Rupert Stadler zum Bio-Sprit E10: "Audi hat schon Erfahrung mit Ethanol"

Rupert Stadler zum Bio-Sprit E10: "Audi hat schon Erfahrung mit Ethanol"

Bild vergrößern

Rupert Stadler (Audi-Chef)

Autofahrer lehnen ihn ab, Politiker sind zerstritten und Unternehmer verzweifelt. Doch Audi-Chef Rupert Stadler verteidigt den neuen Bio-Kraftstoff E10.

WirtschaftsWoche: Herr Stadler, wer ist schuld am E10-Chaos?

Stadler: Wir sollten nicht nach Schuldigen suchen. Vielmehr sollten alle Beteiligten dafür sorgen, dass die Verbraucher schnell und umfassend informiert werden. Wir haben die Vereinbarung getroffen, dass wir als Hersteller unsere Autos E10-fähig machen. Das haben wir umgesetzt, wie unsere aktuelle Produktpalette zeigt. Es gibt bei Audi nur wenige Aggregate, die nicht mit E10 betrieben werden dürfen. Und darüber informieren wir transparent. Wir haben alle Informationen zu diesen Autos und Motorisierungen auf unserer Homepage, und wir haben dafür auch eine kostenlose Kundenhotline. Der Kunde bekommt von Audi eine klare und eindeutige Antwort, schnell und kompetent. Ich denke, das ist genau der richtige Ansatz, um unseren Kunden die Verunsicherung zu nehmen.

Anzeige

Wer haftet denn bei Schäden, falls der Motor eventuell doch durch den neuen Biosprit angriffen wird?

Stadler: Bislang sind uns keine Kundenbeanstandungen im Zusammenhang mit E10 bekannt. Bei neuen Autos könnte eine derartige Beanstandung innerhalb von zwei Jahren nach Fahrzeugübergabe ein Gewährleistungsfall sein. Bei älteren Fahrzeugen würden wir Beanstandungen im Einzelfall prüfen. Sollte E10 die Ursache sein, würden wir auch dann auf eine kundenorientierte Lösung hinarbeiten.

Durchrostungen, Getriebeschäden – kann dies durch E10 verursacht werden?

Stadler: Wir kennen derartige Beanstandungen bislang nicht. Für E10 gelten dieselben Zusagen wie für E5.

Durch den hohen Ethanolanteil könnte die Wassermenge im Motor zunehmen, fürchten Experten bei BMW. Dies würde zu einer vorzeitigen Alterung des Motoröls führen und häufigere Ölwechsel nötig machen. Müssen die Autofahrer, die den neuen Sprit tanken, also häufiger zum Ölwechsel in die Werkstatt?

Stadler: Nein, wir haben unsere E10-fähigen Motoren so entwickelt, dass wir unsere  normalen Service-Intervalle beibehalten können.

Brauchen wir Biosprit tatsächlich für den Klimaschutz? Denn er hat ja eine geringere Energiedichte und provoziert damit einen höheren Verbrauch.

Stadler: Die Energiedichte von Alkohol ist tatsächlich geringer als die von Benzin oder Diesel, aber die CO2-Bilanz ist unter dem Strich besser. Wenn wir die Biokraftstoffe nicht aus den Früchten, sondern aus heute wenig genutzten Bestandteilen der Pflanzen wie Stroh und Restholz gewinnen, dann können wir auch eine Konkurrenz zwischen Teller und Tank vermeiden. Daran arbeitet der VW-Konzern mit der Iogen Corporation in den USA. Außerdem konzentrieren wir uns auf den Biokraftstoff der zweiten Generation. Dies ist kein Alkohol, sondern biosynthetischer Kraftstoff von höchster Qualität. Dazu gibt es eine Kooperation mit der Firma Choren Industrie GmbH in Freiberg in Sachsen.

Die Autoindustrie verteidigt E10 vehement – weil der Biosprit den Übergang zu alternativen Antrieben verzögern hilft?

Stadler: Überhaupt nicht. Wir treiben die Entwicklung der alternativen Antriebe mit voller Kraft voran. Aber es ist auch klar, dass konventionelle Antriebe auf lange Sicht die Basis unserer Mobilität bilden werden. Wir arbeiten deshalb an drei Aufgaben gleichzeitig: Wir wollen den Kraftstoffverbrauch der heutigen Aggregate weiter reduzieren. Das kommt dann auch den alternativen Antrieben zu Gute. Denn ein Hybrid, ob Vollhybrid oder Plug-In-Hybrid, kann nur so effizient sein wie der Verbrennungsmotor, der in Kombination mit dem Elektromotor zum Einsatz kommt. In die Hybridisierung des Antriebs investieren wir auch deshalb, weil wir dort Stück für Stück weitere Expertise für die Elektrifizierung des Automobils aufbauen. Und langfristig wird in großen Metropolen das rein elektrisch angetriebene Auto eine Ergänzung sein. Auch daran arbeiten wir. Dafür braucht es Zeit und Ressourcen, und nur die Besten werden vorne mit dabei sein.

Audi arbeitet an einem Hybridantrieb, bei dem ein Wankelmotor den elektrischen Strom produziert. Ist der Wankel denn auch schon auf den Biosprit ausgelegt? 

Stadler: Wenn der Wankelmotor als Range Extender kommen sollte, würde er auch E10-tauglich sein. Wir diskutieren Ethanol-Beimischungen ja nicht erst seit diesem Jahr. Da haben wir schon einige Erfahrungen sammeln können, und wir haben die richtigen Technologien, um unsere Motoren dafür auszulegen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%