_

Solarindustrie: Solarworld-Chef Asbeck warnt vor Massensterben

von Dieter Dürand

Der Chef des Bonner Solarunternehmens Solarworld, Frank Asbeck, warnt vor einem Massensterben in der deutschen Solarindustrie.

„Weltweit werden zehn Unternehmen überleben, in Deutschland zwei bis drei“, sagte Asbeck in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Der Grund: „Der Solarmarkt passt sich den Strukturen der Halbleiterindustrie an. Dort gibt es fünf Große und etwa 15 Kleinere.“

Anzeige

Zudem glaubt Asbeck, dass der deutsche Fotovoltaikmarkt im nächsten Jahr von sieben auf fünf Gigawatt neu installierter Leistung schrumpfen wird. „Das bedeut Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent im größten Markt der Welt“, sagte Asbeck. Ausscheiden würden diejenigen deutschen Unternehmen, „die mit Produktionskosten schlechter dastehen als die chinesischen Wettbewerber“.

Aus diesem Grund warnt Asbeck eindringlich vor einer weiteren Senkung der Solarsubventionen in Deutschland. „Es wäre dumm und destruktiv, den Erfolg der Fotovoltaik-Förderung so kurz vor dem Ziel durch übertriebene Kürzungen zunichte zu machen. Wir stehen mit dem Solarstrom kurz vor der Wirtschaftlichkeit. Diesen Durchbruch sollten wir nicht dem Zeitgeist opfern, nur weil einige Politiker der Öffentlichkeit einen Schuldigen für die Strompreiserhöhungen präsentieren möchten“, sagte Asbeck. „Die Alternative wäre, dass Deutschland wieder einmal eine Schlüsseltechnologie aus der Hand gibt. Das wäre töricht.“

Den Solarstrom selbst sieht Asbeck kurz vor dem Durchbruch: 2012 werde Solarstrom nicht mehr teurer sein als Haushaltsstrom. Spätestens 2016 soll es dann möglich sein, „den gesamten Strombedarf eines Hauses auf dem Dach zu produzieren. Zu Kosten von rund 17 Cent plus 8 Cent für die Speicherung. Mit 25 Cent je Kilowattstunde wird der Solarstrom dann unter den Tarifen für Haushaltsstrom liegen“, sagt Asbeck. „Spätestens 2020 braucht auch die Batterie keine Förderung mehr.“ Nur wenn der Markt im gleichen Rekordtempo wie 2010 wachse, sei er bereit, „mit der Regierung Mitte nächsten Jahres über eine zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung zu reden“.

29 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.03.2012, 20:37 UhrStephenKorth

    Eine Bilanz nach langer Zeit: Bewertungsmäßig sind die Solaraktien weiter aufgrund einer abstrusen Förder-Politik der Branche - erst auf Jahrzehnte per Strompreissubvention massivst fördern, dann überfordern und die einst mit viel Bürgergeld erschlossenen Märkte ausländischer, vor allem chines. Konkurrenz (anschubsubventioniert vom eigenen Staat wie deutschen Stromkunden!)weiter am Boden, doch alle Firmen existieren noch, inkl. Solon: Dort werden fast alle Arbeitsplätze, d.h. Kapazitäten erhalten, bedrängen o nun direkt weitere inländiche Hersteller, jedoch gehört die einst mit massiven Krediten gepäppelte Firma nun für Appel und Ei ausländischen Investoren, die Alteigentümer gehen dank unseren Behörden komplett leer aus: kalt per abgekarterter Pseudo-Insolvenz enteignet. Bei Q-Cells ist es nach der HV ganz ähnlich. Solarworld kämpft einsam gegen die vom eigenem wie unserem Staat auf Kosten der Stromkonsumenten gedopte chines. Konkurrenz, den man so nur verlieren kann. Nun denn, wer sollte sich da nich wundern, wenn es bei uns so wenige Aktionäre gibt! Auswandern aus diesem Land, das längst nicht mehr das unsere ist, vom Irrsinn dominiert wird und jede Initiative niederschmettert - ich kann jeden jungen Menschen verstehen, der diesem Traum folgt...
    PS: Ich habe anlagetechnisch längst auf die chines. Konkurrenz umgesattelt - ein Offenbarungseid, aber anders kann man sein Geld kaum retten.

  • 26.12.2010, 12:33 UhrOrakel

    @S. Korth:
    Offensichtlich lesen sie keine bilanzen der Unternehmen von denen sie Aktien halten , oder beherrschen die elementaren Grundrechenarten nicht. Sonst würden wie die akute insolvenzgefahr bei Q-Cells bei weitern Verlusten in der Größenordnung des vergangen Jahres erkennen. Die Aktie ist mittlerweile ein hochriskantes Zockerpapier mit dem Risiko des Totalverlusts geworden. Auch in der Rangliste der Produzenten von Solarzelle ist Q-Cells mittlerweile weit zurückgefallen, und hat kaum vom boom in Deutschland profitiert im Unterschied zur Konkurrenz aus Fernost. Deshalb wäre eine Übernahme durch Solarworld kartellrechtlich völlig unproblematisch. Solarworld dürfte dann aber selbst in akute Gefahr geraten , da die Verluste von Q-Cells zuletzt um ein vielfaches größer als der Gewinn von Solarworld waren. Es zeichnet sich immer mehr ab , dass die Aussichten die Produktion von Solarzellen mitllefristig in Deutschland zu halten etwa so groß sind wie bei der Produktion von Handy‘s und Mikroelektronik. Andres sieht es bei Zulieferern von Produktionsanlagen für die Solarfabriken, letztlich auch eine traditionelle deutsche Stärke im Anlagenbau, die auch nicht so leicht zu kopieren ist für Fernost

    ,

  • 14.12.2010, 17:08 UhrS. Korth

    Danke für das Lob. Andere beiträge finde ich auch interessant, obwohl es z.T. allzu agitatorisch klingt: dass Alsbeck als großer Grüner die FDP massiv sponsert z.b.: Vorausgesetzt, es stimmt. Aber solch politische Mutationen sind ja nicht selten.
    Der WiWo-Artikel ist jedenfalls sehr "tendenziös" und damit schon mehr als journalistisch unserös. Sollte sich Solarworld demnächst Teile der 3 in dieser Vorlage zum Abschuss freigegebenen Werte (ja, Firmen sind volkswirtschaftlich wertschöpfend, wären daher vor solch Gerüchtküche strafrechtlich zu schützen!) einverleiben, dann greift die bafin hoffentlich endlich ein! Ansonsten gab es das schon immer, dass die Großen ihre "Marktmacht" auf allen Ebenen benutzen, um kleinere Konkurrenten abschussreif zu machen. Die Rolle von HTW und WiWo als Feigenblätter ist daher viel schlimmer!

    PS: ich bin Aktionär in allen drei Werten, die ich erst kürzlich im alljährlichen Window Dressing billigst erwarb. Der Seismograf zeigte gerade an, dass der Sellout vorüber ist, da kommt solch Meldung. Normal hätte ich auf Leerverkäufer mit Unterdeckung als Auftraggeber und den Aktionär als scheinheiligen Ratgeber getippt. Aber der hat die Vorlage auch gleich zur "Todesliste" genutzt. Na ja, ich denke, in kurzer Zeit wird die Panikreaktion von interessierten Kreisen korrigiert -wahrscheinlich: die KEs waren zu massiv, als dass ein schnelles Ende drohen könnte. Mir tun nur die leid, die jetzt von jener erfasst wurden und so evtl. ruiniert werden.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Von Ada Lovelace bis Java & PHP: Die Geschichte der Programmiersprachen
Von Ada Lovelace bis Java & PHP: Die Geschichte der Programmiersprachen

Die interessantesten Zahlen und Fakten rund um die wichtigsten Computer-Programmiersprachen - und welche Webseiten sie...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.