Rohstoffe: Wie Techniker das letzte Erdgas aus dem Boden holen

Rohstoffe: Wie Techniker das letzte Erdgas aus dem Boden holen

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Auf einer RWE-Erdgasleitung klebt ein Aufkleber, auf dem "Erdgas" steht

von Ulrich W. Hanke

Weltweit lagern riesige Erdgasmengen in schwer erreichbaren Gesteinsschichten. Neue Techniken ermöglichen es nun, diese Quellen zu erschließen.

Viel ist vom Treiben des Energiekonzerns ExxonMobil in den niedersächsischen Orten Niedernwöhren und Schlahe nicht mehr zu erkennen. Die Bohrkerne: zur Labor-Auswertung. Die verfüllten Löcher: kaum noch sichtbar. Der Bohrtrupp samt Ausrüstung: längst über alle Berge. Im August zieht der Trupp weiter, um die dritte von zehn Testbohrungen voranzutreiben. Die Gasexperten sind auf der Suche nach unkonventionellen Erdgasreserven. Gas, das in bislang schwer zugänglichen Erdschichten lagert, fest umschlossen etwa von weichem Tongestein. Normalerweise liegt Gas oft oberhalb von Erdölfeldern in einer Art Blase und tritt nach dem Anbohren des Gasreservoirs einfach aus.Doch neue Techniken machen es nun möglich, auch unkonventionelle Reserven zu erschließen. Während sich gerade die öffentliche Diskussion um Gas-Pipelines zuspitzt, redet die Fachwelt unentwegt über die neuen Methoden, durch die die weltweit verfügbare Gasmenge drastisch steigt, was wiederum zu sinkenden Preisen führt.

Exxon will dafür in mehrere Tausend Meter Tiefe bohren, um in fest umschlossene Gasschichten vorzudringen. Um das Gas aufnehmen zu können, wird der Bohrschacht zunächst mit Rohren und Zement stabilisiert. Anschließend verursachen die Gasexperten mit kontrolliert gezündeten Sprengsätzen Risse in Rohr, Zement und Gestein. Unter großem Druck pumpen sie dann Wasser, Sand und Chemikalien in die Leitung. Die Lauge sprengt die Risse im Gestein auf – vergleichbar mit einem sich ausdehnenden Steinschlag auf der Windschutzscheibe. In diesen Rissen setzt sich der Sand ab, hält Poren und Klüfte offen, aus denen später Gas quillt. Anschließend wird das Wasser abgepumpt. Schon strömt das Gas ins Rohr.

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Überall vorhanden

„Nicht konventionelles Erdgas ist praktisch überall vorhanden“, sagt Harald Andruleit, Geologe von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Deshalb ist weltweit gerade ein regelrechter Gas-Rausch ausgebrochen. Die BGR will sich ab Herbst selbst auf die Suche begeben.

Und die Aussichten für die Akteure sind gut: Laut der Internationalen Energieagentur liegt weltweit sechsmal so viel Erdgas in unkonventionellen Lagerstätten wie in konventionellen Lagern. Bewahrheitet sich die Prognose, könnte das den Energiemarkt revolutionieren. Denn damit würden Europa und die USA unabhängiger von Gas-Importen. Einige Pipelines und Flüssiggas-Transporte könnten überflüssig werden. Die weltweiten Gasvorräte, die in 30 Jahren erschöpft sind, würden weitere 50 Jahre reichen, bevor sie verbraucht sind, schätzen zudem Experten. Unter Hochdruck suchen deshalb viele Konzerne nach den besten der neuen Gasquellen in Europa. Die österreichische OMV forscht im Wiener Becken, ConocoPhillips in Polen, Shell favorisiert Schweden, kleinere Firmen Frankreich und Ungarn.

„In Amerika hat die neue Technik bereits zum Durchbruch geführt“, sagt Andruleit. Mit gravierenden Auswirkungen auf den Weltmarkt: Die USA produzieren nicht nur mehr Gas, sie importieren auch immer weniger. Das dadurch entstandene Überangebot senkt den Gaspreis. Erdgasförderer in den USA scheinen dennoch profitabel fördern zu können. Der Vergleich zu Öl hinkt. „Beim Ölsand ähnelt der Abbau eher dem von Metallen und ist deutlich kostspieliger“, sagt LBBW-Rohstoffexperte Sven Streitmayer. Für ihn könnte Gas Öl sogar langfristig als „Energieträger Nummer eins“

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