braucht: Zum Transport in Bus und Bahn lassen sich die Edel-Kopfhörer einfach nach innen einklappen und in einem wertigen Case verstauen; wer stopft schon gerne mehrere hundert Euro einfach so in den Rucksack? Getragen werden die Kopfhörer Over-Ear, die Ohren verschwinden also komplett im Innern der samtweichen Hörmuscheln. Dadurch sieht man zwar ein bisschen aus wie Mickey-Maus oder die Star-Wars-Prinzessin Leia, dafür bekommt man akustisch aber auch eine entsprechende Performance und ein intensiveres Klangerlebnis geliefert (Funfact am Rande: die Kopfhörer eignen sich bei Temperaturen unter Null Grad hervorragend als warme Ohrenschützer. Im Winter eine super Alternative zu Mützen).


Tragekomfort: Vorsicht bei Problemohren!

Der Platz in den Muscheln ist eigentlich ausreichend. Ein Kollege* merkte allerdings an, dass Menschen mit großen oder abstehenden Problemohren vor dem Kauf unbedingt die Ohrmuscheln im Laden testen sollten. Ansonsten wird es ziemlich schnell unbequem - und dann nützt auch der beste Edelkopfhörer nicht viel.

Ansonsten ist der Tragekomfort aber ausgezeichnet, obwohl beide Kopfhörer doch recht wuchtig wirken im ersten Moment. Vor allem der P7 punktet hier: Auch nach stundenlangem Tragen mit einer Brille drückt und zwickt es nicht am Kopf. Der Sitz ist stramm und sicher, während der P9 im Test doch etwas zu viel Spiel hatte (das kann natürlich bei einem größeren Kopf wieder komplett anders sein). Vor allem beim Einsatz in Bus und Bahn scheint er etwas überdimensioniert. Schon bei kleinen Kopfbewegungen ließ er sich durch Schal, Winterjacke oder Kapuze verrutschten und musste immer wieder zurechtgerückt werden.

Im Büro hingegen überzeugt auch der P9 durch einen bequemen und komfortablen Sitz, auch wenn der Luxushörer als Schallmütze für die lärmenden Kollegen im Großraumbüro eigentlich viel zu schade ist. So richtig wohl fühlt man sich mit dem P9 nämlich am ehesten Daheim vor der Hifi-Anlage - dort bekommt der Hörer für die 900 Euro einen Spitzenklang, für den man sonst wohl einen vierstelligen Betrag in Produkte aus der High-End-Liga investieren muss. Ein Wermutstropfen: Wenn Ihre Vinylschallplatten Kratzer haben und es knackt und knistert, könnte die Freude etwas getrübt werden.

Genauso kann eigentlich auch der kabellose P7 seine wahren Klangstärken beim Musik-Streaming mit dem Smartphone noch nicht voll ausspielen. Dank der aptX-Technologie, die dafür sorgt, dass Musik in CD-Qualität per Bluetooth übertragen wird, erlebt man aber dennoch einen brillianten, satten und feinen Klang. Musikübertragung per Bluetooth war bisher klanglich eher bescheiden, weil verlustbehaftet, und erinnerte in schlimmen Momenten an Übertragungen aus dem Volksempfänger. Aus Sicht von iPhone-Nutzern gibt es allerdings einen Haken: aptX wird bislang nicht von Apple unterstützt. Stattdessen setzt der US-Konzern auf das hauseigene Format AAC - und bringt damit nicht wenige Musikliebhaber gegen sich auf.

Dafür funktioniert immerhin die Kopplung mit Smartphone, Tablet oder Laptop reibungslos und innerhalb weniger Sekunden steht die Verbindung. Während des Musik-Streamings über den Laptop via Bluetooth gab es allerdings einige wacklige Aussetzer, die sich nicht richtig erklären lassen.


Kabelloser Alleskönner für puren Musikgenuss

Bedient wird der P7 über entweder über das Handy oder in den Ohrhörer integrierte Bedienelemente - was allerdings nur dann funktioniert, wenn er sich im Bluetooth-Betrieb befindet. Ist das Kabel angeschlossen, tut sich an den kleinen Köpfchen leider nix. Ein Kabel, Sie haben ganz richtig gelesen. Denn B&W ermöglicht es, sobald der Lithium-Ionen-Akku nach 17 Stunden Musikgenuss schlapp macht, optional ein Kabel anzuschließen. Aufgeladen wird ebenfalls per Kabel via USB und der Kopfhörer kann währenddessen, beispielsweise am Schreibtisch bei der Arbeit, sogar weiter genutzt werden.

Fazit: Der kabellose P7 gewinnt!

Wie nicht anders zu erwarten, machen beide Kopfhörer im Test eine gute Figur - vor allem die Optik kommt nicht zu kurz. Als Schnäppchen kann man die stylischen Edelhörer allerdings nicht bezeichnen. Fangen wir mit dem P9 an, der kostet 899,99 Euro. Eine schöne Stange Geld, doch wer so viel investiert, bekommt auch ein perfektes Gadget, das vor allem in Kombination mit einer guten Hifi-Anlage sehr detailreich und deswegen einsame Spitze ist. Für unterwegs und zum schnöden mp3-Streaming ist er allerdings viel schade. Allen anspruchsvollen Hörern rate ich außerdem, den P9 in einem Laden ihrer Wahl ausführlich zu testen.

Klanglich ohne Fehl und Tadel ist auch der günstigere P7 Wireless für 399,99 Euro, mit dem vor allem eins sicher ist: Freiheit. Vor allem beim Einsatz in Bus- und Bahn schien er sehr nützlich, da es weder Kabelgeräusche noch Bewegungseinschränkungen gibt. Ob mit oder ohne Kabel: Der P7 garantiert über diverse Genres hinweg puren Musikgenuss, eine einfache Bedienung und man möchte den Alleskönner am liebsten den ganzen Tag lang tragen (auch wenn er an der Hifi-Anlage im direkten Vergleich gegen den P9 definitiv chancenlos ist).

*Falls meine bloß rudimentären Ausführungen nicht genug waren, steht Ihnen auf der nächsten Seite noch kurz mein Kollege Florian Hückelheim mit seinem audiophilen Fachwissen zur Verfügung. Der sagt: „Wer sein Sparbuch auf dem Kopf tragen möchte, kann sich edlen Haarschmuck leisten – oder in einen Kopfhörer investieren.“


Du hast die Hörer schön

Beginnen wir es ruhig. „Ganz leise kommt die Nacht“ bahnt sich den Weg durch das gefällig sanft fallende Kabel. Bohren & Der Club of Gore, die in den frühen 1990ern ihre Metal-Wurzeln gegen jazzig-sphärische Sounds getauscht haben, spielen letargisch, beinahe dem Stillstand verfallen, auf. Der P9 Signature bringt dabei eine angenehme Wärme im Ton und eine Weite im Klang mit.

Die akustische Bühne, die der geschlossene Kopfhörer dem Bass, Saxophon und Vibraphon bietet, ist für seine Bauart großzügig. Bowers & Wilkins gibt an, diesen Effekt mit einem leicht angewinkelten Einbau der 40-Millimeter-Treiber zu erzielen, was weniger technisch heißt, dass der Schall nicht von der Seite, sondern leicht von vorne (15 Grad Neigung) aus den kleinen Lautsprechern auf die Ohrmuschel trifft. Dadurch kommt es einem so vor, als hörte man die Musik aus Lautsprechern, die vor einem im Raum stehen.

Was den teuren P9 vom halb so teuren P7 Wireless unterscheidet, ist seine etwas feinere Auflösung bei den Mitten und Höhen, die bei leisen und klassischen Melodien genau so deutlich wird wie bei druckvollen Rock- oder Pop-Stücken. Für meinen Geschmack kommen spitze Töne manchmal, beispielsweise bei Bastilles „Good Grief“ zu stark durch, während Tame Impalas gut abgehangenem „The less I know the better“ diese Note gut zu Gehör steht.

Während des Probehörens fällt auf: Erst bei höherer Lautstärke erwacht die Basswiedergabe des P9 Signature so richtig, während sich die Höhen auch schon bei niedrigem Pegel in Szene zu setzen wissen. Der P7 Wireless startet seine Bässe bereits etwas eher, zeichnet dafür aber in den oberen Lagen nicht mehr so fein. Bei schlagzeug-, bass-, und elektrolastiger Pop-Musik ist das nicht weiter schlimm und fällt – wenn überhaupt – nur empfindlichen Hörern auf. Wer in der 400-Euro-Klasse einen Kopfhörer sucht, wird wahrscheinlich nicht in die Situation geraten, ein mehr als doppelt so teures Vergleichsgerät in seine engere Auswahl einzubeziehen. Doch all das ist Mäkeln auf hohem Niveau.
Wenn ich mich entscheiden müsste, welchem der beiden Modelle ich den Vorzug geben würde, wird es knifflig. Ungeachtet vom Preis ist der P9 Signature auch aus ästhetischen Gründen meine erste Wahl, trotz materialbedingten 90 Gramm mehr Gewicht und dem strammen Anpressdruck. Seine Haptik ist zweifellos hochwertig, das laut Hersteller „feinste italienische Saffiano-Leder“ an Ohrmuscheln und Kopfbügel ist in der Tat sehr sanft in seiner Textur und im Vergleich mit dem P7 Wireless ein wenig anschmiegsamer. Neben dem Klang sind es eben Details, die in dieser Klasse den Unterschied ausmachen.

Deshalb wäre die Wahl der Vernunft sicher der P7 Wireless oder sogar der kabelgebundene P7 der Briten Bowers & Wilkins. Der ist nicht nur 30 Gramm leichter, sondern auch nochmal gut 50 Euro günstiger. Der Drahtloskomfort ist dann selbstredend dahin und die Zahl alternativer Kopfhörer ungleich größer. Und das passt so gar nicht zu einem Produkt, von dem man zur selben Zeit immer nur eins benutzen kann.


Quelle:  Handelsblatt Online
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