Samsung: Der Android-Angriff

Samsung: Der Android-Angriff

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Shin Jong-kyun, Chef von Samsung, präsentiert das Galaxy 2 auf dem Mobile World Congress 2011 in Barcelona

von Thomas Kuhn

Der koreanische Elektronikriese Samsung drängt mit seinem neuen Top-Smartphone Galaxy S2 ins lukrative Business-Geschäft – und hat Googles Handy-Software Android dafür mithilfe zahlreicher Technikpartner für den Büroeinsatz hochgerüstet. Damit beginnt die Attacke auf RIM und Microsoft.

In den vergangenen Jahren versprühten die Pressekonferenzen des Elektronikriesen Samsung auf dem Mobile World Congress in Barcelona stets einen etwas nerdigen Charme. Zumeist koreanische Konzernmanager, deren Namen man noch nie gehört hatte und deren genaue Funktion in den asiatischen Hierarchien sich dem Zuhörer vielfach auch auf Nachfragen nicht erschloss, ergingen sich in endlos scheinenden Vorträgen der Funktionalitäten ihrer jeweilig neuesten Handy-Kreationen. Oft nicht viel schlauer, meist aber deutlich verwirrter als zuvor verließ der Reporter nach den Präsentationen den Saal.

In diesem Jahr war alles anders. Der asiatische Konzern hatte statt in einen abgelegenen Konferenzraum eines Messe-Hotels zur Neuheitenpräsentation in eines der architektonischen Juwele der Stadt geladen, ins malerisch im Schatten des Olympiastatiums gelegene Palau Sant Jordi. Dort veranstaltete Samsung eine Schau, wie sie sich ein US-Marketing-Guru kaum schöner hätte ausdenken können, und wohl auch ausgedacht hat. Begleitet von tanzenden Präsentatoren, Lichteffekten, Trommelwirbel und einem (wenn auch in seiner Besetzung auf Messe-Konferenz-Format gestutzten) klassischen Orchester enthüllte Samsung seine beiden entscheidenden Messeneuheiten.

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Zum einen das mit dem einfallsreichen Namen Galaxy S 2 – kurz GS2 ­– gesegnete Nachfolgemodell seines 10-Millionen-Sellers und High-End-Smartphones Galaxy S, und den großen Bruder seines iPad-Jägers Galaxy Tab, das Galaxy Tab 10.1. Es besitzt, statt des 7-Zoll-Displays der im vergangenen Jahr auf der IFA präsentierten Erstlings, ein 10-Zoll-Display und kommt auch insgesamt in seinem Gehäuse mit Metall-Finish deutlich wertiger daher. Beide neuen Geräte setzen auf Googles Betriebssystem für mobile Geräte auf, Android. Während das GS2 den aktuellen Smartphone-Standard Android 2.3 – Codename „Gingerbread“ ­nutzt, wird das GT10.1 bereits mit dem brandneuen Android 3.0 „Honeycomb“ auf den Markt kommen.

Direktangriff auf Blackberry und Windows Mobile

Den größeren technologischen Schritt aber markiert trotzdem eindeutig das GS2II. Dank eines Dualcore-Prozessors arbeitet das Handy nochmals deutlich flotter als der Vorgänger – quasi mit der Kraft der zwei Herzen. Daneben glänzt das Gerät im wahrsten Wortsinne mit einem sensationell farb- und kontraststarken und 4,3 Zoll großen OLED-Display, von Samsung als „Super AMOLED“-Technik bejubelt, und das sämtliche Konkurrenzmonitore (einschließlich des „Retina“-Bildschirms vom iPhone 4) in Sachen Bildeindruck deklassiert. Bei der Bildauflösung freilich reicht es noch nicht ganz an das Apple-Handy heran.

Doch so eindrucksvoll die äußeren Werte sein mögen, die eigentliche Messe-Sensation der Koreaner verbirgt sich dahinter. Tatsächlich nämlich entwickelte sich die Präsentation im Laufe der Zeit mehr und mehr zum Aufgalopp der Softwarepartner, mit deren Hilfe Samsung sein High-End-Telefon ganz neu positionieren will. Denn neben den bisher schon millionenfach gewonnenen Endkunden, soll das GS2 erstmals ganz klar auch Unternehmenskunden begeistern.

Dazu integriert Samsung in sein Top-Modell jede Menge Software von Partnern aus dem Geschäftskunden-Software-Segment. So wird ab Werk nicht nur die Kommunikations- und Konferenz-Software WebEx von Cisco integriert sein, sondern auch ein Programm, mit dem sich die Handys in die Internet-Telefoniesysteme (VoIP) von Unternehmen integrieren lassen. Daneben ermöglicht ein speziell an das GS2 angepasstes Softwarepaket der SAP-Tochter Sybase das zentrale Management und die Fern-Konfiguration von Smartphones in Unternehmen. Selbst einzelne Softwaremodule auf dem Telefon aber auch die integrierte Kamera lassen sich in der Unternehmens-IT zentral aktivieren oder sperren. Auf Wunsch lassen sich sowohl der integrierte Gerätespeicher oder auch externe Speicherkarten aus der Ferne verschlüsseln und/oder löschen.

Und selbstverständlich ist das GS2 in der Lage, neben Adobes Multimedia-Standard Flash, auch Programme der systemübergreifenden Softwareplattform Air wiederzugeben beziehungsweise auszuführen.

Mit all diesen Funktionen positioniert Samsung sein neues Spitzenmodell nicht nur gegen die bisher präferierten Business-Handys der Blackberry-Serie von Research In Motion. Ebenso klar soll das GS2 die noch immer in Unternehmensanwendungen eingesetzten Telefone mit dem inzwischen veralteten Betriebssystem Windows Mobile ablösen.

Vor allem aber soll der geballte Aufmarsch der Business-Software-Partner eine Kernbotschaft vermitteln: Seht her, Android – bisher zumeist als preisgünstige Alternative für Konsumenten tituliert, die sich das iPhone nicht leisten können oder wollen – dieses Android ist nun eindeutig in der Business-Welt angekommen. Hier wollen die Koreaner eine relevante Größe werden, und mit dem im GS2 erweiterten Softwarepaket reicht das Marktpotenzial des neuen Top-Geräts nun weit über das bisher angepeilte Konsumenten-Geschäft hinaus.

Die Nachricht ist eindeutig: Mit uns ist Android reif fürs Geschäft, RIM und Microsoft, zieht Euch warm an. Und – Tänzer hin, Geiger her – nach dem Auftritt am Messevorabend im Palau Sant Jordi zweifelt kaum einer mehr, das Samsung das ausgesprochen ernst meint.

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