Routenplaner für Radler: Navigation auf Umwegen

Routenplaner für Radler: Navigation auf Umwegen

Ein spezielles Navigationsgerät für Radler lotst seit Kurzem durch das Grenzgebiet bei Bocholt. Aber Vorsicht: Die Technik kann Freizeitsportler in die Irre führen, wie Wolfgang Kempkens erfahren musste.

Die Radtour beginnt am Computer, jedenfalls dann, wenn man sich von einem speziellen Navigationsgerät durch das deutsch-niederländische Grenzgebiet zwischen Bocholt, Dinxperlo und Aalten führen lassen will. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik in Dortmund hat ein Programm entwickelt, das Radler nach dem Vorbild der Auto-Navis durch die landschaftlich schöne, vor allem aber topfebene Landschaft führt. Auf www.erigg.de geht es los. Nach dem Einloggen erscheint die Karte. Mit Mausklicks markiere ich die Punkte, die ich auf der Tour ansteuern möchte. Ich habe die Wahl zwischen der kürzesten Strecke und einer Routenführung, die bevorzugt Rad- und Waldwege nutzt, aber auch landschaftlich besonders reizvoll ist. Ich wähle die letztere Variante. Ein Mausklick weiter und die Route ist berechnet: 31,4 Kilometer.

In der Bocholter Touristen-Info-Zentrale wird die Route auf einen PDA übertragen. Ebenso wie ein kleiner GPS-Empfänger, der ständig die aktuelle Position ermittelt, wird er am Lenker des Rads befestigt. Der Service ist während des Testbetriebs noch kostenlos. Später soll eine kleine Gebühr erhoben werden.

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Auf dem Display des Kleincomputers erscheint nach dem Einschalten eine Karte, die den ausgewählten Weg rot unterlegt anzeigt. Wir, das sind meine Frau Gabi und ich, können nun starten. Ein großer Pfeil, der regelmäßig aufleuchtet, zeigt uns, dass es erst einmal geradeaus geht. Plötzlich meldet sich eine Frauenstimme: „Nach 100 Metern bitte links abbiegen.“ Gleichzeitig blinkt ein Linksabbiegepfeil auf. In schneller Folge wechselt jetzt die Richtung. Stets weist die Navi-Stimme den Weg. Da kann doch nichts schiefgehen, oder? Wir erreichen eine Landstraße. Die Stimme schweigt. Wir wählen einfach den Fahrradweg, der beinahe geradeaus führt. Doch nach einigen 100 Metern erscheint auf dem Display ein roter Balken: „Die Route wurde verlassen.“ Wir kehren also um und erreichen wieder die rot markierte Route.

Während ein Auto-Navi die Strecke neu berechnen würde, ist dieses Fahrrad-Navi dazu nicht in der Lage. Wir orientieren uns an unserer Position, die als weißer Pfeil dargestellt ist, und kleinen gelben Richtungspfeilen. Bald sind wir so wieder auf Kurs, und die Navi-Stimme erwacht zu neuem Leben. Aus Erfahrung klug geworden, verlassen wir uns jetzt nicht mehr ausschließlich auf die Stimme. Ich beobachte ständig unsere Position auf der markierten Strecke. Mitten in der Einsamkeit verblüfft uns eine neue Richtungsänderung. Die Stimme leitet uns auf einen wenige Zentimeter breiten Trampelpfad ins Gebüsch. „Da sollen wir durch?“, fragt meine Frau entsetzt. Ja, da müssen wir durch – das Navi bleibt hart. Kurz darauf sind wir in Barlo, einem Ortsteil von Bocholt, unserem ersten Zwischenziel. Als wir ein paar Kilometer später den „Ziegenhof“ erreichen, weist uns das Navi erneut in die falsche Richtung. Der rote Balken erscheint, wir kehren um. Doch das Navi schweigt. Offenbar hat der GPS-Empfänger einen Schluckauf. Also radeln wir einige Minuten lang der Nase nach, bis plötzlich wieder die rote Route auf dem Display erscheint. Sie weist uns zurück zum „Ziegenhof“. Vielleicht hätte die Navigation dort jetzt wieder funktioniert. Doch wir sind schon zwei von drei geplanten Fahrstunden unterwegs. Wir steuern deshalb Bocholt an und erreichen tatsächlich nach kurzer Fahrt die Strecke, die wir auf dem Hinweg genommen haben.

Die Karte stellt sich nun auf den Kopf – klar, wir fahren ja in die Gegenrichtung – und die Stimme schweigt beleidigt. Unser Fazit: Wenn die Fraunhofer-Wissenschaftler das System noch ein wenig verbessern, wird es ein vorzüglicher Begleiter.

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