Panasonic DMR-BST800: „Ja Schatz, der kann alles“

Panasonic DMR-BST800: „Ja Schatz, der kann alles“

, aktualisiert 30. November 2011, 13:26 Uhr
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Medialer Tausendsassa: Der Panasonic DMR-BST800 leistet die Arbeit von vier Geräten.

Quelle:Handelsblatt Online

Medialer Tausendsassa: Der DMR-BST800 von Panasonic kann fast alles - nur sexy ist er nicht. Aber vielleicht ist das gerade seine Stärke.

Die Aussicht auf unsichere Zeiten - wie von VW-Chef Martin Winterkorn vorhergesagt - verändert unseren Blick auf die Welt. Und diese neue Weltsicht verändert auch die Werbung. Vorbei sind die Zeiten, als Frau Heidi und Mann Seal ihr wild-oberflächliches Posh-Leben mit einem schwarzen und einem weißen VW Tiguan öffentlich thematisierten.

Es ist, als ob man zurück zu den Zeiten kommen würde, wo Werbung kein Image verhieß, sondern lediglich hartnäckige Überzeugungsarbeit leistete. Das Produkt kehrt zu seinem Ursprung zurück: vernünftige Investition statt Vernarrtheit. „Ja, Schatz, der kann alles“, verrät in Deutschland die Anzeige für ein neues Panasonic-Produkt, wofür es nicht mal einen Namen gibt. Die normierte Blackbox mit bodenständigem Design und bescheidenem Logo heißt schlicht: DMR-BST800.

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Um dessen Eigenschaften zu erklären, leistet sich die Anzeige fast 400 Wörter. Zum Vergleich: Sie haben bis hier lediglich 180 gelesen. Der Text ist im Twitter-Stil (die Gesamtlänge entspräche dann 25 Durchschnitts-Tweets) und spielt eine klassische Situation durch: Mann wünscht sich neben dem neuen Flachbildschirm-Fernseher einen digitalen Satellitentuner, einen Blu-ray-Player, einen Festplattenrekorder und einen Medienserver. Frau wünscht sich dagegen, Gott verzeihe das tragische Klischee, „Bilder, Vasen und Kerzen“.

Nach einem Dialog von platonischer Intensität ist man sich endlich einig: Panasonic hat die Lösung. Eine schwarze Box, für die selbst der Erfinder keine Gattung nennen kann: entweder „3-D-HDTV-Receiver und Blu-ray-Festplattenrekorder“ oder bloß „ultimativer Tausendsassa“. Nach allen Parametern des gegenwärtigen Marketings könnte man jetzt die Produktmanager von Panasonic automatisch feuern. Es fehlt ein wiedererkennbares Design, es fehlt eine nennbare Produktidentität und es fehlt schließlich jeder Sex-Appeal - was ja der ultimative Konsumtreiber wäre.


Da weiß man, was man hat

Aber nein, angesichts der jüngsten Aussagen von Martin Winterkorn ist die Produkterklärung im Stil des Persil-Manns von „da weiß man, was man hat“, ganz auf der Höhe der Zeit. Dass man im Fall von Panasonic eben nicht genau weiß, was man hat, ist sogar förderlich.

Die technisch trockene, unverständliche Produktbezeichnung vermittelt dem Käufer das Gefühl, bei Panasonic säßen noch immer vernünftige Ingenieure am Steuer - und keine schrillen Lifestyle-Berater. Das absolut antimodische Design im Stil eines SABA-Videorekorders um 1985 überzeugt, dass Panasonics Megading weitere 25 Jahre laufen und laufen und laufen könnte.

Selbstverständlich als letztes kommt das entscheidende Argument: Der „Tausendsassa“ leistet die Arbeit von gut vier Geräten. Bei einem Listenpreis um die 1000 Euro wird die ökonomische Dimension nicht thematisiert, dafür die erhöhte Gemütlichkeit der eigenen vier Wände.

Und nichts als das ist den Menschen wichtiger, wenn harte Zeiten eintreten. „Lass uns den nehmen, dann hat die Vase noch Platz“, jubelt die Frau.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der FH Köln und Gründer von Goodbrands.

Quelle:  Handelsblatt Online
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