Physik: Nobelpreis für japanische Kosmosforscher

Physik: Nobelpreis für japanische Kosmosforscher

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So brilliant, dass selbst Kollegen nicht folgen können: Yoichiro Nambu bekommt zusammen mit zwei Kollegen den Physik-Nobelpreis

Er ist ein Phänomen: Der Japaner Yoichiro Nambu gilt als so brillanter Kopf, dass selbst hochkarätige Physiker ihm nicht folgen können. Für seine Arbeiten zur Entstehung des Kosmos bekommt er jetzt den Nobel-Preis. Den teilt er sich mit zwei Kollegen, die auf seinen Spuren weiterforschen.

Für bahnbrechende Erkenntnisse zur Existenz des Universums erhalten zwei japanische und ein US-Forscher den Physiknobelpreis 2008. Die Physiker Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) lieferten entscheidende Beiträge für das Standardmodell, mit dem die moderne Physik den Kosmos erklärt. Das erklärte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm. Die Forscher lieferten „grundlegende Konzepte des physikalischen Weltbildes“, ergänzte  Wolfgang Hollik, Direktor am Max-Planck-Institut für Physik in München. Die Vergabe sei gut und berechtigt, die „mathematisch eleganten“ Ergebnisse der Forscher heute Lehrbuchwissen der Studenten.

Nambu (87) arbeitet an der Universität von Chicago und erhält eine Hälfte der Auszeichnung. „Nambu hatte die grundlegenden großartigen Ideen. Die anderen beiden haben sich später eines ungelösten Problems dabei angenommen“, erklärte Lars Brink, Mitglied des Nobel-Komitees. Kobayashi (64) von der japanischen Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaften in Tokio und Maskawa (68) an der Universität von Kyoto teilen sich denn auch die zweite Hälfte der Auszeichnung.

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Nambu gilt seiner Zeit so weit voraus, dass selbst Kollegen ihm kaum folgen können. „Ja, das ist wohl wahr“, räumt er ein. „Nambu ist einer der ganz großen Physiker auf der Welt. Er hat viele, viele brillante Ideen gehabt“, sagte Brink. „Wie er Ideen von einem Wissenschaftsfeld auf andere übertragen hat, das können nur die ganz großen Meister.“

Wie Nambu sind seine Kollegen bereits zuvor vielfach ausgezeichnet worden. Kobayashi war vom Anruf des Nobelpreis-Komitees dennoch völlig überrascht: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab den Preis nicht erwartet.“ Später ergänzte er im japanischen Fernsehen: „Ich fühle mich, als ob ich in die Vergangenheit zurückgeworfen wäre. Ich verspüre eine gewisse Distanz zwischen meinem damaligen Wirken und meinem heutigen Ich.“

Maskawa erwies sich im Moment der größte Ehre ganz als Wissenschaftler: „Ehrlich gesagt war für uns Physiker der wichtigste Moment der, als in den Jahren 2002 und 2003 unsere Theorie durch Experimente als richtig bewiesen wurde.“

Der Nobelpreis sei eher eine „weltliche Sache“. Die neuen Preisträger haben sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit einem theoretischen Konzept namens Symmetriebrechung befasst. Solche Vorgänge werden unter anderem herangezogen, um die Existenz der Materie zu erklären, denn deren Vorhandensein ist keinesfalls selbstverständlich. Nach Ansicht der Forscher entstanden beim Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren etwa gleiche Mengen von Materie und Antimaterie.

Warum löschten sich diese Partikel mit ihren exakt entgegengesetzten Eigenschaften nicht gegenseitig aus, wie es zu erwarten wäre? Heute lassen sich im Universum keine signifikanten Mengen Antimaterie nachweisen, wohl aber sehr viel Materie - Galaxien, Planeten, Menschen, Wäscheklammern. Wo blieb aber die ganze Antimaterie? Eine mögliche Erklärung könnten feine und unerwartete Unterschiede in den Eigenschaften von Materie und Antimaterie sein. Offenbar ist die Symmetrie von Materie und Antimaterie „verletzt“.

Die exakten Ursachen sind bis heute nicht gefunden, Aufschluss wird von neuen Experimenten am Teilchenbeschleuniger LHC am europäischen Teilchenforschungszentrum CERN erhofft. Die nun geehrten Forscher schufen mit ihren Ideen und Formeln ein genaueres Bild von Symmetriebrüchen.

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