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Soziale Netzwerke: Facebook bekommt neues Gesicht

von Sebastian Matthes

Das größte soziale Netzwerk der Welt will zu einem zentralen Archiv des Lebens werden. Dabei könnte Facebook zum wichtigsten Distributionskanal für Medien werden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg Quelle: dapd
Facebook-Chef Mark Zuckerberg zeigt einige neue Features des Netzwerks Facebook auf der f/8-Konferenz in San Francisco. Foto:Paul Sakuma/AP/dapd Quelle: dapd

Die Erwartungen waren groß. Das Social-Media-Blog Mashable  sprach schon Stunden vor der Präsentation auf der Facebook-Entwicklerkonferenz f8  von einer Neuerfindung des sozialen Internets. Gerüchte machten die Runde: Bringt Facebook einen Musikdienst heraus? Ein neues Layout? Gar eine ernstzunehmende Attacke gegen das Netzwerk Google Plus?  

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Mehr als das. Denn das soziale Netz erfindet sich neu.  

Was Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gestern Abend präsentierte, hat das Potenzial, den Medienkonsum von Millionen Menschen zu verändern. Und es hat Folgen für Inhalteanbieter in aller Welt.  

Zunächst wird Facebook zu einem Lifebook. Bislang verschwanden ältere Einträge, weil sie immer weiter nach unten durchrutschten. Damit ist es nun vorbei. Das bislang bekannte Profil wird zu einer Art multimedialem Tagebuch für die Ewigkeit, in dem die Aktivitäten, Fotos, Beiträge und Vorlieben jedes Nutzers festgehalten werden. Aber damit nicht genug. Mit neuen Programmen und Diensten soll das gesamte Leben der Facebook-Mitglieder in einer multimedial gestalteten Zeitleiste aufgereiht werden: Orte, an denen sie gewesen sind, Rezepte, die ihnen geschmeckt haben und Ereignisse, die sie geprägt haben. Diese Timeline genannte Funktion sei „ein neuer Weg, auszudrücken, wer man ist“, sagt Zuckerberg.  

Musik-Streaming auf Facebook

In der Netzgemeinde hört man viel Lob für den neuen Auftritt – doch bei einigen regt sich auch Unbehagen: „Was im echten Leben als Fotoalbum, Bilder-Ordner, Handy-Video und Papa´s Super 8-Filmen noch romantisch und nett ist, bekommt mit Timeline einen - zugegebenermaßen verlockenden, aber auch bedrückenden Touch“, schreibt das Blog Life Sounds Real  „Wie weit soll das gehen: Von der Wiege bis zu Bahre, alles geteilt bei Facebook? Und wie endet so eine Timeline im Sinne von Facebook bitte?“ 

Die wichtigste Innovation jedoch sind die neuen Programme, die Nutzer künftig in ihre Profile integrieren können. Schon heute lassen sich Spiele, Reisetagebücher und Schreibprogramme einbinden, was für Spielehersteller bereits ein Milliardengeschäft ist. Künftig aber sollen Nutzer einen großen Teil ihres Medienkonsums auf die Plattform verlagern.  

Neben Dutzenden anderen Medienunternehmen gehört zu den Partnern der ersten Stunde die Musik-Streamingseite Spotify. Das schwedische Startup hat ein ausgeklügeltes Facebook-Programm entwickelt: Hört ein Nutzer Lieder eines bestimmten Albums, bekommen seine Facebook-Kontakte das mitgeteilt. Sie können ebenfalls auf den Titel klicken und ihn direkt abspielen. Zudem veröffentlicht das Programm in der Timeline seines Nutzers musikalische Vorlieben und oft angehörte Titel.  

Ähnlich soll es in Apps für Filme, Nachrichten und Spiele laufen, für die Facebook ebenfalls zahlreiche Partner präsentierte, darunter die Streaming-Plattformen Netflix und Hulu: Auch diese Programme können die Aktivitäten des Nutzers - einmal freigeschaltet - automatisch in der Timeline veröffentlichen.  

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.09.2011, 13:35 UhrGrusel

    Finde das geplante Facebook-Auftreten beängstigend.
    beiträge werden alt, weil sie u.a. nicht mehr aktuell sind, oder, weil sie größtenteils auch keine Relevanz mehr zum aktuellen Geschehen haben. ich denke es ist nicht unbedingt gut seine alten beiträge gut sichtbar vor jedem auslegen zu können und noch dazu:
    Warum sollte jeder wissen, "welches Lied ich grade höre"?
    Wobei das ja noch in Ordnung ist, aber das plus was wir lesen etc. ...wir werden absolut einschätzbar, wenn jeder, dem wir Einblick auf unser Profil gestatten, genau weiß was wir wann wo machen.
    Wenn man das will, kann man es seinen Freunden doch auch selbst mitteilen!
    beängstigend, dass es (scheinbar) so Vorbehaltlos gefeiert wird.
    Zweifelsohne wird das "neue" Facebook wesentlich interessanter, vor allem unter Freunden, aber was hat mich sich auf der anderen Seite dann im "wahren Leben" noch zu sagen, wenn alles schon auf Facebook bis hin "zur Geburt" archiviert sein wird?
    in den Anfängen war Facebook noch ein ganz "normales" Netzwerk...

  • 23.09.2011, 12:34 UhrMoritz Berger

    Na dann haben wir bald nur noch ein (Facebook) Netz :-)

  • 23.09.2011, 11:32 UhrLeser

    Die unkritische Haltung, die Journalisten Facebook gegenüber haben, ist für mich unfassbar. Sind Sie eigentlich nicht in der Lage zu verstehen, was Fb mit seinen Nutzern macht? Wie Zuckerberg den Verlust jeder Privatheit und intimität vorantreibt. Fb wird Scientology 2.0 und fast alle Journalisten unterstützen in grandioser Naivität Zuckerbergs Geschäft.

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