Smart Writing Set von Moleskine: So smart geht Schreiben heute

Smart Writing Set von Moleskine: So smart geht Schreiben heute

, aktualisiert 27. Juli 2016, 12:47 Uhr
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Ist das Geschriebene einmal im Rechner, lässt es sich in vielfältiger Weise umgestalten. (Foto: pr)

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Vom Papier direkt auf Smartphone oder Tablet: Mit seinem Smart Writing Set versucht der Notizbuchhersteller Moleskine, digitale und analoge Welt zusammenzuführen. Wie gut das gelingt, verrät unser Test.

Seit im alten China die ersten Lumpen zu Papier zusammengerührt wurden, hat der Zellstoff eine einzigartige Karriere als Speichermedium erlebt: In Sachen Haltbarkeit übertroffen nur von assyrischen Keilschrifttafeln, aber ungleich handlicher, können mit seiner Hilfe zum Beispiel Texte aus dem Mittelalter auch noch in dem Jahrhundert gelesen werden, das beinahe schon wieder vergessen hat, was eine Floppy Disk eigentlich war.

Doch das hier soll kein nostalgisches Preislied auf selige Gänsekiel-Zeiten werden, im Gegenteil: Das Smart Writing Set von Moleskine, dem Hersteller hochwertiger Notiz- und Skizzenbücher, ist vielmehr der Versuch, die Vorzüge des traditionellen Mediums Papier mit denen moderner Digitaltechnik zu vereinen. Für 229,- Euro bietet das Set ein spezielles Notizbuch, etwas marktschreierisch als „Paper Tablet“ angepriesen, und einen Stift mit eingebauter Kamera, mit dem sich das Notizbuch füllen lässt, während das Geschriebene gleichzeitig auf Tablet oder Smartphone erscheint. Wie gut diese Digitalisierung des Notizbuchs funktioniert, haben wir getestet.

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Der erste Eindruck: Alles schon gesehen. Der Stift des Smart Writing Set erinnert an den Smartpen Neo N2, das Paper Tablet mit seinem typischen Gummiband an die klassischen Moleskine-Notizbücher. Um eine Tablet-Anmutung zu ermöglichen, stehen die Seitenränder der einzelnen Blätter etwas über. Keine gute Idee, denn Papier hat bei allen unbestreitbaren Vorteilen die ungute Neigung, zu verschmutzen. Wie die noch hellen Ränder nach ausgiebigem Gebrauch des Büchleins und Reisen durch diverse Taschen aussehen werden, kann ich mir jetzt schon lebhaft vorstellen.

Das Papier der Seiten ist etwas grober, als man es von einem normalen Notizbuch gewöhnt ist. Zudem sind die Seiten mit einem Punktmuster überzogen. Es liefert das Raster für die Übertragung des Geschriebenen in den Computer. Beim Schreiben stört die Musterung aber nicht sonderlich – Punkt für das Smart Writing Set.

Der dreieckige Stift ist vergleichsweise schwer, liegt aber gut in der Hand. Seine Mine ist leicht austauschbar, wer will, kann also auch mit einer anderen als der schwarzen Standardfarbe schreiben. Unter der Spitze der Mine liegt die Kamera, die aufzeichnet, sobald der Stift in typischer Schreibhaltung über das Blatt geführt wird. Die Papiermusterung verrät der Kamera dabei, an welcher Stelle des Notizbuchs sie sich befindet. Springe ich im Buch von, sagen wir, Seite 2 zu Seite 9, wird das genauso in den Rechner übertragen – die dazwischenliegenden Seiten bleiben dann auch in der Digitalversion frei.


Bis zu 1000 Seiten speicherbar

Die Digitalisierung des Notizbuchs erfolgt über eine kostenlose App. Übertragen werden die Daten via Bluetooth:  Ist die App geöffnet, erscheint das Geschriebene praktisch ohne Zeitverzug auf dem Display von Tablet oder Smartphone. Natürlich lässt sich auch nachträglich noch übertragen, was mit dem Stift geschrieben wurde: Bis zu 1000 Seiten soll er dafür zwischenspeichern können – eine Maximalleistung, die in diesem Test nicht überprüft zu haben ich einräumen muss.

Aufgeladen wird das Schreibgerät über einen Mikro-USB-Anschluss – fünf Stunden Dauerschreiben mit einer Akkuladung sind drin, falls die Handgelenke durchhalten. Apropos Hand: Dass der smarte Stift uneingeschränkt auch für Linkshänder tauglich ist, hat ein entsprechend veranlagter, eigens für diesen Test verpflichteter Proband überprüft.

Ist das Geschriebene einmal im Rechner, lässt es sich in vielfältiger Weise umgestalten. Es kann gelöscht, verschoben oder eingefügt werden, farbliche Änderungen sind ebenso möglich wie das Versenden des Textes oder einzelner Abschnitte via Email.

Mittel digitaler Schrifterkennung lässt sich der handgeschriebene Text sogar in bearbeitbaren Computertext umwandeln. Das funktioniert umso besser, je regelmäßiger und lesbarer die ursprüngliche Handschrift ist. Es lohnt also, sich beim  Schreiben ein wenig an jenen Mönchen zu orientieren, die in mittelalterlichen Klöstern per Hand und in Schönschrift die Werke ihrer Zeit zu – ja, genau: Papier brachten.

Fazit: Wer handgeschriebene Notizen oder Zeichnungen ohne Zeitverlust digitalisieren möchte, ist mit dem Smart Writing Set gut bedient. Das Set offenbarte im Test keine wirklichen Schwächen, sieht man einmal vom ungewöhnlichen Zuschnitt der Notizbuchseiten ab. Hier wäre der Verzicht auf die Tablet-Anmutung wünschenswert. Auch der vergleichsweise hohe Preis dürfte einige Interessenten abschrecken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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