Pharma: Verkaufsstopp für Diabetesmittel

Pharma: Verkaufsstopp für Diabetesmittel

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Wegen großer Kritik musste GlaxoSmithKline das Diabetesmittel Avandia vom Markt nehmen.

von Jürgen Salz

Heftiger Rückschlag für GlaxoSmithKline (GSK): Der britische Pharmakonzern soll sein Diabetesmittel vom Markt nehmen. Das Medikament stand seit längerer Zeit in der Kritik. Nun drohen weitere Klagen.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfahl GSK gestern Abend, dass Diabetiemittel Avandia wegen eines erhöhten Herzrisikos vom Markt zu nehmen. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA will den Zugang für Patienten deutlich erschweren. Damit ist das Aus für das Diabetismittel nahezu besiegelt.

Das Mittel stand seit längerer Zeit in der Kritik. Nach einem Bericht der New York Times soll GSK bereits kurz nach der Markteinführung von den Risiken gewusst, entsprechende Ergebnisse   aber unterdrückt haben. GSK bestreitet das. Seit 2007 wird die Sicherheit des Mittels öffentlich diskutiert.

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Klagen und Milliardenrisiken drohen

Seither geht es mit den Avandia-Umsätzen bergab. Noch 2006 nahm GSK mit dem Mittel weltweit drei Milliarden Dollar ein. 2009 waren es nur noch 1,2 Milliarden Dollar. Die Ärzte gingen verstärkt dazu über, dass Konkurenzpräpart Actos des japanischen Pharmakonzerns Takeda zu verschreiben. Auch in Deutschland sank die Bedeutung des Präparats. So  fiel Avandia aus der gesetzlichen Erstattung heraus.

Nach der Empfehlung der europäischen Arzneimittelbehörde drohen GSK nun weitere Klagen und finanzielle Milliardenrisiken. Erst vor wenigen Monaten hatte sich GSK – um zehntausend Klagen in den USA zu befrieden  - auf eine Vergleichszahlung von 460 Millionen Dollar eingelassen. Damit sind jedoch nicht alle Klagen abgegolten – und weitere werden folgen.

In den vergangenen Jahren mussten bereits einige Medikamente den Rückzug vom Markt antreten – darunter der Bayer - Cholesterinsenker Lipobay und das Schmerzmittel Vioxx des US-Konzerns Merck. Wegen Lipobay zahlte Bayer 1,2 Milliarden Dollar. Merck ließ sich auf eine Vergleichszahlung von 4,9 Milliarden Dollar ein.

Die zu erwartenden Rechtsstreitigkeiten bei Avandia dürften die GSK-Gewinne weiter belasten.

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