Rechenzentren: Ein Hochhaus für Computer

Rechenzentren: Ein Hochhaus für Computer

, aktualisiert 01. Juni 2016, 11:48 Uhr
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Mehr Platz für Rechner in beengten Städten.

von Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Bislang werden Rechenzentren nur in die Breite gebaut. Weil aber die Metropolen immer weniger Platz bieten, sind zwei Experten aus Stuttgart auf eine neue Idee gekommen: Sie bauen die Datenzentren einfach in die Höhe.

DüsseldorfWas kommt dabei heraus, wenn sich ein traditionsreicher Baukonzern wie die Bremer Zech Group und zwei erfahrene Projektplaner zusammentun? Richtig, ein „experienced Start-up“. So jedenfalls nennen die Gründer von ICT Facilities ihr Unternehmen. Stephan Lang und Holger Zultner waren beide schon länger für Unternehmen wie IBM, Imtech Deutschland oder M+W Germany in der IT-Projektplanung tätig, bis sie im vergangenen Jahr auf die Idee kamen, noch einmal mit einer eigenen Firma in Stuttgart durchzustarten. Und zwar mit einem Spezialanbieter für Rechenzentren. Und Kurt Zech, Chef des Bremer Baukonzerns, war von den beiden Gründern und ihren Ideen so angetan, dass er sie gleich in seinen Konzern holte.

Ins Tagesgeschäft mischen sich die Bremer nicht ein, stellen aber ihre Infrastruktur zur Verfügung, etwa in Sachen Finanzverwaltung. So kann sich das Start-up gleich auf seine Kernkompetenz konzentrieren und von der enormen Erfahrung aller Mitarbeiter profitieren. „Alle Mitarbeiter zusammen haben 200 Jahre Erfahrung mit Rechenzentren“, sagt Co-Gründer Zultner.

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Nun klingt der Begriff Rechenzentren erst einmal alles andere als sexy. Doch wenn man in Betracht zieht, dass Firmen fast aller Wirtschaftsbereiche immer mehr Rechenleistung brauchen und das fast ausschließlich in den deutschen Metropolen und dass aber in den Städten immer weniger Platz ist für solche gigantische Datenfabriken, dann werden die Projekte des Unternehmens schon wesentlich spannender. Obendrein müssen die Planer solcher Datenzentren den hohen Strombedarf drosseln und die Klimatisierung vernünftig regeln. Denn so viel Rechenpower auf engem Raum produziert enorme Wärme – und die muss irgendwohin.

Die erfahrenen Gründer Lang und Zultner legen besonderen Wert auf die Feststellung, dass sie keine Bauingenieure sind. „Der Bau an sich ist das am wenigsten Interessante“, sagt Stephan Lang. Klassische Baufirmen würden die Komplexität eines Rechenzentrums gar nicht erkennen, sie würden das mehr wie ein Bürogebäude betrachten. Und das kollidiere oft mit den Vorstellungen der IT-Abteilungen.

Deshalb brauche es ein Planungsbüro wie ihres, sagen die Gründer. Das sei der Vorteil ihrer Firma, sie wüssten, worauf es bei Bau und Planung eines Rechenzentrums ankommt. „Ein normales Planungsbüro braucht sechs Monate, wir kriegen das in einem Monat hin“, sagt Holger Zultner.

Den ersten großen Auftrag haben die Start-up-Gründer gemeinsam mit der Zech Group auch schon eingefahren: In Offenbach entsteht auf 4.200 Quadratmetern Fläche das Rechenzentrum Main Cubes. In Frankfurt in 800 Metern Entfernung liegt der Internetknoten De-Cix, über den der meiste Datenverkehr läuft, und der als der leistungsfähigste der Welt gilt. ICT Facilities übernimmt für den Bauherrn Konzeption und Planung und sorgt als „Generalübernehmer“ für Konzept-, Entwurfs-, Detail- und Genehmigungsplanung für die Architektur sowie die Infrastrukturbereiche Mechanik, Elektro und Sicherheit. Anders als in Frankfurt, wo es bereits 19 Rechenzentren gibt, ist in Offenbach noch Platz.


Beste Zukunftschancen für Rechenzentren

Weil aber in vielen Metropolen die Flächen knapp werden, stößt die Planung von herkömmlichen Rechenzentren an ihre Grenzen. Doch die beiden jung gebliebenen Gründer haben auch hierfür eine ebenso simple wie praktische Lösung gefunden: Die Rechenzentren der Zukunft werden einfach in die Höhe gebaut, wie ein Hochhaus eben. Dann ist die benötigte Fläche sehr viel geringer und man könne sogar den Kamineffekt eines solchen Hochbaus nutzen, um die Rechnerräume zu kühlen und gegebenenfalls zu entrauchen. „Auf diese Idee scheint außer uns noch keiner gekommen zu sein“, sagte Zultner.

Für diesen „ICT Power Tower“ hat das Unternehmen den Deutschen Rechenzentrumspreis einer Jury von Fachleuten eingeheimst und zwar in der Kategorie „Ideen & Forschung rund um das Rechenzentrum“. Obendrauf gab es dann auch noch den Publikumspreis im Online-Voting des Internet-Portals „Data-Center Insider“ .

Experten sagen den Planern und Betreibern von Rechenzentren beste Zukunftschancen voraus. „Wenn sich das Wachstum so fortsetzt, wird sich die Datenmenge in Deutschland bis 2020 verfünffachen, weltweit verfünfzigfachen“, sagt Holger Weber, Leiter Research beim Immobilienentwickler Art Invest, der ebenfalls zur Zech Group gehört. „Wir verfügen bereits jetzt über unendliche Datenmengen, stehen aber bei der Auswertung noch am Anfang“, so Weber weiter.

In Deutschland werde es deshalb einen Run auf Datenzentren geben. Der Abhörskandal durch den US-Geheimdienst NSA habe dafür gesorgt, dass viele Firmen ihre Rechenzentren auf heimischem Boden errichten wollen, damit sie unter die hiesige Rechtsprechung fallen, sprich ihren Kunden Datensicherheit gewährleisten zu können. Andere Unternehmen wiederum tendieren dazu, ihre Rechenzentren im nördlichen Europa zu bauen, weil sie dann nicht so viel Energie zur Kühlung der Rechner benötigen.

„Rechenzentren sind auch für Investoren interessant“, sagt Weber. Von 2005 bis heute habe sich der Markt von Leerständen bis hin zur Vollvermietung entwickelt. Städte wie Frankfurt, wo der Platz ohnehin knapp ist, würden dem Neubau von Rechenzentren jetzt schon einen Riegel vorschieben. Deshalb sei der Mietmarkt besonders spannend – auch für Anleger. „Die Chancen sind höher als die Risiken, wir glauben an das Marktsegment“, sagt Weber.

Quelle:  Handelsblatt Online
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