Schweinegrippe: Brisante Mischung

KommentarSchweinegrippe: Brisante Mischung

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Susanne Kutter

Die Aufregung um das Schweinegrippe-Virus ist mehr als gerechtfertigt, meint WirtschaftsWoche-Medizin-Redakteurin Susanne Kutter. Die Diplom-Biologin hält den neuen Erreger aus Mexiko ganz und gar nicht für harmlos.

Anfangs hat die Schweinegrippe meinen Kindern mächtig Angst eingejagt: Alle redeten darüber – und irgendwie schien die Sache mords gefährlich zu sein. Das Blatt hat sich gewendet: Seit die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer angeregt hat, ihre Schulferien wegen des neuen Grippe-Erregers um zwei Wochen zu verlängern, können sie dem neuen Grippe-Erreger sogar eine ganz spaßige Seite abgewinnen. Und kommen nicht laufend Kindergarten- und Schulfreunde von Mallorca und anderen Urlaubszielen in Spanien zurück – ganz heil und unbeschadet, von Grippeschäden keine Spur?

Den meisten Erwachsenen geht es genau so wie meinen Kindern: Die Schweinegrippe ist da, aber keiner schert sich drum. „Das ist doch alles nur Panikmache, der Erreger ist doch ganz harmlos“ ist dabei das gängigste Argument. Ich bekomme es täglich von Kollegen, Freunden, Verwandten oder Miteltern aus Schule und Kindergarten um die Ohren gehauen. Gerne in Kombination mit dem Vorwurf, dass „die Medien“ – also irgendwie auch ich – das Thema Schweinegrippe künstlich aufblasen: „Genau wie damals die Vogelgrippe, da ist doch auch nichts passiert.“

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Mehr als 160.000 Menschen infiziert

Es ist zum Haare raufen: Warnen Seuchenschützer und Medien rechtzeitig vor einer potenziellen Gefahr und ergreifen wirksame Gegenmaßnahmen, tritt die Katastrophe möglicherweise gar nicht ein. Doch die Menschen feiern anschließend nicht diejenigen, die gewarnt haben, sondern ziehen angesäuert den Schluss, dass die ganze Aufregung total übertrieben war.

Ich persönlich halte den neuen Grippe-Erreger, der im April als genetische Mixtour aus Schweine- und Menschenviren entstanden ist, für hochbrisant. In diesem Fall beurteile ich die Lage viel eher aus meinem Blickwinkel als Biologin, weniger als Journalistin. Zwar sind bisher „nur“ 1154 Menschen an diesem Virus gestorben. Weltweit sind aber schon über 160.000 Menschen infiziert. In knapp vier Monaten eine reife Leistung für einen brandneuen Erreger. Das 1997 neu entstandene Vogelgrippe-Virus hat es dagegen in den vergangenen zwölf Jahren nur 439-mal geschafft, Menschen zu infizieren, von denen 263 starben.

Okay – die Vogelgrippe hat offensichtlich mehr Schlagkraft und tödliches Potenzial, als das neu grassierende Grippe-Virus aus Mexiko. Doch weil der Vogelgrippe-Erreger es zum Glück nie wirklich gelernt hat, von Mensch zu Mensch zu springen, blieben wir bisher weitgehend verschont. Der neue Erreger ist zwar längst nicht so biestig wie die Vogelgrippe, doch dafür  extrem ansteckend und genetisch sehr labil.

Das Risiko, dass er durch Mutation einzelner biochemischer Buchstaben in den Genen oder den Austausch von ganzen Gen-Stücken im Körper von Infizierten noch tödliches Potenzial gewinnt, ist hoch. Und die Gefahr ist umso größer, je mehr Menschen das neue Virus in sich tragen. Besonders reichhaltig wird das Angebot an genetischen Tauschpartnern für die Viren dann im Winter, wenn sie auf die dann ohnehin zirkulierenden Wintergrippe-Viren stoßen. Prost Mahlzeit!

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