Samsung Gear S3 im Test: Eine runde Sache

Samsung Gear S3 im Test: Eine runde Sache

, aktualisiert 01. Februar 2017, 09:27 Uhr
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Das Ziffernblatt erinnert durch die hohe Auflösung und die Farbtiefe an eine analoge Uhr - lässt sich aber natürlich deutlich einfacher wechseln.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Samsungs Smartwatch geht in die dritte Generation - und hat bei Leistung und Optik erneut deutlich zugelegt. Die größte Stärke der Samsung Gear S3 ist allerdings gleichzeitig auch ihre größte Schwäche.

DüsseldorfSo wie das Smartphone den Markt für Mobiltelefone umkrempelte, so sollte die Smartwatch den Uhrenmarkt revolutionieren. Bislang sind die Rechner am Handgelenk diesem hehren Anspruch noch nicht gerecht geworden. Der Marktanteil ist insbesondere in Deutschland noch marginal. Mitunter ist das auch dem Design der Smartwatches geschuldet, die viel zu oft immer noch an jugendliche Digitaluhren erinnern.

Der koreanische Technologiekonzern hat mit seiner Smartwatch Gear einen anderen Weg eingeschlagen. Die Gear sieht auch in ihrer dritten Generation äußerlich tatsächlich wie eine Uhr aus. Diesmal bieten die Koreaner sogar zwei Optionne an. Für Menschen, die es robuster mögen gibt es die Uhr als Frontier mit Silikonarmband und markantem schwarzen Gehäuse. Wer es eleganter mag, für den bietet Samsung die Gear S3 classic an – mit silbernem Gehäuse und Lederarmband. Beide orientieren sich optisch an bekannter Armbanduhr-Optik. Dafür haben die Koreaner sich Know-how der alteingessenen Uhrenindustrie eingekauft. Auch Hublot-Uhrendesigner Yvan Arpa soll bei der Entwicklung mitgeholfen haben.

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Wir testen die S3 classic. Auf den ersten Blick fällt es sogar schwer, die Uhr als Smartwatch zu identifizieren: Das 1,3 Zoll Display mit seiner variablen Helligkeit und seiner Farb- und Detailtiefe erweckt mitunter die Illusion einer analogen Uhr. Dabei lassen sich die Zifferblätter über das Smartphone wechseln. Tausende Designs stehen zur Auswahl. So kann man die Uhr stets seiner Stimmung oder dem Outfit anpassen.

Dabei wirkt die Uhr an einem Männerhandgelenk keinesfalls klobig – obwohl sie verglichen mit dem Vorgänger an Gewicht zugelegt hat. Die 62 Gramm sind aber immer noch leicht genug, um am Handgelenk nicht als störend empfunden zu werden Und auch Knöpfe und Sensoren sind so sparsam eingesetzt, dass sie die Optik nicht stören.

Gesteuert wird die Uhr per Touchscreen, mit zwei Knöpfen an der Seite und vor allem über den Kranz ums Ziffernblatt, die so genannte Lünette. Mit ein bisschen Übung funktioniert das intuitiv – und man entdeckt schnell die zahllosen Funktionen, die man als normaler Uhrenträger so nicht kennt. Häufig genutzte Apps kann man einfach ansteuern, indem man wortwörtlich am Rad dreht.


Die Samsung-Welt ist kuschelig

Für Sportler ersetzt die Gear S3 das Fitnessarmband, ermahnt sogar regelmäßig zur Bewegung. Die Uhr zählt auf Wunsch die Schritte, die man täglich zurücklegt, misst den Puls und erfasst die Etagen, die man erklimmt. Im Test funktioniert das zuverlässig und motiviert zu täglicher Bewegung. Bevor die Sportfunktionen genutzt werden können, muss man allerdings auch seitenlange Datenschutzerklärungen durchlesen - oder ehrlicherweise bei voller Ahnungslosigkeit zustimmen.

Der größte Vorteil der Gear S3 ist, dass man nicht mehr so angewiesen auf die permanente Verbindung zum Mobiltelefon ist wie bei anderen Smartwatches. Durch das Betriebssystem Tizen von Samsung arbeitet die Gear S3 selbstständig und verfügt über ein eigenes GPS-System sowie Höhenmesser und Barometer. Darum kann man beispielsweise joggen gehen, ohne permanent das Smartphone mitschleppen zu müssen. Die Daten werden übertragen, sobald man wieder eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone hergestellt hat.

Der große Vorteil des eigenen Betriebssystems ist gleichzeitig aber auch der größte Nachteil der Uhr. Denn sämtliche Apps, die man mit der Gear S3 nutzen möchte, müssen sowohl auf dem Smartphone als auch auf der Uhr installiert werden. Das kostet nicht nur Zeit bei der Einrichtung, sondern funktioniert bei einigen Apps auch nicht reibungslos.

Zum Wandern nutzen wir die App Komoot und installieren das entsprechende Programm auf Smartphone und Uhr. Leider wird die Route nicht automatisch übertragen. Bei Smartwatches mit Android Wear geschieht das automatisch. Hier rächt sich, dass Samsung lieber auf ein hauseigenes Betriebssystem setzt.

Mitunter geht das Zusammenspiel sogar zulasten der Akkulaufzeit. Die Gear S3 zeichnet beispielsweise den Schlaf auf, wenn sie mit einem konzerneigenen Handy und der App „Samsung S Health“ verbunden ist. In der Samsung-Welt hat es der Nutzer bequem, draußen wird es rauer. Nutzt man eine konzernfremde App wie beispielsweise „Sleep“, kostet eine Nacht, in der man den Schlaf dokumentiert, rund die Hälfte des Akkus.


Sie versteht mich nicht

Mit seinen 350mAh fasst der Energiespeicher zwar mehr als viele Konkurrenten. Im Test musste die Uhr in der Regel trotzdem einmal pro Tag an die Ladestation – obwohl der Hersteller mit einer Laufzeit von bis zu vier Tagen wirbt.  Eine volle Ladung dauert dank der hohen Kapazität schon mal 1,5 Stunden.

Insgesamt erweist sich die Uhr im Test aber als sehr leistungsfähig. Dank eines Dual-Core-Prozessors mit einem Gigahertz und großem Arbeitspeicher sind die Ladezeiten kurz. Auch die Verarbeitung ist robust. Für seine Smartwatch hat Samsung ein eigenes Gorillaglas entworfen, das nicht nur kratzfest sein soll, sondern auch mehr Licht durchlässt. Darüber hinaus ist die Gear S3 wasserfest, man kann sie also auch unter der Dusche tragen.

Auch das Telefonieren über die Uhr funktioniert im Test außergewöhnlich gut. Die Tonqualität ist ansprechend – allerdings ist es immer noch gewöhnungsbedürftig, in aller Öffentlichkeit mit seiner Uhr zu reden. Die Sprachsteuerung „S Voice“ erweist sich leider als fehleranfällig, wenn man deutsch spricht. Selbst einfachste Befehle werden nicht immer zuverlässig verstanden – besonders bei starken Umgebungsgeräuschen. Hier funktionieren Systeme wie Siri bislang besser.

Fazit: Samsungs Smartwatch sieht aus wie eine richtige Uhr, kann aber sehr viel mehr. Gerade die Fitnessfunktionen und die starken Leistungsdaten rechtfertigen den Preis von 399 Euro. Darüber lassen sich viele Funktionen unabhängig vom Smartphone nutzen. Leider ist die Auswahl an Apps für die Uhr begrenzt und auch die Kommunikation mit konzernfremden Produkten funktioniert nicht immer reibungslos.

Quelle:  Handelsblatt Online
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