Schweinegrippe: "Dem Virus auf den Fersen bleiben"

Schweinegrippe: "Dem Virus auf den Fersen bleiben"

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Virologe Hartmut Hengel

Auch in Deutschland sind Menschen bereits an der Schweinegrippe erkrankt. Der Virologe Hartmut Hengel zur Frage, wie große die Bedrohung wirklich ist - und wie sich jeder schützen kann, bis ein Impfstoff entwickelt ist.

WirtschaftsWoche: Herr Professor Hengel, wie gefährlich ist dieser neue Grippe-Erreger? Kann die so genannte Schweine-Grippe, die in Mexiko ausgebrochen ist, wirklich die lange vorhergesagte weltweite tödliche Grippewelle auslösen, eine so genannte Pandemie? 

Hartmut Hengel: Dieses neue Virus aus der H1N1-Gruppe besitzt auf jeden Fall das Potenzial dazu, denn es kann sich von Mensch zu Mensch verbreiten.

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Lässt sich das Gefahrenpotenzial irgendwie abschätzen? Was Virulenz und Mortalität angeht, also die Schwere der Erkrankung, die es auslöst oder die Zahl der Toten, die es hervorrufen wird, wissen wir noch wenig. Wir beobachten aber, dass sich die sehr schlimmen Fälle bisher auf Mexiko und die direkt  angrenzenden USA konzentrieren.

Und was heißt das? Es kann zweierlei Ursachen haben. Entweder waren die Menschen, die bisher starben oder sehr schwer erkrankten, geschwächt. Entweder, weil sie nicht gesund oder einfach schlecht ernährt waren. Oder aber, das Virus hat sich im Kontakt mit dem Menschen bereits abgeschwächt.

Das wäre ja wunderbar… … ja, das wäre in der Tat sehr beruhigend. Aber wie gesagt: Noch können wir es nicht einschätzen. Unser Wissen ist noch sehr fragmentarisch.

Worin besteht der Unterschied zu den Epidemien des Atemwegskeims SARS und der Vogel-Grippe – den beiden Krankheitserregern, denen in den vergangenen Jahren das größte Pandemie-Potenzial zugetraut wurde?

Beide waren hoch pathogen, brachten also die meisten Menschen um, die an ihnen erkrankten. Doch diese Viren schafften – zum Glück – den direkten Sprung von Mensch zu Mensch nicht besonders gut, so dass es keine größeren Ausbrüche gab. Die meisten Vogel-Grippe kranken Menschen infizierten sich direkt an erkranktem Geflügel.

"SARS hat uns sensibilisiert"

Inwiefern ist Deutschland jetzt akut gefährdet? So wie jedes andere Land mit Flugverbindungen nach Mexiko? Oder gibt es Besonderheiten?

Nein, ich glaube die Gefahr ist überall auf der Welt ähnlich groß. Die Viren reisen mit den Menschen heute sehr schnell überall hin.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin, wo sie von 2000 bis 2004 arbeiteten, hat jahrelang darauf hin gewirkt, dass Deutschland endlich einen Pandemieplan aufgestellt. Ist das Projekt gelungen?

Ja, ich glaube das. SARS hat uns sensibilisiert, dass wir uns für neue Virusinfektionen wappnen müssen. Und in Folge der Vogelgrippe sind dann tatsächlich Pandemiepläne entstanden. Das versetzt uns in einen wesentlich besseren Zustand, mit solchen Dingen umzugehen.

Wo könnte es denn Lücken geben? Das wird sich erst zeigen, wenn solche Pläne in die breite Anwendung kommen, also bis in jeden Stadtbezirk transferiert werden. Kritisch anmerken muss man allerdings schon, dass es im  öffentlichen Gesundheitswesen inzwischen Defizite gibt, weil gespart wurde. Es könnte sein, dass wir in Situationen kommen, in denen wir das noch bedauern werden.

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