Smart-Meter Smappee im Test: Den Stromfressern auf der Spur

Smart-Meter Smappee im Test: Den Stromfressern auf der Spur

, aktualisiert 22. Juni 2016, 10:41 Uhr
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Kaum angeschlossen, zeigt Smappee über die Smartphone- beziehungsweise Tablet-App den eigenen Stromverbrauch in Diagrammen und kleiner oder größer werdenden Blasen an. (Foto: pr)

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Kleines Gerät, große Wirkung: Mit dem Energiemonitor Smappee soll jeder sein Zuhause in ein energieeffizientes Smart-Home verwandeln. Also Schluss mit hohen Stromkosten – allerdings ist Smappee selbst ziemlich teuer. 

Post vom Stromversorger – das bedeutet für die meisten Deutschen in aller Regel nichts Gutes. Es ist schon fast zum Ritual geworden, dass Energiekonzerne ihren Kunden gegen Jahresende mitteilen: Künftig wird es noch ein bisschen teurer.

Im Frühjahr kommt es für einige dann oft noch schlimmer: Die monatlichen Abschläge für den Elektrizitätsbedarf waren zu gering. Nun steht eine Nachzahlung an. Stetig steigendende Strompreise erschweren dabei jegliche Kalkulation.

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Nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben sich die Stromkosten für Haushalte hierzulande seit Anfang des Jahrtausends mehr als verdoppelt. Jede Kilowattstunde Strom, die heute eingespart werden kann, entlastet damit das Portemonnaie mehr als je zuvor. Aber was sind überhaupt die größten Stromfresser in den eigenen vier Wänden?

Mit dem Energiemonitor Smappee, so verspricht es der gleichnamige Hersteller aus Belgien, sollen versteckte Kostentreiber aufgespürt werden. Sind die stromintensiven Geräte erst einmal identifiziert, lasse sich mit den richtigen Maßnahmen leicht bares Geld sparen. Klingt gut. So gut, dass es sich lohnt, Smappee zumindest einmal zu testen.

Das Gerät ist leicht, schlicht und schick designt. Laut Hersteller soll es jeder binnen weniger Minuten installieren können. Schritt eins: Smappee-App downloaden. Schritt zwei: Den Energiemonitor mit dem WLAN-Netzwerk verbinden. Schritt drei: Strom abschalten und Smappee ans hauseigne Netz anschließen.

Genau hier wird es für Laien problematisch. Zwar ist die Installationsanleitung gut bebildert, der Erklärtext eingängig verfasst und es gibt sogar mehrere Videos, die bei der Montage helfen. Aber den Sicherungskasten aufzuschrauben und eigenhändig Stromklemmen an isolierten Kabeln zu befestigen, sollte man schon aus versicherungstechnischen Gründen lieber einem  Elektrikermeister überlassen.

Obwohl Smappee das eigentlich für unnötig hält, empfiehlt der Anbieter mittlerweile selbst, die Installation von einem Fachmann durchführen zu lassen. Bevor Geld eingespart wird, entstehen also erst einmal ungeplante Mehrkosten.

Kaum angeschlossen, zeigt Smappee über die Smartphone- beziehungsweise Tablet-App den eigenen Stromverbrauch in Diagrammen und kleiner oder größer werdenden Blasen an. In Echtzeit lässt sich so beobachten, wie der Verbrauch variiert, wenn beispielsweise Fön, Wasserkocher oder Bügeleisen ein- oder ausgeschaltet werden.

Dabei erkennt Smappee die meisten elektrischen Geräte im Haushalt anhand ihrer Energie-Signatur von selbst. Geräte, die nur wenig Strom verbrauchen, wie LED-Lampen werden von Smappee aber meist nicht erfasst.


Echte Kostentreiber werden schnell entlarvt

Echten Kostentreibern, wie etwa einer energie-ineffizienten Spülmaschine oder einem betagten Kühlschrank, kommt man sehr schnell auf die Schliche. Das Aufspüren der Stromfresser wird dabei mit kleinen Awards von der Smappee-App honoriert. Wer Lust hat, kann sich beim Stromsparen auch mit Freunden und Familie messen und so gegenseitig zu einem umweltschonenden und ökonomisch sinnvollen Nutzungsverhalten anspornen.

Der spannendste Wert, den Smappee misst, ist der Dauerverbrauch. Über einige Tage und Wochen im Test wird klar, wie viel Kilowattstunden Strom konsumiert wird, selbst wenn vermeintlich gar keine Geräte in Betrieb sind.

Ich konnte so Stromverbraucher ausfindig machen, die mir bisher gar nicht wirklich bewusst waren – beispielsweise mein Fernseher oder meine HiFi-Anlage, die im Standby-Modus jeweils fast 6 Watt an Leistung benötigen. Aufs Jahr gerechnet sind das mehr als 100 Kilowattstunden oder rund 30 Euro, die ich etwa mit der Anschaffung einer intelligenten Steckdosenleiste sparen könnte.

Smappee verspricht, dass man mithilfe der Echtzeitübersicht bis zu 30 Prozent der Stromkosten einsparen kann, wenn man alte Geräte durch neue, effizientere ersetzt oder sein Nutzungsverhalten optimiert. Ein vierköpfiger Haushalt könne seine Stromkosten pro Jahr so um rund 200 Euro senken, rechnen die Belgier vor. Der Kauf von Smappee würde sich damit binnen zwölf Monaten amortisieren – denn das Gerät kostet exakt  199,95 Euro. Dennoch ein stolzer Preis.

„Es gibt günstigere Wege, seine Stromfresser zu identifizieren und zu visualisieren“, sagt Niels Schnoor. Der Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband hält es zwar prinzipiell für begrüßenswert, wenn Haushalte sich über ihren Stromverbrauch regelmäßig Gedanken machen, da es gerade in den eigenen vier Wänden oft noch „eine Menge Potenzial gibt, Strom einzusparen“.

Aber Schnoor weiß auch, dass die anfängliche Begeisterung für smarte Geräte, wie Smappe schnell wieder nachlässt. „Im Zweifel ist man mit einer profanen Energieberatung billiger dran“, erklärt der Verbraucherschützer.

Fazit

Smappee macht definitiv Lust auf Stromsparen. Die App ist übersichtlich gestaltet und nötigt einen dazu, sich intensiv mit dem eigenen Stromverbrauch auseinanderzusetzen. Bei stetig steigenden Energiekosten keinesfalls ein Nachteil. Smappee erkennt zudem die einzelnen Stromfresser im Haushalt erstaunlich gut.

Dennoch dürfte sich der Kauf des Geräts für viele nicht lohnen. Mit rund 200 Euro ist Smappee nicht gerade ein Schnäppchen. Zumal man ehrlicherweise die Elektrikerkosten für die Installation hinzurechnen muss. Wirklich Sinn macht Smappee daher nur für große Haushalte, mit vielen elektrischen Geräten. Denn bei hohem Verbrauch lässt sich auch besonders viel optimieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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