Pilotanlage: Wie Abfälle zu Treibstoffen werden

Pilotanlage: Wie Abfälle zu Treibstoffen werden

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Ein Bauer presst Stroh: Daraus könnten in Kürze Bio-Treibstoffe gewonnen werden.

von Susanne Kutter

Aus Abfällen wie Stroh Treibstoffe oder Bioplastik zu machen liegt im Trend. Gerade hat die Münchner Süd-Chemie den Bau der ersten deutschen Demonstrationsanlage beschlossen.

Tank oder Teller? Bisher ließen Bio-Treibstoffe nur aus essbaren Rohstoffen wie zucker- oder stärkehaltigem Getreide herstellen. Doch immer mehr Forscher finden Wege, wie sich aus   Getreidestroh, Holzresten oder Krabbenschalen Treibstoffe oder Bioplastik machen lassen.

Aus Stroh Gold zu machen, das hatten schon die Alchimisten des Spätmittelalters vergeblich versucht. So weit sind die heutigen Biotechnologen noch nicht – und sie werden das wohl auch nie schaffen. Aber sie sind sehr nahe daran, einen Ersatz für das schwarze Gold der Neuzeit – das Rohöl aus nachwachsenden Rohstoffen zu kreieren. So gelang es jüngst einer ganz Reihe von Forschern mit Hilfe von Mikroorganismen und deren Enzymen aus den Halmen von Mais, Gerste oder Hafer Bioethanol herzustellen oder es in eine Art Rohöl umzuwandeln. Daraus können anschließend Folien und andere Kunststoffe werden. Bisher dient Stroh bestenfalls als Einstreu in Ställen, damit Kühe, Schweine oder Pferde es schön gemütlich haben und nicht auf dem blanken Stein- oder Betonboden stehen. Oftmals wird es allerdings auch einfach nur untergepflügt oder direkt auf dem Feld verbrannt.

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Erst vor wenigen Wochen ging es im WirtschaftsWoche-Umweltspezial um große Chemie-Unternehmen, die gerade solche modernen Anlagen in Frankreich oder Spanien aufbauen. Generell beklagten aber alle Wissenschaftler – ganz gleich ob aus der chemischen Industrie oder aus der akademischen Forschung – dass es in Europa bisher praktisch keine Demonstrationsanlagen gibt, in denen sich die vielversprechenden Verfahren aus dem Labor- oder Pilotmaßstab erstmals in einen Großtest überführen ließen.

Pilotanlage soll bis zu 2000 Tonnen Bioethanol liefern

Jetzt hat das Münchner Unternehmen Süd-Chemie beschlossen, genau solch eine Demonstrationsanlage zu bauen. Es ist die erste in Deutschland. 28 Millionen Euro wird das Projekt mitsamt begleitender Forschung kosten, zu dem die bayerische Staatsregierung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung je rund fünf Millionen Euro dazu geben. Wenn alles klappt, soll die Biotechnik-Fabrikation, die in der Nähe des Biocampus in Straubing gebaut wird, ab Ende 2011 jährlich bis zu 2000 Tonnen Bioethanol aus Agrarreststoffen wie etwa Getreidestroh herstellen. Doch es können auch Holzreste oder ausgepresstes Zuckerrohr, die so genannte Bagasse, in die Anlage eingefüttert werden. Denn die Süd-Chemieforscher haben bestimmte Baumpilze, die sich von Zellulose ernähren und sie verdauen können, so optimiert, dass sie aus allen Substraten den begehrten Biotreibstoff herstellen. Da er aus vor allem aus Zellulose statt aus nahrhaften Zuckern oder Stärke gewonnen wird, heißt das Produkt Cellulose-Ethanol.

 „Mit dem Startschuss für die Demonstrationsanlage unserer Sunliquid-Technologie setzen wir unsere Strategie fort, nachhaltige Herstellungsverfahren für klimafreundliche Biokraftstoffe und Chemikalien zur Marktreife zu entwickeln“ sagt Süd-Chemie-Vorstandschef Günter von Au. Und er ist überzeugt: „Gegenüber den heute bereits genutzten Biokraftstoffen der ersten Generation wie etwa dem Biodiesel, die den Kraftstoff aus öl- und stärkehaltigen Pflanzenbestandteilen gewinnen, haben diese Biokraftstoffe der zweiten Generation große Vorteile.“ Nicht nur ihre Klima- und Energiebilanz sei deutlich besser, sie machten vor allem dem Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln keine Konkurrenz.

Weil es technisch am einfachsten ist, hat sich die Suche nach Alternativen zu fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle bisher vor allem auf die essbaren Rohstoffe Zucker und Stärke sowie Öle konzentriert. Das aber führt zu einer massiven Konkurrenz um Anbauflächen zwischen Rohstoff- und Nahrungsmittelherstellern. So stellte vor wenigen Wochen die Unternehmensberatung McKinsey beim Welt­kongress der industriellen Biotechnologie in Washington ihren World-Economic-Forum-Report zu Bioraffinerien vor. Report-Autor Nicolas Denis sagt ganz klar den Techniken der zweiten Generation die größten Marktchancen voraus: „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung sind nur jene Techniken zukunftsfähig, die die Nahrungsmittelproduktion nicht be­hindern.“

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