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Roboter: Befreite Maschinen

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Seit vergangenem Herbst arbeiten Mechaniker im Volkswagen-Motorenwerk Salzgitter mit einem mannshohen Roboterarm quasi Hand in Hand.

von Andreas Menn

Auch die Werkhallen erreicht eine neue Welle der Automatisierung.

Ein Roboter als Kollege, das klingt nach Science-Fiction. Im Volkswagen-Motorenwerk Salzgitter ist es Alltag: Seit vergangenem Herbst arbeiten hier Mechaniker mit einem mannshohen Roboterarm quasi Hand in Hand. Der metallene Helfer steckt Glühstiftkerzen in schwer zugängliche Bohrlöcher von Otto- und Dieselmotoren – der Mensch klebt die Stelle zu.

UR5, so der Name des schlauen Arms, darf Menschen so nahe kommen, weil er anderen Maschinen in einem wichtigen Punkt voraus ist: Er erkennt mithilfe von Sensoren, wenn ihm Wesen aus Fleisch und Blut in die Quere kommen und hält inne. Darum braucht der Roboter, anders als sonst, keinen Sicherheitszaun – und Kollege Mensch keine Schutzkleidung.

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Wie ein Kind

„Wir befreien Roboter aus ihren Käfigen“, verkündet Esben Østergaard, Mitgründer des dänischen UR5-Herstellers Universal Robots. 2.500-mal hat er den smarten Arm schon verkauft – auch, weil der mit 22.000 Euro weit weniger kostet als herkömmliche intelligente Maschinen. Neue Aufgaben lernt er wie ein Kind, indem ein Mensch ihn per Hand führt.

Preiswert, leicht bedienbar, handzahm: Mit diesen Vorzügen erobern neue Roboter wie der UR5 oder sein Kollege Baxter vom US-Hersteller Rethink Robotics derzeit die Werkhallen. Dank winziger Sensoren, drahtlosem Internet und intelligenter Software sind sie vielseitiger denn je.

Damit steht die Industrie vor einer neuen Welle der Automatisierung. Werkelt bisher jeder zweite Roboter in einer Autofabrik, wird die Technik nun zunehmend für Lebensmittelhersteller, die Pharmaindustrie oder den Maschinenbau interessant. Die Blechmänner stapeln Frischkäsepackungen, polieren Metallteile oder legen fertige Waren in Versandkartons.

Mit flexiblen, preiswerten Robotern können auch kleine Unternehmen Aufgaben automatisieren, die bisher Menschen erledigten – und ihnen damit oft monotone und ungesunde Arbeit abnehmen.

Das verschärft zugleich den Kampf um die Industriejobs. Bei noch mehr Investitionen als früher muss ein Top-Manager entscheiden, ob er die Produktion in ein Land mit billigen Arbeitskräften verlagert, mit der Belegschaft hierzulande weitermacht – oder automatisiert.

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