Siemens-Manager René Umlauft: "Strom in Autos parken"

Siemens-Manager René Umlauft: "Strom in Autos parken"

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Rene Umlauft

von Sebastian Matthes

René Umlauft, Chef der Sparte erneuerbare Energien bei Siemens, über Solarsubventionen, Fachkräftemangel und grüne Zukunftstechnik.

Lange stand der Name Siemens für Atomtechnik, Probleme mit der Telekommunikationssparte und zwielichtige Geschäftspraktiken in Schwellenländern. Heute beherrschen vor allem Berichte über das grüne Portfolio des Technologiekonzerns das öffentliche Bild. Das ist – auch – gute PR. Doch Siemens hat sich tatsächlich gewandelt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte der Konzern mit erneuerbaren Energien rund 3,3 Milliarden Euro um, elf Prozent mehr als im Jahr zuvor und verdiente damit 368 Millionen Euro.

Doch während das Geschäft mit traditionellen Kraftwerken auch im neuen Geschäftsjahr boomt, schwächelt ausgerechnet der Sektor erneuerbare Energien: Im Gegensatz zu den meisten anderen Sparten gingen dort im ersten Quartal 40 Prozent weniger Aufträge ein. Das ist die entscheidende Herausforderung für einen der wichtigsten Hoffnungsträger bei Siemens, René Umlauft, den Chef der Division erneuerbare Energien. Im Interview erklärt er, wo das größte Wachstumspotenzial liegt, welchen grünen Techniken die Zukunft gehört und wie lange die Grünstrom-Branche Subventionen braucht.

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WirtschaftsWoche: Herr Umlauft, gerade erhitzt sich wieder die Debatte über die Einspeisetarife für erneuerbare Energien. Wie würde eine vernünftige Regelung aussehen? 

Umlauft: Wichtig wäre, dass die Bedingungen stabil bleiben und nicht permanent geändert werden. Wer für zwei Milliarden Euro einen Windpark baut, muss sichergehen, dass sich das Investment in 10 bis 20 Jahren auszahlt.

In der Diskussion geht es vor allem um Solarstrom, der einen großen Teil der Subventionen frisst, am Strommix aber nur einen kleinen Teil ausmacht. Wird die Technik überbewertet?

Nein. Es gibt Regionen in der Welt, wo Solarenergie beste Zukunftschancen hat. Die liegen aber eher im Sonnengürtel der Erde.

Wie viel Solar ist in Deutschland sinnvoll?

Das muss die Politik entscheiden. Klar ist: Wenn wir unseren CO2-Ausstoß senken wollen, brauchen wir mehr Ökostrom – egal, aus welcher Quelle. Wir müssen uns vielmehr fragen, wie die vorhandenen Techniken schneller wettbewerbsfähig Strom produzieren können. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.

Dann lassen Sie uns das jetzt tun. Wie wollen Sie dem Ziel näherkommen?

Wir verbessern unsere Fertigungsprozesse. Durch die Umstellung auf eine Industrieproduktionsstraße in der Windkraftfabrik im dänischen Brande haben wir etwa die Logistikkosten um ein Fünftel gesenkt. Unser Innovations-Highlight ist aber die getriebelose Windturbine. Sie kommt mit der Hälfte an Komponenten aus und wiegt elf Prozent weniger.

Wann kommen Ihre Windräder und Fotovoltaikanlagen ohne Subventionen aus?

Bei ersten Projekten ist das schon der Fall: Die Windfarm „West Wind“ bei Wellington in Neuseeland produziert Strom zu Preisen wie ein Kohlekraftwerk.

Eine seltene Ausnahme.

Noch. Windstrom von unseren Anlagen auf dem Festland wird in vier bis fünf Jahren an guten Standorten auch in Deutschland wettbewerbsfähig sein. Er kostet dann nicht mehr 6 Cent pro Kilowattstunde wie heute, sondern 4 bis 4,5 Cent. Das ist der aktuelle Preis von Kohlestrom an der Leipziger Energiebörse. Offshore-Anlagen auf dem Meer werden in zehn Jahren dieses Preisniveau erreichen.

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