Premiere auf der CeBIT: Ergonomischer Laptop mit flexiblem Display

Premiere auf der CeBIT: Ergonomischer Laptop mit flexiblem Display

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Ergo-Computer: Premiere in Hannover

Ein Schweizer Unternehmer hat mit Stardesigner Hartmut Esslinger einen ergonomischen Laptop mit flexiblem Display entwickelt.

Wie kann man sich als Computerhändler von der Konkurrenz unterscheiden? „Nur über den Preis und eine eigene Marke. Die Geräte sehen ja fast alle gleich aus“, findet Jannis Widmer. Schon mit 17 Jahren hatte der Schweizer 1999 seine erste Firma gegründet, die für NEC und Packard Bell Computer im deutschsprachigen Raum vertrieb. Vier Jahre später war ihm und seinen Partnern klar, dass sie damit allein nicht am Markt bestehen würden. Etwas Neues musste her. „Wir entschieden uns deshalb, das Notebook neu zu erfinden“, sagt der heute 25-jährige Chef von Dreamcon aus Chur.

Das Ergebnis der Bemühungen hat nun auf der Cebit Weltpremiere: der ergonomische Laptop. Das Display des schwarzmetallischen Notebooks lässt sich mithilfe integrierter Teleskopschienen bis zu 15 Zentimeter weit hinausziehen und so auf die Augenhöhe des Nutzers einstellen. Das soll jene Kopf- und Nackenschmerzen vermeiden, die entstehen, wenn ein Computerarbeiter stundenlang auf einen Monitor herabblicken muss. Um das Problem zu lösen, bieten Zubehörlieferanten allerlei Vorrichtungen an, mit denen sich das Display eines Computers auf Höhe bringen lässt. Keine Lösung ist aber so elegant und praktisch wie Widmers Teleskoparm.

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Im Verkaufspreis von 1600 Euro für den 3,5 Kilo schweren Laptop (mit 2,2-Gigahertz-Prozessor und 160 Gigabyte großer Festplatte) ist zwar ebenfalls eine Dockingstation enthalten. Doch diese dient nur dazu, externe Geräte anzuschließen. Zudem kann man mit ihrer Hilfe die Tastatur des Notebooks für das bequemere Tippen leicht anschrägen.

Ende März startet der Verkauf des Rechners in Europa. Widmer will sich zunächst auf Geschäftskunden konzentrieren: Laptops verdrängen gerade in vielen Banken und Beratungsunternehmen die herkömmlichen Schreibtischrechner, da sie flexibler einzusetzen sind. Neue Richtlinien zwingen die Arbeitgeber zugleich aber, bei Bildschirmarbeitsplätzen stärker auf ergonomische Aspekte zu achten.

Entworfen hat den Rechner Hartmut Esslinger. Der Gründer von Frog Design wurde durch seine Arbeiten für Apple, Sony, Microsoft und die Lufthansa weltberühmt. Bei seinen Projekten ist der deutsche Designer schon aus Zeitgründen äußerst wählerisch. „Aber mir gefiel der Junge und die Idee“, sagt Esslinger. „Das Notebook neu erfinden – das kann man nur, wenn man verrückt ist und jung.“ Und wenn man das nötige Kapital hat: Die Entwicklung des Rechners verschlang mehreren Millionen Euro. Das Geld stellte größtenteils Rudolf Sprüngli bereit, Mitglied der Schweizer Schokoladendynastie Lindt & Sprüngli. Ein gemeinsamer Bekannter stellte den Kontakt her. Bei einem Mittagessen im Februar 2003 erläuterte Widmer dem Multimillionär seinen Geschäftsplan. Und auch Esslinger war bald so überzeugt, dass er in das Unternehmen investierte.

Sechs Konzepte vorgestellt

Im Herbst 2005 gingen Esslinger und die Frog-Designerin Phoebe Ng ans Werk. Das Ziel: den Computerbildschirm auf Augenhöhe bringen. Zudem durfte das Gehäuse nicht zu schwer, die Produktion nicht zu aufwendig werden. Denn die Margen im Computergeschäft sind hauchdünn. „Da zählt jeder Dollar“, sagt Esslinger. Vorgegeben war eine Bildschirmgröße von 15,4 Zoll – umgerechnet knapp 40 Zentimetern –, die sich derzeit besonders gut verkauft.

Sechs Konzepte stellten Esslinger und Ng im April 2006 vor. Ein Entwurf sah vor, den Bildschirm vom Laptop zu trennen und ihn auf eine Dockingstation zu setzen. Die Umsetzung der Idee hätte allerdings die Produktionskosten in die Höhe getrieben. Den Zuschlag bekam deshalb ein Entwurf, der Display über Teleskopschienen mit dem Rechner verband. Die notwendigen Kabelanschlüsse sind in die Schienen integriert und entfalten sich beim Ausziehen. Ein Roboter bewies, dass sich der Schirm mehrere 10.000-mal aus- und einschieben lässt, ohne dass die Vorrichtung leidet. Durch die Positionierung des Akkus an der Vorderseite hat der Laptop auch dann einen sicheren Stand, wenn das Display ausgefahren ist.

Problematischer war es, einen Auftragsfertiger zu finden. Widmer und Esslinger machten sich in Asien auf die Suche. Die Wahl fiel schließlich auf den taiwanischen Produzenten Wistron, der eine ehemalige Produktionsstätte von Acer übernommen hat. „Wir haben unser Produkt mit Wistron gemeinsam serienreif gemacht und uns dabei die langjährige Erfahrung der Fertigungsspezialisten zunutze gemacht“, sagt Esslinger. 15 Ingenieure und 25 Fertigungsspezialisten arbeiteten mehrere Monate lang an dem Projekt mit.

Die ersten, im südchinesischen Kunshan produzierten Laptops sind nun nach Europa unterwegs. Widmer hofft, dass sich das neue Notebook-Design rasch durchsetzt. Nach einem erfolgreichen Verkaufsstart in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen auch Kunden in Frankreich, Italien und Großbritannien gewonnen werden. Ein Verkauf in den USA ist wegen der hohen Vertriebskosten vorerst nicht geplant. Den Auszieh-Mechanismus haben sich die Erfinder aber vorsichtshalber weltweit patentieren lassen. Denn Widmer ist sicher: Sein Konzept wird in den nächsten Jahren noch viele Nachahmer finden.

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