Spieltheorie: Der Nostradamus der Neuzeit

Spieltheorie: Der Nostradamus der Neuzeit

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Bruce Bueno de Mesquita

Der Spieltheoretiker Bruce Bueno de Mesquita sagt mit Formeln politische und wirtschaftliche Ereignisse vorher. Regierungen und CIA glauben ihm und zahlen Abertausende Dollar für seinen Blick in die Kristallkugel.

Der Nostradamus des 21. Jahrhunderts trägt graue Turnschuhe und ein weinrotes Poloshirt. Er lässt seine Finger über die Tastatur eines Laptops sausen und hantiert zugleich mit Excel-Tabellen. Im Bücherregal steht das Standardwerk „The Globalization of World Politics“, die Wandtafel zieren mathematische Formeln. „Ich bin kein Zauberer“, sagt Bruce Bueno de Mesquita, ein grauhaariger Mann mit kantigem Schädel.

Die Zukunft voraussagen ist dennoch seine Spezialität, ob es um Revolutionen in totalitären Staaten geht oder um Firmenzusammenschlüsse: Seine Treffsicherheit liegt bei über 90 Prozent. Das bestätigt selbst der amerikanische Geheimdienst CIA, einer seiner Stammkunden. Bueno de Mesquitas Prognosen „trafen doppelt so oft den Nagel auf den Kopf wie unsere traditionellen Analysen“, heißt es in einem internen CIA-Bericht.

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Bueno de Mesquita ist Politikprofessor an der New York University und Senior Fellow am konservativen Hoover-Institut der Stanford University. Praktischerweise sagt er nicht nur voraus, was geschehen wird, sondern liefert zugleich Anhaltspunkte, wie man die Zukunft beeinflussen kann. Für seine Arbeit interessieren sich inzwischen nicht nur Regierungen in aller Welt, sondern selbst international agierende Konzerne.

Scheitern der Klimakonferenz prognostiziert

Tausende von Prognosen hat BBM, wie ihn Studenten nennen, im Laufe seiner Karriere schon getroffen. Viele sind in Aufsätzen und Büchern nachzulesen. Die Übernahme von Hongkong durch China etwa prophezeite er zwölf Jahre im Voraus, zu einem Zeitpunkt, als dies trotz vertraglicher Zusicherungen unsicher schien. Sein im vergangenen Herbst erschienenes Buch prognostiziert das Scheitern der Klimakonferenz Ende vergangenen Jahres.

Die Nachfolger des iranischen Ajatollah Khomeini (Rafsandschani und Khamenei) benannte er korrekt wie auch den sowjetischen Staats- und Parteichef nach Leonid Breschnew (Juri Andropow). 2009, auf dem Höhepunkt der Spekulation über einen möglichen Milliardendeal zwischen dem Kabelnetzbetreiber Comcast und NBC Universal, erklärte er, die Übernahme werde stattfinden. Und behielt recht. Wieder einmal.

Manche haben bitter bereut, seinen Rat nicht eingeholt zu haben. Zur Jahrtausendwende arbeitete BBM für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen und bot dem Unternehmen eine Voraussage über die Betrugsanfälligkeit ihrer Klienten an. Andersen lehnte ab. Ein Jahr später brach der Energiekonzern Enron infolge eines der größten Bilanzfälschungsskandale der Geschichte zusammen. Die Affäre riss die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit sich – Andersen ging unter. In Deutschland fusionierte der größte Teil der Andersen-Landesgesellschaft mit dem Wettbewerber Ernst & Young.

Am Anfang steht die Frage

Bueno de Mesquita triumphierte. Mit einer Ex-Post-Analyse wies er nach, dass er auf die Gefahr frühzeitig hätte aufmerksam machen können. Er fütterte sein Computermodell mit Unternehmensdaten von 1989 bis 1996, die er auch damals zugrunde gelegt hätte. Enron kam in die höchste Risikoklasse.

Bueno de Mesquitas Methode beruht auf der Spieltheorie. Sie arbeitet mit Modellen, in denen Menschen auf der Basis ihrer eigenen Präferenzen rationale Entscheidungen treffen. Das macht ihr Handeln kalkulierbar. „Eine sehr genaue, situationsspezifische Analyse erlaubt tatsächlich überraschend akkurate Verhaltensprognosen“, bestätigt Axel Ockenfels, Ökonomieprofessor an der Universität zu Köln und selbst Spieltheoretiker.

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