Raumfahrt: Wie Europa von der Krise der Nasa profitieren kann

Raumfahrt: Wie Europa von der Krise der Nasa profitieren kann

von Matthias Hohensee, Matthias Kamp, Florian Willershausen und Jürgen Rees

Die US-Raumfahrt ist in der Krise. Europa, Russland und China stehen bereit, die Schwäche für sich zu nutzen. Nun sollen Privatunternehmen den Amerikanern bei der Eroberung des Roten Planeten helfen.

Mit kantigen Bewegungen sammelt der Roboter Bodenproben auf dem Mars, filmt die atemberaubende Landschaft und misst die Zusammensetzung der Atmosphäre des Roten Planeten. Unübersehbar prangt der Bundesadler auf dem Wunderwerk der Technik. Ganz klar: Wenn die Eroberung des Mars beginnt, ist Deutschland ganz vorne mit dabei.

Nur ein schöner Traum? Keineswegs. Für Johann-Dietrich Wörner, den Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist eine deutsche Beteiligung an der geplanten Eroberung des Mars so nah wie nie zuvor. Denn die US-Raumfahrt – seit gut 50 Jahren im Orbit das Maß der Dinge – steckt in ihrer tiefsten Krise. Für Europa, sagt Wörner, sei das „die große Chance“.

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Vor US-Präsident Barack Obama aber liegt ein höchst brisanter Auftritt. Am 15. April geht es für die stolze Raumfahrernation in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida um ein nationales Heiligtum mit besonders dickem patriotischem Anstrich: Obama verhandelt mit den Spitzen der Nasa und Vertretern der Wirtschaft die Zukunft der Raumfahrtagentur Nasa.

Der hat Obama Ende 2009 eine strategische Neuausrichtung verordnet: Die noch von Vorgänger George W. Bush angepeilte Rückkehr zum Mond bis 2020 hat Obama abgesagt und die daran anschließende Eroberung des Mars auf unbestimmte Zeit verschoben. Jetzt soll es vor allem die Privatwirtschaft richten: Sie könnte von dem Strategieschwenk der Raumfahrtagentur profitieren. Die ersten millionenschweren Aufträge hat die Nasa bereits Anfang Februar vergeben.

Aber auch internationale Konkurrenten stehen parat, die Schwäche der in der Blüte des Kalten Krieges gegründeten Weltraumagentur Nasa auszunutzen: Die Europäer wollen endlich aus der ewigen Rolle als Juniorpartner der USA heraustreten und – gestützt auf erstrangige Technik – die künftige Weltraumstrategie mitbestimmen. Die Russen wollen mit den Erlösen aus ihrer alten, aber zuverlässigen Technik die eigene Raumfahrt auf Vordermann bringen. Ganz besonders aber drängt es ein immer selbstbewussteres China mit Macht ins All –erst zum Mond und danach zum Mars.

Marsmission dauert Zwei Jahre

Die Herausforderungen einer Reise zum Mars sind immens. Die psychischen und körperlichen Belastungen des rund zwei Jahre dauernden Raumflugs sind groß – je sechs Monate dauern Hin- und Rückflug, erst nach einem Jahr Aufenthalt ist der Mars wieder in der erdnächsten Position. Nicht nur die Schwerelosigkeit belastet den Organismus. Auch die radioaktive Strahlung, etwa durch Sonneneruptionen, ist so heftig, dass sie ohne entsprechenden Schutz zu irreparablen genetischen Schäden führten. Offen ist auch die Frage nach dem geeignet sparsamen Raketenantrieb oder nach Depots im Weltall, um den Treibstoffvorrat für die 56 Millionen Kilometer lange Strecke unterwegs aufstocken zu können.

Nötig ist ein gleichermaßen gigantisches Innovations- wie Investitionsprogramm – und Obama hat erkannt: Alleine ist das nicht zu schaffen.

„Jetzt reden wir über Partnerschaften auf Augenhöhe mit den Amerikanern“, sagt DLR-Chef Wörner. Der 56-jährige Ingenieur ist nach vielen Gesprächen mit Nasa-Verantwortlichen sicher, dass die neue US-Raumfahrtstrategie auf internationale Zusammenarbeit setzen muss – und erstmals eine Beteiligung der Partner in den kritischen Phasen der Missionen wie Start und Landung zulassen wird.

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