Rekordversuch: Roboter-Boote sollen mit Wellenkraft Pazifik überqueren

Rekordversuch: Roboter-Boote sollen mit Wellenkraft Pazifik überqueren

von Andreas Menn

Erstmals sollen zwei unbemannte Wasserfahrzeuge nur mit der Kraft der Wellen den Pazifik überqueren: Das kalifornische Startup Liquid Robotics will Mitte September zwei Roboter-Boote völlig ohne Treibstoff oder Akku von Kalifornien aus auf die 11.000 Kilometer lange Strecke nach Australien und nach Japan schicken.

„Wir haben uns mit der Fahrt beim Guinness-Buch der Rekorde beworben“, sagte Luke Beatman, Meeresdatenanalyst bei Liquid Robotics, der WirtschaftsWoche. „Es wäre die weiteste Strecke, die ein autonomes Fahrzeug je auf dem Ozean zurückgelegt hat.“

Die beiden jeweils mehr als zwei Meter langen so genannten Wave Glider, die äußerlich einem Surfbrett ähneln, können sich praktisch unbegrenzt im Meer fortbewegen: Statt per Motor treiben sie sich mit einem Spezialantrieb von Liquid Robotics voran, der das Auf und Ab der Wellen in Vortrieb verwandelt.

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Unbegrenzte Reichweite

Der Antrieb, den die Roboter-Boote in sieben Meter Tiefe an einem Seil mit sich führen, sieht mit seinen sechs beweglichen Lamellen aus wie ein umgekippter Lattenzaun. Wird die Drohne an der Wasseroberfläche von einer Welle hochgetragen, zieht sie ihren tauchenden Begleiter mit in die Höhe. Dabei klappen seine Lamellen durch den Wasserdruck nach unten – und erzeugen dabei Vortrieb, wie die Rückenflosse eines Wals. Mit zwei Knoten, umgerechnet 3,7 Kilometer pro Stunde, schwimmt die energieautarke Drohne in jede gewünschte Richtung, ohne je anhalten zu müssen.

Für den Start auf die Rekordfahrt am 15. September werden die Kalifornier die Boote nach bisherigen Plänen in der Bucht von Monterey wassern, 140 Kilometer südlich von San Francisco. Von dort werden sie eigenständig mit Hilfe von GPS-Navigation ihren Kurs über den Stillen Ozean fahren und können jede Minute ihren Standort per Satellitenfunk durchgeben. In Höhe von Hawaii biegt eine der beiden Drohnen nach Japan ab. Der andere Wave Glider erreicht Australien bei schnellstem Reisetempo nach vier Monaten, wird wahrscheinlich aber länger unterwegs sein.

Strom für die Navigation beziehen die Wave Glider aus eingebauten Solarzellen. Die speisen auch eine Reihe von Messfühlern. „An Bord sind ist rund ein Dutzend Sensoren“, sagte Beatman, „darunter ein Barometer, ein Windmesser, ein Wellenhöhen-Messgerät, ein Algen-Detektor und ein Sensor, der den Salzgehalt des Wassers bestimmt.“

Drohnen-Flotte sammelt Meeresdaten

So genannte Unbemannte Maritime Vehikel (UMV) sind mehr als eine Spielerei. Sie sollen künftig immer öfter Meeresbiologen, Klimaforscher und Rohstoffunternehmen mit wichtigen Daten versorgen. Im vergangenen Jahr verfolgten Roboter-Boote von Liquid Robotics bereits BPs Katastrophen-Ölspur im Golf von Mexiko oder maßen Temperaturen in der kalifornischen Monterey-Bucht. Künftig wollen die Kalifornier mit einer eigenen Drohnen-Flotte Meeresdaten sammeln und diese an wissenschaftliche Institute und Unternehmen verkaufen.

Die Wave Glider sind eines der spektakulärsten Beispiele für eine immer wichtiger werdende Technologie, über die die WirtschaftsWoche in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet: Das so genannte Energy Harvesting, auf deutsch Energie-Ernte, ersetzt Benzin und Batterien und zapft statt dessen Energie aus der Umgebung an, also Wellen, Wärme, Vibrationen oder Radiowellen. Die Technik erspart Sensoren den Batteriewechsel, hilft Autos beim Spritsparen und macht Implantate zu Selbstläufern.

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