Radfahren: E-Bikes erobern die Radwege

Radfahren: E-Bikes erobern die Radwege

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Lockerer Aufstieg: Die Verkaufszahlen von E-Bikes zeigen steil nach oben

von Thorsten Firlus-Emmrich

Dank Batterie im Rahmen und Motor in den Pedalen werden Radausflüge auch für Menschen möglich, die bislang keine Lust hatten auf schweißtreibende Touren. Auf den Radwegen gilt eine neue Hackordnung.

Den Wanderern an der Bergstation der Planai-Seilbahn auf 1829 Meter Höhe wird sich diesen Sommer ein überraschender Ausblick bieten. Sie sehen ältere Herrschaften scheinbar leichten Fußes in die Pedale treten und dabei den Eindruck erwecken, als hätte sie weder die Entfernung von 19,5 Kilometer vom Start bei Schladming im Tal noch die Überwindung der 1142 Höhenmeter bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Keine keuchenden Großeltern, keine pumpenden Väter, die ihre Brut im Kindersitz hochwuchten mussten. Freude und Entspannung allenthalben. Nach der Jause bei Kaiserschmarrn und Speck wird noch schnell der Akku getauscht, bevor Rad und Radler frisch gestärkt mit ihrem E-Bike die Abfahrt antreten.

Ähnliche Szenen werden sich auf den umliegenden Hütten rund um Schladming abspielen, im Tiroler Brixental, ebenso an der Ostsee, wo sich untrainierte Touristen auf Fischland-Darss-Zingst dem Wind entgegenstemmen: E-Bikes erobern die Radwege, in den Urlaubsregionen, am Wochenende in den Naherholungsgebieten und über kurz oder lang auf den normalen Radwegen in der Stadt.

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Bis zu 600.000 E-Bikes pro Jahr will die Branche bald verkaufen

Der Fachkongress E-Vent will Anfang Juni in Berchtesgaden mit Podiumsdiskussionen und geführten Radtouren auch bei Nacht Werbung für den Vortrieb mit stillen Motoren machen, die Bike-Trophy in Österreich lädt zu Tourenfahrten ein – doch was Schweiß und Muskelkater verheißt, ist in Wahrheit ein entspannter Ausflug, bei dem das Vergnügen im Vordergrund steht. Wem danach ist, kann nach der Tour dennoch duschen.

Viel Werbung scheinen die E-Bikes kaum zu benötigen. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 70.000 E-Bikes verkauft, 2009 waren es bereits 150.000 Pedelecs, wie die Fahrräder mit Trittkraftunterstützung auch genannt werden, und 2010 stieg ihre Zahl auf 200.000. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands haben E-Bikes, die ihre Kraft schon weitergeben, wenn der Fahrer nur leicht in die Pedale tritt, einen Anteil von fünf Prozent am deutschen Fahrradmarkt. Neben den Niederlanden ist Deutschland damit das Land mit den meisten Abnehmern für E-Bikes. In den kommenden Jahren rechnet der ZIV gar mit 400.000 bis 600.000 Stück pro Jahr in Deutschland. Das wäre ein Anteil von 10 bis 15 Prozent am Fahrradmarkt.

Und wer E-Bike kauft, der fährt es auch. Denn der innere Schweinehund, der bei Anstiegen oder Gegenwind überwunden werden muss, wird dank des Dopings aus dem Akku betäubt. Dank kleinerer Akkus, leistungsfähigerer Motoren, dem Angebot von Aufladestationen in Touristengebieten werden die Vorbehalte gegenüber Pedelecs geringer. Dabei kommt auch eine moderne Optik zu Hilfe.

Die Motoren werden inzwischen sowohl in den Naben des Vorder- und Hinterrads als auch an der Tretkurbel montiert. Die Akkus, der meist am schnellsten sichtbare Hinweis auf elektrisches Doping, verschwinden im Rahmen oder werden als Satteltasche getarnt. Mit frischen Farben und kuriosen Rahmenformen bietet der Markt Modelle an, mit denen der Fahrer nicht gleich signalisiert, er wähle das Pedelec nur, weil er zu faul oder unsportlich sei.

Im Gegenteil, mit den modernsten Rädern sind Geschwindigkeiten bis zu 55 Kilometer pro Stunde drin, E-Mountainbikes für harte Geländegänge sind inzwischen ebenfalls erhältlich. Für die schnelle sogenannte S-Klasse benötigt der Pilot zwar einen Führerschein, aber der ist zumindest für alle Autofahrer bereits in ihrer Fahrlizenz enthalten. Dem Volldampf auf zwei Rädern steht nichts mehr im Wege.

Der ADAC sieht die Entwicklung deswegen auch mit zwiespältigen Gefühlen. „Da kommt nun eine ganz andere Schicht von Menschen auf die Radwege“, sagt für den Club Maximilian Maurer. Die Autofahrer seien nicht darauf eingestellt, Radfahrern zu begegnen, die Geschwindigkeiten erreichen und halten können, die ihnen bislang keiner zugetraut hätte. „Ob sich das zu einem Massenproblem entwickelt, muss man abwarten“, so Maurer. Bis zu Forderungen nach Führerschein oder Geschwindigkeitsbegrenzungen müssen man erst die Unfallzahlen abwarten.

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