Prith Banerjee : "Eine Million Augen"

Prith Banerjee : "Eine Million Augen"

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Prith Banerjee

von Matthias Hohensee

Der Forschungschef von Hewlett-Packard über die Computer der Zukunft, seinen neuen Konzernchef und die Rolle von Software in unserem Alltag.

WirtschaftsWoche: Mr. Banerjee, flexible Displays, dreidimensionale Bilder, Sensoren, die menschliche Sinne nachbilden: Die Entwicklung unserer Computer schreitet immer schneller voran. Wie werden unsere elektronischen Begleiter in zehn Jahren aussehen? 

Banerjee: Computer werden zu einem Fenster in die Welt der Informationen. Früher war diese Aussicht begrenzt – heute haben wir Zugang zu einem Ozean an Informationen. Diese Info-Massen müssen wir uns zunutze machen.

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Wie könnte das gehen? 

Geräte aller Art müssen Informationen filtern und interpretieren lernen. Handys müssen beispielsweise anhand meiner Restaurantbuchungen meine Vorliebe für italienische Restaurants erkennen. Oder sie müssen mitbekommen, dass zwar mein Flug bestätigt ist, aber das Hotelzimmer fehlt. Damit das möglich wird, müssen die Systeme alle miteinander kommunizieren.

Es geht also in Zukunft mehr um die Software, die alles verknüpft, als um Hardware?

Ja, es geht um das Austauschen und Auswerten von Informationen, die über alle Geräte jederzeit verfügbar sind. Dazu gehören allerdings auch neue Benutzeroberflächen, die Sprache und Gesten ihres Nutzers verstehen. Mithilfe dieser Kombination könnte man Missinterpretationen ausschließen.

Sie arbeiten aber längst nicht nur an Software, sondern schon seit Jahren auch an flexiblen Displays, die man einfach zusammenrollen kann. Wie kommen Sie mit dem Hoffnungsprojekt der Zeitungsindustrie voran?

Wir können mit unserem elektronischen Papier mittlerweile Farben darstellen, ohne dass der Stromverbrauch wesentlich steigt. Die Displays werden sich günstig in großen Mengen fertigen lassen. Nun arbeiten wir daran, die Technik zu lizenzieren. Hewlett-Packard (HP) ist nicht im Displaygeschäft.

Sehr wohl aber im Druckgeschäft, wo HP einen erheblichen Teil seiner Profite erwirtschaftet. Gefährden die Displays nicht eine wichtige Einnahmequelle, weil weniger gedruckt wird?

Wir nennen unser Geschäft ja nicht nur Druck, sondern auch Content Delivery, also das Ausliefern von Inhalten. Ich glaube, dass wir in Zukunft beides haben werden, sowohl Papier als auch elektronische Dokumente. Die große Chance ist, beides zu verknüpfen. Denn unser Geschäft ist das Ausliefern von Inhalten – egal, ob auf Papier oder Display. Ein Beispiel wären elektronische Signaturen. Heute zahlen wir viel Geld an Kurierdienste, um ein ausgedrucktes Dokument mit einer handschriftlichen Signatur um die Welt zu befördern. Hier könnte man sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen.

Sie waren ein renommierter Forscher und haben eine erfolgreiche akademische Karriere für eine in der Industrie aufgegeben. Weshalb sind Sie in die Industrie gewechselt? 

Das Problem in der universitären Forschung ist, dass man nicht oder nur selten beeinflussen kann, ob die Ergebnisse auch in der Praxis umgesetzt werden. Der Gradmesser ist, wie oft man publiziert, nicht aber, ob Ideen tatsächlich in Produkte münden. Oft haben wir gute Technologien an Unternehmen weitergegeben, von denen wir dann nie wieder gehört haben. Das hat mich frustriert. Und deshalb habe ich die Universität verlassen und mit AccelChip und Binachip zwei erfolgreiche Startups gegründet. Dann kam das Angebot von HP. Eine ideale Situation, denn wir forschen und versuchen gleichzeitig, die Ergebnisse in konkrete Produkte und Verfahren umzusetzen.

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