Smartphones auf dem MWC: Selfie-Wunder und viel Nostalgie

Smartphones auf dem MWC: Selfie-Wunder und viel Nostalgie

, aktualisiert 27. Februar 2017, 20:24 Uhr
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In Barcelona werden jede Menge neue Smartphones vorgestellt - darunter auch nostalgische Vertreter.

von Christof Kerkmann und Ina KarabaszQuelle:Handelsblatt Online

Auf dem Mobile World Congress überlässt Samsung bei den Smartphones der Konkurrenz die Bühne. Und während das Retro-Handy von Nokia viel Aufmerksamkeit findet, punkten andere Hersteller mit technischen Innovationen.

BarcelonaZumindest einen Hinweis hat Samsung gegeben: Das neue Galaxy S8 – oder wie auch immer das neue Spitzen-Smartphone heißen soll – wird Ende März vorgestellt. Ansonsten überließ der Marktführer beim Mobile World Congress (MWC) in Barcelona der Konkurrenz die Bühne. Die setzte auf Kameras, die Pickel retuschieren, ansteckbaren Assistenten und viel Nostalgie.

Nicht darüber reden, das war vermutlich keine Alternative. Also ging Samsung das Debakel um das Galaxy Note 7 offensiv an. Bei der Pressekonferenz in Barcelona zeigte der Konzern in einem Video, wie er seine Geräte testet – unter Wasser, bei Hitze, unter Druck. „Innovation ist unser Erbe, Qualität ist unsere Priorität“, stand am Ende auf der Leinwand. Die Botschaft: Wir passen auf, dass nie wieder Akkus explodieren.

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Ein neues Gerät, um die Vorfälle vergessen zu machen, hatte Samsung nicht dabei – das soll erst am 29. März in einer separaten Veranstaltung gezeigt werden. Der koreanische Konzern konzentrierte sich stattdessen auf das neue Tablet-Modell Galaxy Tab S3 und das Hybridgerät Galaxy Book, das mit seinem Zwölf-Zoll-Display und seiner ansteckbaren Tastatur das Notebook ersetzen soll.

„Der Markt verändert sich gerade, die Verbraucher nutzen Tablets heute anders als vor sechs oder sieben Jahren“, sagte Samsung-Manager Jean-Daniel Ayme dem Handelsblatt. Die Geräte seien nicht mehr „nice to have“, sondern seien täglich im Einsatz, häufig als Ersatz fürs Notebook – daher brauche es eine entsprechende Ausstattung. Der Konzern zielt damit auf ein Segment des Marktes, das noch wächst: Während der Tablet-Absatz sinkt, sind 2-in-1-Geräte äußerst gefragt.

Was ist im Selfie-Zeitalter das wichtigste an einem Telefon? Dass es gute Fotos macht. Deswegen rückte der chinesische Hardwarehersteller Huawei die Kamera in den Mittelpunkt der Präsentation der neuesten Smartphones, P10 und P10 Plus. Oder besser gesagt, die Kameras. Das Gerät hat drei davon, zwei auf der Rückseite und eine auf der Vorderseite, allesamt gestaltet von Leica.

Huawei wirbt mit neuen Möglichkeiten der „Porträtfotografie“, die die Menschen vor der Linse besser aussehen lassen. So soll ein Filter wie Make-up wirken und Schönheitsfehler ausgleichen. Die Doppelkamera auf der Geräterückseite soll ohne Qualitätsverluste zoomen. Wem die Nummer 3 im Smartphone-Markt damit die Kunden abspenstig machen will, zeigt der Preis: Das P10 kostet rund 600 Euro, das P10 Plus rund 750 Euro – damit zielt das Unternehmen auf das Premiumsegment, das Samsung und Apple dominieren.


Nostalgie-Handys sorgen für Furore

„Das neue Huawei-Flaggschiff ist ohne Zweifel ein großartiges Produkt“, urteilte Thomas Husson vom Marktforscher Forrester. Allerdings müsse das Unternehmen noch mehr tun, um das Vakuum zu füllen, das Samsung hinterlassen hat: „Huawei fehlt immer noch eine starke Marke, speziell im Westen.“ Technik allein helfe nicht dabei, diese aufzubauen.

Nostalgie lässt sich vermarkten. Das hoffen zumindest zwei Unternehmen, die mit klanghaften Marken ihren Erfolg suchen. Der chinesische Hersteller TCL hat die Lizenz für die Entwicklung und Fertigung von Blackberry gekauft – in Barcelona zeigt er das erste eigene Gerät Key One. Das hat in alter Tradition eine feste Tastatur, einen großen Akku und auf der Rückseite das Beerenlogo.

Das Unternehmen, das bereits Smartphones unter dem Namen von Alcatel vermarktet, zielt damit auf eine neue Zielgruppe: einerseits Firmenkunden, andererseits „professional consumers“, die die Geräte im Job wie auch in der Freizeit nutzen. „Blackberry ist der neue Herausforderer im Segment der Premium-Smartphones“, sagt Nicolas Zibell, Chef der Handysparte. Das schlägt sich auch im Preis nieder, den das Unternehmen mit 600 Euro ambitioniert ansetzt. „Es stellt sich die Frage, ob TCL damit eine Nische im Smartphone-Markt findet“, meint der Analyst Ben Wood von CCS Insight.

Auf Nostalgie setzt auch HMD, der Hersteller von Nokia-Handys. Das Unternehmen präsentiert am Sonntag eine neue Version des Nokia 3310 – also jenes berühmten Knochen, den Millionen von Menschen in den 1990er Jahren nutzten. „Es hat 22 Stunden Sprechzeit!“, ruft HMD-Chef Arto Nummela mit ironischer Begeisterung. „Und Snake!“ Also das Spiel, mit dem die Menschen die Zeit an der Bushaltestelle überbrückten, als es „Angry Birds“ und „Candy Crush“ noch nicht gab. Da rücken die neuen Android-Smartphones Nokia 3, 5 und 6 fast in den Hintergrund.

Das neue, alte Handy ist aber mehr als ein Witz. HMD hat nicht nur die Marke Nokia von dem finnischen Konzern lizensiert, sondern auch das Geschäft mit einfachen Handys von Microsoft übernommen. Daher verkauft es immer noch Millionen dieser sogenannten Feature Phones. Diese Kunden will HMD mit der Zeit davon überzeugen, auf Smartphones umzusteigen. Ein bisschen Nostalgie könnte dabei helfen. „Ich denke, das ist großartiges Marketing“, twitterte die Analystin Carolina Milanesi von Creative Strategies. „Ich wette, viele werden es sich fürs gute Gefühl kaufen.“


LG will neu durchstarten

Zurückblicken will LG Electronics dagegen nicht so gern. Der koreanische Konzern brachte im vergangenen Jahr mit dem G5 ein Smartphone auf den Markt, das sich durch Module erweitern ließ, etwa einem Kameragriff oder einem Zusatzakku. Doch dieses ambitionierte Konzept kam bei den meisten Käufern nicht an, das Unternehmen verließ es bald. Nun startet es noch einmal neu durch: Das G6 hat ein völlig überarbeitetes Design.

Das wohl wichtigste Verkaufsargument ist der Bildschirm: Der hebt es sich durch das ungewöhnliche 18:9-Seitenverhältnis ab. Das sei das perfekte Maß zwischen Smartphone- und Kinoformat, ließ das Unternehmen wissen. Und weil der Rand schmal ist, ist das Gerät mit 5,7-Zoll-Bildschirm immer noch handlich. Apropos Kino: Das Gerät beherrscht die Standards HDR und Dolby Vision, die für besonders kräftige Kontraste sorgen. Wenn man mal unterwegs einen Film guckt.

Während Beobachter bei der Vorstellung eines neuen iPhones oder eines Galaxy-Smartphones gespannt auf die Neuheiten blicken, ist es um die Geräte in unteren Preissegmenten deutlich ruhiger. Dabei wünschen sich laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom die meisten Smartphone-Nutzer vor allem eine Verbesserung der Akkulaufzeit und mehr Speicherplatz. Und eben diese Eigenschaften bewirbt Lenovo bei den neuen Smartphones Moto G5 und Moto G5 Plus.

In beide Modelle kann der Speicherplatz (16 GB und 32 GB) durch eine zusätzliche Karte erweitert werden und beim G5 Plus etwa gibt es dazu ein Ladegerät, mit dem der Akku mit nur 15 Minuten Ladezeit weitere sechs Stunden hält. Zusätzlich hat der Hersteller auch die Kamera verbessert. Dabei sind die Geräte mit rund 200 Euro für das Moto G5 und rund 280 Euro für das Moto G5 Plus nur rund halb so teuer, wie High-End-Geräte- Sie sollen ab dem Frühjahr zu haben sein.

Zudem entwickelt Lenovo das Moto Z weiter, als das Gerät mit ansteckbaren Erweiterungen. Amazon will einen „Mod“ entwickeln, mit dem das Gerät die digitale Assistentin Alexa nutzen kann. Neu sind auch ein zusätzlicher Akku und eine Ergänzung fürs kabellose Laden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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