Scheinmedikamente: Die Heilkraft des Nichts

Scheinmedikamente: Die Heilkraft des Nichts

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Placebo-Pillen: Wissenschaftler arbeiten an neuen Methoden und Placebo-Therapien

von Susanne Kutter

Scheinmedikamente wirken oft genauso gut wie echte Pillen, manchmal sogar besser. Warum das so ist, finden Wissenschaftler gerade erst heraus – und entwickeln Ideen für Placebo-Therapien.

Irgendwie ahnt es jeder: Medikamente und Therapien helfen umso besser, je fester wir an sie glauben. Dass allerdings auch völlig wirkstoffreie Präparate, die so genannten Placebos, und sogar Scheinoperationen in unserem Körper eine Wirkung haben, wurde lange Zeit ignoriert  und als pure Einbildung oder abgetan.

Doch nun boomt die Placebo-Forschung geradezu. Seit die Pharmaindustrie zunehmend Probleme hat zu beweisen, dass ihre computerdesignten oder im Genlabor entwickelten Wirkstoffe besser sind als Scheinmedikamente, wollen auch sie es wissen: Was geht in unserem Körper eigentlich vor, wenn bunte Pillen ohne Wirkstoff eine bessere Wirkung erzielen als Substanzen, an denen für Millionensummen jahrelang geforscht wurde? 

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Placebo-Effekt geht über pure Einbildung hinaus

Neueste Studien beweisen ganz klar, dass die Placebo-Wirkung weit über pure Einbildung hinaus geht.

So fand der Hirnforscher Jon-Kar Zubieta von der Universität Michigan jüngst heraus, dass das Gehirn die Produktion von körpereigenen Morphinen kräftig ankurbelt, wenn Testpersonen glauben, ein Schmerzmittel bekommen zu haben: „Wir konnten zeigen, dass der Placebo-Effekt nicht nur ein psychologisches Phänomen ist, sondern auch ein physisches.“

Gleichzeitig untermauert seine Studie die Theorien anderer Neurologen, die den Placebo-Effekt auf eine Rückkoppelung im Gehirn zurückführen: Je stärker die Erwartungshaltung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass unser zentrales Steuerungsorgan auch alle hormonellen und nervösen Hebel in Bewegung setzt, um den erwarteten Effekt zu erzeugen. So steuert unser Gehirn auch Heilungsprozesse – vom Schmerzempfinden bis hin zur Mobilisierung der Immunabwehr.

Zwei Drittel aller Kinderärzte verabreichen Placebo-Pillen

Selbst viele Schulmediziner akzeptieren inzwischen, dass Zuckerpillen, Kochsalzspritzen und alternative Therapien, die nicht auf einen medizinischen Wirkstoff zurückzuführen sind, heilsame – und auch schädliche – Effekte und Reaktionen hervor rufen können, die es aus streng wissenschaftlicher Sicht gar nicht geben dürfte.

Und sie nutzen diesen Effekt ganz gezielt, wie neueste Erhebungen beweisen. So befragte Margrit Fässler vom Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich 233 Haus- und Kinderärzte im Kanton Zürich: Zwei Drittel von ihnen gaben an, dass sie Placebos verabreichen.

Und der Schmerztherapeut Michael Bernateck wollte von Ärzten und Pflegern der Medizinischen Hochschule Hannover wissen, wie oft sie Placebos wie Zuckerpillen oder Kochsalzspritzen einsetzen. Das überraschend eindeutige Ergebnis: 43 Prozent des Personals setzte sie ein bis zwei Mal im Jahr ein, 23 Prozent von ihnen sogar ein bis zwei Mal pro Monat.

Und sieben Prozent taten es ein bis zwei Mal in der Woche. Als Grund gaben die meisten an, sie seien überzeugt, die Placebos würden diesen Patienten genauso gut helfen.

In der Regel ließen Pfleger und Ärzte die Kranken jedoch im Unklaren darüber, dass sie ein Placebo bekamen. Wie sich aus der Heilkraft des Nichts auch ganz reguläre Therapien entwickeln lassen, wird gerdade erst erforscht.

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