Paypal-Chef Arnulf Keese: "Du bezahlst nur, wem du vertraust"

Paypal-Chef Arnulf Keese: "Du bezahlst nur, wem du vertraust"

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Arnulf Keese

von Thomas Kuhn und Andreas Menn

Der Deutschland-Chef des größten Online-Bezahldienstes Paypal über virtuelle Währungen, Vertrauen und Handys als Geldbörsen.

Herr Keese, wie fühlt man sich als virtueller Zentralbanker?

Keese: Wieso als Zentralbanker? Paypal gibt doch kein eigenes Geld heraus. Wir wickeln bloß Zahlungen ab.

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Aber aus Kundensicht ist Paypal längst so etwas wie eine Parallelwährung im Netz. Online-Käufer interessiert es nicht mehr, ob sie in Deutschland, der EU, den USA oder in Fernost einkaufen – solange der Verkäufer Paypal akzeptiert.

Keese: Das stimmt. Es gibt wohl einen Unterschied zwischen der äußeren Wahrnehmung und der Realität.

Paypal ist quasi die Blaupause für den digitalen Geldverkehr. Der Schritt zum Web-Geld ist nicht mehr weit, oder?

Keese: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht mehr so aussieht, praktisch gesehen machen wir nichts anderes als Banken, die Gelder aus einem Währungsraum in einen anderen transferieren. Wir sind bloß im währungsüberschreitenden Geschäft schneller und günstiger als klassische Geldhäuser. Ohne konkrete Zahlen nennen zu können – unser sogenanntes Cross-Border-Geschäft entwickelt sich extrem gut.

Trotzdem ist auch der Handel über Paypal mit Aufwand und Kosten verbunden. Braucht die Wirtschaft nicht doch eine echte Web-Währung, die schnell und ohne Wechselgebühren transferierbar ist?

Keese: Der Trend geht doch in die entgegengesetzte Richtung. Europa schafft nationale Währungen mehr und mehr ab und einigt sich auf die Euro-Zone. Warum sollten wir da im Internet einen zusätzlichen Währungsraum schaffen?

Weil dort inzwischen fast alle -Geschäftsprozesse digital stattfinden. Nur das Geld ist noch immer nicht digitalisiert.

Keese: Ich glaube nicht, dass die Menschen im Internet eine digitale Währung haben wollen. Was gab es da nicht alles schon für Systeme: Web-Cash, Cyber-Money etc. Nichts hat sich durchgesetzt.

Warum nicht?

Keese: Es scheint, dass die Anonymität, die viele Menschen am Bargeld schätzen, im Internet nicht zieht. Das Problem ist, dass der Vorteil der Anonymität mit dem Risiko des finanziellen Totalverlusts einhergeht. Im Netz scheinen die Leute eher auf Systeme zu setzen, bei denen garantiert ist, dass die Zahlung gedeckt ist und der Handelspartner auch existiert. Im realen Leben ist es so, dass du nur belieferst oder bezahlst, wem du vertraust. Beim E-Com- merce aber kann keiner beurteilen, ob die andere Seite seriös oder ein Betrüger ist.

Das wissen wir bei Bargeld auch nicht und nutzen es doch. Warum sollte das nicht auch mit einer Web-Währung funktionieren?

Keese: Weil wir sehr sicherheitsbewusste Menschen sind. Da wollen wir, dass hinter Währungen verlässliche Garanten – Staaten oder Währungsräume – für Stabilität und Konvertibilität sorgen.

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