Soziale Netzwerke: Facebook drosselt Informationsfluss

Soziale Netzwerke: Facebook drosselt Informationsfluss

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg

von Matthias Hohensee

Dosieren statt sprudeln: Facebook-Chef Mark Zuckerberg beugt sich Kritikern. Die mehr als 400 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks können künftig einfacher festlegen, was sie anderen preisgeben. Wenn sie dies überhaupt wünschen. Aus Palo Alto berichtet Matthias Hohensee.

Facebook-Hauptquartier, Palo Alto, am gestrigen Mittwoch. Mark Zuckerberg hat zur eilig einberaumten Pressekonferenz eingeladen. Es ist kurz nach 10.30 Uhr als der Gründer des sozialen Netzwerkes Facebook den zum Konferenzraum umfunktionierten Speisesaal betritt. Wie immer leger in schwarzem Kapuzenpulli, Jeans und Turnschuhen, in der rechten Hand den obligatorischen Softdrink haltend. Er wirkt etwas nervös. Es geht um Schadensbegrenzung.

Seit  Wochen brauen sich über dem 26-jährigen Vorstandschef von Facebook die Gewitterwolken zusammen. Das soziale Netzwerk steckt in der bislang schlimmsten Vertrauenskrise seiner Geschichte.

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Zumindest ist das der Eindruck von außen. Es hagelt Druck und Kritik aus aller Welt, weil das soziale Netzwerk zu leichtfertig mit der Privatsphäre seiner Nutzer umgehe. Immer mehr Informationen, die früher privat gewesen seien, mache Facebook inzwischen standardmässig öffentlich, um sich der Werbeindustrie anzudienen, rüffeln Kritiker. Zudem werde es für die Nutzer immer schwieriger, dies rückgängig zu machen. Nun ist das Faß übergelaufen.

"Es ging nie ums Geld"

Politiker aus Europa, Asien, Australien und – wesentlich gefährlicher – aus der US-Bundeshauptstadt Washington drohen mit Untersuchungsausschüssen und Auflagen. Facebook-Nutzer liebäugeln mit dem Ausstieg aus dem sozialen Netzwerk.

Kann man Facebook noch vertrauen? „Ja, wir haben Fehler gemacht“, leistet Zuckerberg Abbitte, „wir hätten in der Vergangenheit vieles mehr und vor allem besser erklären müssen.“ Und: „Es wurde klar, dass wir die Kontrollmöglichkeiten auf Facebook einfacher gestalten müssen.“

Deshalb stellt er sich nun persönlich der Presse. Nicht nur, um die in „langen Abenden und Wochenendschichten“ überarbeiteten neuen Funktionen zum besseren Schutz der Privatsphäre vorzustellen und zu erläutern. Sondern auch, um mit „Mißverständnissen über uns“ aufzuräumen, wie er bitter bemerkt. Zum Beispiel, dass Facebook nur ein trojanisches Pferd der Werbeindustrie sei, um die Interessen und Vorlieben seiner Nutzer auszuspionieren und maximal auszuschlachten.

„Wir geben keine Daten unserer Nutzer an Anzeigenkunden“, stellt Zuckerberg klar. „Sie kommen zu uns. Und wir entscheiden, wem wir auf Facebook ihre Werbung zeigen.“

Keine Frage: Zuckerberg fühlt sich gründlich mißverstanden und hadert damit. Alles was er schaffen wolle, so betont der jugendliche Unternehmer mehrfach, sei „ein Werkzeug, mit dessen Hilfe Menschen besser miteinander kommunizieren können.“ Ums Geld sei es ihm dabei nie gegangen. Sonst hätten er und seine Mitgründer ihre Schöpfung schon vor vier Jahren für eine Milliarde Dollar an Yahoo oder den US-Medienkonzern Viacom verkaufen und im zarten Alter von 22 Jahren ihren Reichtum genießen können. Statt dessen entschied sich Zuckerberg für den härteren und riskanteren Weg. Zwar ist der jüngste Milliardär der Welt dadurch auf dem Papier noch reicher geworden – sein persönlicher Anteil wird vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes auf vier Milliarden Dollar geschätzt – aber er hätte auch eine Menge verlieren können. So wie die Schöpfer des Konkurrenten Friendster, von denen kaum noch jemand spricht. 

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