Rohstoffe: Rohstoffboom fördert deutschen Bergbau

Rohstoffe: Rohstoffboom fördert deutschen Bergbau

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Arbeit mit einem Walzenlader in einem deutschen Steinkohlebergwerk

Millionen Tonnen Metalle ruhen in Deutschlands Erde. Der seit Jahren anhaltende Rohstoffboom sorgt dafür, dass sich hierzulande der Bergbau wieder lohnt.

Der Baggerfahrer staunte nicht schlecht, als er in einer gerade angelieferten Fuhre Schrott eine reich verzierte, wertvoll aussehende Schale entdeckte. Die sofort alarmierte Polizei konnte die Herkunft schnell klären. Die vermeintliche Schale war der Deckel eines Taufbeckens, das bei einem Einbruch in die Kasseler St. Bonifatiuskirche gestohlen worden war.

Mindestens ebenso erstaunt waren kürzlich Polizisten in Haßmoor bei Kiel. An einem Bahnübergang waren sämtliche Verkehrszeichen aus Aluminium abmontiert worden, neun an der Zahl, dazu noch zwei Pfosten. Im brandenburgischen Lauchhammer verschwanden über Nacht 160 Aluminiumfässer im Wert von rund 40.000 Euro von einem umzäunten Betriebsgelände.

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Ob Kabel, Schienen oder gar die Sendeantenne einer Rundfunkstation: Wegen des Rohstoffbooms ist kein Metall mehr sicher vor Dieben. Ehrliche Menschen können vom Boom auf andere Art profitieren. Im Boden stecken noch große Mengen an Metallen, deren Förderung in Deutschland vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten aufgegeben worden ist, weil es sich nicht mehr lohnte oder keine geeigneten Techniken zur Verfügung standen, um Nickel und andere Rohstoffe vom Gestein zu trennen.

Rohstoffabbau in Deutschland lohnt sich wieder

Vor vier Jahren schon gründeten Titus Gebel und Thomas Gutschlag die Deutsche Rohstoff AG (DRAG), um Nickel, Zinn, Zink, seltene Erden und sogar Gold aus deutschen Böden herauszuholen. „Ich habe damals gesehen, dass Rohstoffe knapp werden, vor allem wegen des schnell wachsenden Bedarfs in China“, sagt Gebel, der CEO der DRAG. Bis zum Jahr 2025 könnte sich der Anteil Chinas am weltweiten Rohstoffverbrauch auf 40 Prozent mehr als verdoppeln, schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover.

Das ahnten auch Gebel und sein für Finanzen zuständiger Partner Gutschlag. Flugs sicherten sie sich das Recht, in sieben Regionen in Sachsen und Bayern nach metallischen Rohstoffen zu suchen, die viele Milliarden Euro wert sind. „Wir sind auf der sicheren Seite“, sagt Gebel. Er hat geologische Archive aus DDR-Zeiten durchforstet, in denen akribisch notiert ist, wo welche Bodenschätze lagern und in welchen Mengen. „Die DDR war das geologisch am besten erforschte Land der Welt“, sagt Gutschlag. Die Bergingenieure durchlöcherten auf der Suche nach Uran nach dem Zweiten Weltkrieg den Untergrund wie einen Schweizer Käse und stießen dabei auch auf Lagerstätten wertvoller Metalle wie Nickel und Kupfer, die teilweise noch in den Achtzigerjahren abgebaut wurden.

goldgewinnung

Wegen sinkender Rohstoffpreise und großtechnischem Abbau beispielsweise von Kupfer in Chile lohnte es sich dann nicht mehr, die vergleichsweise kleinen Vorkommen in Deutschland zu nutzen. Jetzt haben sich die Verhältnisse grundlegend gewandelt. Der Goldpreis hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, der von Kupfer ist gleich um 340 Prozent gestiegen.

Gebel und Gutschlag wollen die Gunst der Stunde nutzen. Nickel, Wolfram und Zink – und sogar Gold steht auf ihrer Wunschliste. Das gelbe Edelmetall wollen die beiden Partner, die in einem großzügigen Altbau in Heidelberg residieren, im bayrischen Gütting fördern. Vor Jahrhunderten schon wurde dort mit klassischen bergmännischen Verfahren Gold gewonnen. „Wenn man den richtigen Blick dafür hat, sieht man heute noch die Mulden, die nach dem Abtransport goldhaltiger Mineralien übrig geblieben sind“, sagt Gebel. Lange waren die Mulden für verfallene Schanzgräben aus dem 30-jährigen Krieg gehalten worden. Anders als beispielsweise in Südafrika mit seinen bis zu 4000 Meter tiefen Bergwerken soll das Gold in Gütting im Tagebau gewonnen werden.

Ob es sich wirklich lohnt, wird in diesem Herbst klar sein. In den nächsten Wochen rollt ein Bagger an, der an verschiedenen Stellen ein paar Tonnen Gestein ausheben soll. In einem Labor wird es analysiert. „Wenn wir pro Tonne zwei Gramm Gold gewinnen können, lohnt sich die Sache“, sagt Gebel. Der Wert dieser Menge liegt heute bei rund 35 Euro.

Allerdings ist vor dem großen Geschäft noch eine Hürde zu überwinden – es gilt, die Bedenken der Umweltschützer gegen das Projekt auszuräumen. „Wir werden auf keinen Fall Cyanide benutzen, um das Gold vom Gestein zu trennen“, versichert Gutschlag. Die Auslaugung mit Cyaniden, besser bekannt als Blausäure, ist das bisher einzige industrielle Verfahren zur Goldgewinnung und hat beispielsweise in Brasilien für schwere Umweltschäden gesorgt. Der Einsatz der Chemikalie, die zeitweise auch als Kampfgas diente, zur Goldgewinnung wäre in Deutschland ohnehin nicht genehmigungsfähig.

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