Polar M430 und Suunto Spartan im Test: GPS-Boliden für sportliche Höchstleistung

Polar M430 und Suunto Spartan im Test: GPS-Boliden für sportliche Höchstleistung

, aktualisiert 09. August 2017, 12:22 Uhr
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Links die Suunto Spartan Sport Wrist HR, rechts der Nachfolger von Polars erfolgreicher M400-Laufuhr, der M430.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Präzision trifft Smart Coaching: Wir haben mit dem M430 und der Spartan Wrist HR zwei topaktuelle GPS-Trainingscomputer unter die Lupe genommen, die Läufern schnelle Beine machen wollen. Die fetten Tage sind nun vorbei.

BonnSie wollen schneller Laufen? Sie wollen Ihre Gegner hinter sich lassen und sich auch beim nächsten Firmenlauf erfolgreich mit den keuchenden Arbeitskollegen messen? Das ist alles keine Hexerei. Mit einigen ganz legalen Hilfsmitteln lässt sich Ihr Training optimal tunen - etwa mit einer der beiden brandneuen GPS-Laufuhren von Polar und Suunto, die wir in den vergangenen Wochen für Sie ausführlich getestet haben. Los geht’s, wir verraten Ihnen, was die smarten Gadgets können und ob und für wen sich der Kauf lohnt.

Die Smart-Trainer fürs Handgelenk stammen beide aus Finnland, wo die Menschen bekanntlich schon von Natur aus äußerst sportbegeistert sind. Das neueste Modell von Polar hört auf den Namen “M430” und fällt optisch gegenüber dem Vorgänger “M400” - eine der beliebtesten und am weitesten verbreiteten GPS-Uhren in Deutschland - nicht sofort als neu auf.

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Seine Werte liegen im Innern, denn der M430, seit kurzem für 229,95 Euro im Fachhandel, misst die Herzfrequenz dort, wo es das bis vor einem Jahr noch bei Polar nicht gab: am Handgelenk. Wie das funktioniert? Ein optischen Sensor wirft über sechs LEDs (üblich sind drei oder vier) Licht auf die Haut am Arm und misst dann die Lichtmenge, die reflektiert wird. Daraus errechnet eine flinke Software dann wiederum die Herzfrequenz pro Minute und macht damit einen Brustgurt, wie man ihn als Läufer sonst kennt, überflüssig (na ja, zumindest fast. Aber dazu kommen wir später).

Der M430 ist ein wahrer Alleskönner: Er berechnet relativ genau per GPS Distanz und Laufgeschwindigkeit (Pro-Hinweis für Wearble-Nerds: das Signal wird dank A-GPS Technologie schnell gefunden und bleibt auch im Wald zuverlässig verbunden), zeigt beim Wandern in den Alpen die Höhenmeter an, speichert zurückgelegte Schritte und Kalorienverbrauch, ist wasserdicht und analysiert sogar in der Nacht den Schlaf des Trägers. Schließlich ist ein gesunder Schlaf eine wichtige Trainingseinheit, denn während der Nachtruhe hat der Körper Zeit, sich an die körperlichen Herausforderungen des Trainings anzupassen. Schlafen Sie schlecht, laufen Sie also auch schlecht. Außerdem werden faule Schreibtischtäter nach einer inaktiven Stunde an die nächste Bewegungseinheit zur Kaffeeküche oder ins Treppenhaus erinnert.

Im Test besonders positiv aufgefallen sind mir neue Funktionen, etwa Runden, Auto-Pause, Stoppuhr, ein Intervalltimer, Schrittfrequenz, die Berechnung der Zielzeit und die wirklich guten und ausführlichen Trainingsprogramme (“Mein erster Halbmarathon”, “Schneller 5km-Lauf” usw. Selbstverständlich können Sie aber auch eigene Trainingspläne erstellen), die auf dem persönlichen Fitness-Level basieren und mit denen Sie sich als ambitionierter Hobby-Athlet einen kostspieligen Trainingsplan aus der Feder eines Sportwissenschaftlers sparen können.

Mein nächstes Ziel: den 5km-Lauf im Kölner Rheinaufhafen unter 20 Minuten zu finishen. Die Polar-Wettkampf-Vorhersage klingt schon mal nicht schlecht: “Anhand deines Running-Index Mittelwerts schätzen wir, dass du deinen Wettkampf in einer Zeit von 00:18:50 absolvieren wirst.” Bäm! Drücken Sie mir die Daumen, ich habe jetzt noch neun Wochen Zeit!

Einen dicken Pluspunkt gibt es für die richtig guten Kraft- und Athletik-Trainingseinheiten, die online sehr anschaulich per Mitmach-Video in den Trainingsplan integriert sind und sich zu Hause, in einem Hotelzimmer oder sogar im Büro durchführen lassen - das Training erfordert nämlich weder Vorbereitungszeit noch Ausrüstung oder anderes neumodisches Equipment. Sie wissen ja, das beste Trainingsgerät haben wir immer mit dabei: unseren eigenen Körper.


Mission: Mehr Power und Ausdauer

Allen Laufanfängern möchte ich an dieser Stelle mit auf den Weg geben, sich bitte zunächst ärztlich einmal gründlich durchchecken zu lassen, bevor Sie sich auf ein digitales Programm zur leistungsorientierten Laufoptimierung einlassen. Dann wissen Sie erstens, ob Ihr Herz gesund und Ihr Körper für den Sport geeignet ist und zweitens, wenn Sie sich noch den Luxus einer Leistungsdiagnostik gönnen (Preise ab 100 Euro und teilweise sogar von der Krankenkasse bezuschusst), in welchen Herzfrequenzzonen Sie trainieren sollten, um auch wirklich besser werden zu können.

Gut gefallen hat mir im Training auch die Bedienung der Uhr über die fünf Tasten, und obwohl das Display (Retro-Optik im schwarz-grauen Videotext-Style) für meinen Geschmack etwas größer sein könnte, lassen sich auch bei höherem Lauftempo die Werte noch problemlos ablesen. Sogar beim Radfahren und Bergsteigen macht das smarte Gadget eine gute Figur - verfügt der M430 doch über mehrere Sportmodi und Features, die auch bei ambitionierteren Athleten kaum noch Wünsche übrig lassen.

Nach dem Training lassen sich die Einheiten entweder über die kostenlose App “Polar Flow” oder den Browser Ihres Rechners ausführlich analysieren - dafür brauchen Sie lediglich einen Account bei Polar, der mit wenigen Klicks eingerichtet ist. Hier lassen sich auch die jeweiligen Sportprofile noch individuell anpassen und Sie können nach Belieben konfigurieren, was und wie viel auf den Display-Seiten während des Trainings angezeigt werden soll - da sind die Geschmäcker ja durchaus verschieden.

Genervt hat eigentlich nur die Tatsache, dass es immer mal wieder Schwierigkeiten bei der Synchronisierung via Bluetooth zwischen Uhr und App gibt und es dann mehrere Anläufe braucht. Das Problem kenne ich bei Polar auch im Zusammenhang mit der M600, der ersten Smartwatch, die wir für Sie hier ausführlich vor einem Jahr getestet haben.

Sprechen wir noch kurz über die Genauigkeit der optischen Herzfrequenzmessung. Damals bei der Polar M600 lag der Algorithmus bei mir immer völlig daneben und zeigte Herzfrequenzbereiche an, die fernab von meinem tatsächlichen Fitnesszustand gewesen sind. Offenbar hat Polar hier inzwischen nachgebessert, denn beim M430 ist die Abweichung zum Lauf mit einem Brustgurt, den wir optional gekoppelt haben (im Test der Polar H10, der Trainingseinheiten sogar ganz ohne Sportuhr oder Smartphone aufzeichnen und sie anschließend ins Profil übertragen kann), nur noch sehr gering und bleibt diesmal stets auf einem sehr guten und realistischen Niveau. Trotzdem trainiere ich viel lieber mit einem Brustgurt, denn als Leistungssportlerin will ich immer möglichst genaue Messwerte haben und hier kommt die optische Messung bislang einfach nicht ran.

Wirklich sensationell ist dagegen die Akku-Laufzeit. So etwas habe ich in meiner Zeit als Gadget-Testerin noch nicht erlebt: der M430 muss so selten an die Steckdose, dass man es eigentlich kaum glauben kann. Meine Uhr ist jetzt sicher schon über zwei Wochen in Gebrauch und auch wenn die GPS-Funktion viel Energie in Anspruch nimmt, macht der Akku einfach nur verdammt selten schlapp.

Zwischenfazit

Nach einem ausführlichen Praxistest finde ich, dass der M430 extrem gut für alle Läufer und Hobby-Sportler geeignet ist, die ihr Training effektiver planen, kontrollieren, auswerten und - durch die vielen ergänzenden Athletik-Einheiten - bereichern möchten. Für mehr Power und Ausdauer stehen beinharte HIIT-Intervalle, Pyramiden und weitere Schweinereien auf dem Plan. Schnell, aber auch schnell vorbei. Effizienter können Sie für einen Preis von 229,95 Euro Ihre Trainingseinheiten alleine nicht gestalten. Einziger Haken: Diese tolle Sportuhr hat einen starken Konkurrenten: die Suunto Spartan Wrist HR, die wir Ihnen auf der nächsten Seite nun genauer vorstellen.


Der Hingucker: Suunto Spartan Wrist HR

Suunto gilt eigentlich als Pionier bei der Entwicklung von innovativen Tauchcomputern, hat sich in den letzten Jahren aber auch auf dem Gebiet von GPS-Sportuhren einen Namen gemacht. Das Besondere an der Firma, die 1936 von einem finnischen Orientierungsläufer gegründet wurde und Teil der Amer-Sports-Gruppe ist, zu der auch Marken wie Mavic, Salomon und Arc'Teryx gehören: Die meisten Produkte werden im Hauptwerk in Vantaa, etwas außerhalb Helsinkis, entworfen und dort auch in Handarbeit hergestellt.

Nun soll ein neuer Sport-Bolide, der auf den Namen “Spartan Sport Wrist HR” hört, die Finnen weiter nach vorne bringen: eine wasserdichte Multisport-GPS-Uhr mit Herzfrequenzmessung am Handgelenk, farbigem Touchscreen und bis zu zwölf Stunden Batterielaufzeit im Trainingsmodus. In der Spartan Sport sind 80 Sportmodi und unzählige sportspezifische Kennzahlen vorinstalliert, von Aerobic, über Hindernislauf, Radfahren und Ski alpin bis hin zu Zirkeltraining. Im Gegensatz zur Polar M430 hat Suunto hier allerdings keinen Inaktivitätsalarm integriert.

Das Gadget ist aber nicht nur rein technisch an vorderster Front gut mit dabei, sondern auch noch ein echter Hingucker: mit Kupfer überzogene Edelstahl-Lünette, Mineralkristallglas, farbiger Touchscreen, der stets butterweich reagiert, personalisierbare Ziffernblätter, samt-mattes Silikonarmband. Letzteres sorgt vor allem auch im Alltag für einen sehr angenehmen Tragekomfort und selbst bei längeren Schreib-Stunden am Laptop stört die Uhr nicht.

Unsere Testuhr ist aus der Forest Special Edition, die im Fachhandel für 549,00 Euro verkauft wird und in wenigen Schritten eingerichtet ist. Allerdings genügt es bei Suunto nicht, sich einen kostenlosen Account bei der Movescount-Plattform anzulegen, sondern man braucht zusätzlich noch eine spezielle Synchronisierungs-Software für den Rechner (“Suunto Link”), damit sich die Daten auch via USB-Kabel auf die Online-Plattform übertragen lassen. Zusätzlich gibt es auch noch eine Smartphone-App zur Synchronisation per Bluetooth, die sich einfach bedienen lässt und, wie bei Polar, Optionen zur Trainings-Analyse und Auswertung bietet. Allerdings deutlich spartanischer als bei Polar, was die App neutral formuliert sehr übersichtlich macht.

An der Stelle hat Polar meiner Meinung nach wieder die Nase vorne, denn die Flow-Software ist ansprechender gestaltet und vor allem auch übersichtlicher als die Movescount-Seite von Suunto, die einem etwas Zeit wert sein sollte. Denn nur, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, kann man das Maximum aus der Software herausholen. Wenn Sie darauf keine Lust haben, greifen Sie also besser zur M430 von Polar - und sparen damit auch noch ein bisschen Geld. Der Preis ist für die Suunto Spartan zwar in der Liga nichts Außergewöhnliches (Garmin beispielsweise verkauft seine günstigste Fenix 5S, die wir hier kürzlich getestet haben, mit optischer Herzfrequenzmessung für 599,99 Euro), doch wenn Sie die ganzen Funktionen überhaupt nicht ausschöpfen können, holen Sie sich nur unnötig viel Schnickschnack und damit ein für Sie überflüssiges und teures Gadget ins Haus.


Großer Schub Extramotivation

Schneller werden ohne Trainer: Das ist auch mit dieser GPS-Uhr möglich, denn über die Online-Plattform lassen sich, wie bei Polar auch, individuelle Trainings-Ziele und Pläne konfigurieren. Ebenso können Sie hier - leider auch nur hier und nicht unterwegs im Training - einzelne Datenfelder in den Sportarten individuell anpassen und ergänzen.

Bei mir sorgt die Sport Wrist aber auch schon wegen ihres farbigen Displays für einen großen Schub Extramotivation, weil neue persönliche Bestzeiten oder Rekorde sofort nach dem Training richtig schön schon am Handgelenk dargestellt werden. Zähneknirschen gibt’s bei mir für die eingeschränkte Möglichkeit, sich selbst ein Intervall-Training anzulegen. Online habe ich die Option noch gar nicht gefunden und über die Uhr direkt lässt sich nur Anzahl und Dauer der einzelnen Intervalle festlegen und ich kann nicht definieren, in welchem Herzfrequenzbereich ich die Einheiten jeweils absolvieren möchte (sic). Entsprechend gibt es dann auch während des Intervall-Trainings kein akustisches Signal oder einen Vibrationsalarm, wenn ich Gefahr laufe, mich zu wenig oder - auch das passiert - zu sehr anstrenge.

Hier müssen die Software-Experten von Suunto unbedingt nachbessern, wenn sie wollen, dass ihre Plattform mit Garmin-Connect oder der makellosen Polar-Flow-Plattform mithalten soll. Vermisst habe ich bei Suunto auch Video-Einheiten für ein Athletiktraining, wie das bei Polar der Fall ist. Für mich etwas, worauf ich beim Training für einen schnellen Herbstmarathon oder eine Triathlon-Halbdistanz eigentlich nicht verzichten kann. Ist das Hauptproblem von vielen Läufern doch nicht, dass sie das Ziel nicht erreichen, sondern sie - verletzungsbedingt - oft schon gar nicht erst an den Start gehen können. Deshalb gehört zu einem guten Trainingsplan immer auch ein Koordinations-, Kraft- und Beweglichkeitstraining. Polar macht’s vor!

Und die optische Messung Herzfrequenz? Um es kurz zu halten: Hier rät selbst Suunto zum Training mit dem Brustgurt, wenn es ein Athlet wirklich ganz genau wissen möchte. Zwar beträgt die Abweichung laut Hersteller bei der Spartan Wrist in 90 Prozent der Fälle nur fünf Prozent, aber hier scheint die Technologie generell bei allen Herstellern einfach noch nicht komplett ausgereift. Mit Suunto-Brustgurt, den man separat für 80 Euro dazu kaufen kann, gibt es hingegen absolut nichts mehr zu meckern.

Fazit: Manchmal ist weniger mehr!

Unterm Strich ist die Suunto Spartan Wrist HR vor allem eine Uhr für ambitionierte Sportler, die ihr Workout mit einem ebenso robusten wie stylischen Gadget boosten möchten. Die GPS-Uhr macht eigentlich alles mit und ist bei weitem nicht so berührungsempfindlich wie Garmins Fenix 5er-Serie, deren Lünette schon bei kleinsten Kollisionen hässliche Kratzer kassiert. Noch robuster ist allerdings der M430 von Polar, was wohl daran liegt, dass er erst gar keine empfindliche Edelstahllünette hat - manchmal ist weniger eben mehr.

Ob Suunto oder Polar: mit beiden Gadgets ist es jedem (vorausgesetzt, Sie sind gesund und haben sich gründlich durchchecken lassen) möglich, fitter und schneller zu werden. Die fetten Tage sind also vorbei! Meine persönliche Empfehlung ist ganz klar: Möchten Sie Ihren Geldbeutel schonen, aber trotzdem nicht auf eine bemerkenswert gute und umfangreiche GPS-Sportuhr verzichten, die Ihr Training zusätzlich mit vielen guten Athletik-Einheiten bereichert, sind Sie mit der Polar M430 bestens bedient.

Wer es etwas edler und stylischer mag und gerne aus der Masse hervorsticht, gönnt sich die Suunto Spartan Wrist HR, die Sie beim Erreichen Ihrer Fitnessvorsätze unterstützt und mit der Sie motiviert in Ihr Lauftraining starten können. Apropos: Sie müssen nicht in Form sein, um zu starten, aber Sie müssen starten, um in Form zu kommen. Los geht’s.

Quelle:  Handelsblatt Online
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