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Spionage: Amerika liest mit

von Thomas Stölzel

Google, Apple & Co. geraten immer wieder in Kritik, weil sie Nutzerdaten horten. Dabei sind die größten Datensammler amerikanische Geheimdienste, die mit immer neuen Technologien Milliarden Mails, Kurznachrichten und Web-Telefonate auswerten.

Spion Quelle: fotolia.de
Spion Quelle: fotolia.de

Es ist zehn Tage vor Heiligabend, als im Hauptquartier des Kurznachrichtendienstes Twitter in San Francisco ein geheimes Schreiben der US-Regierung eingeht – ein sogenannter Nationaler Sicherheitsbrief. Die Behörden fordern das Internet-Startup darin auf, die Daten einer Handvoll prominenter Nutzer auszuhändigen. Darunter die von Wikileaks-Gründer Julian Assange, der seit der Veröffentlichung geheimer Regierungsunterlagen über Nacht zum Staatsfeind Amerikas avancierte.

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Die US-Regierung will nicht nur die Namen derer wissen, die regelmäßig Twitter-Nachrichten von Wikileaks verfolgen – aktuell sind das mehr als eine Million Menschen. Twitter soll auch offenlegen, wem Wikileaks-Mitglieder vertrauliche Direktnachrichten schicken.

Spionage im Namen der Terrorabwehr

Eine richterliche Anordnung brauchen die Beamten dafür nicht, das Schreiben reicht. Und der Empfänger darf noch nicht einmal darüber sprechen: Eine Geheimhaltungsklausel verpflichtet ihn zur Verschwiegenheit. Abertausende Briefe verschicken die Bundespolizei FBI und die Geheimdienste Jahr für Jahr. Abertausende Mal händigten Unternehmen die Daten widerstandslos aus. Twitter nicht. Das Unternehmen zieht gegen die Schweige-Klausel vor Gericht und bekommt recht.

Die Briefe aber, die Unternehmen zur Herausgabe der Daten zwingen, sind nur ein kleiner Baustein in einem groß angelegten Plan, das gesamte Internet zu belauschen. Mit immer neuen Techniken und Analyseverfahren überwachen die USA im Namen der Terrorbekämpfung und Spionageabwehr den Rest der Welt – so lückenlos wie nie zuvor: E-Mails, Web-Telefonate und Online-Datenspeicher, nichts ist sicher vor den Augen Amerikas.

Cloud Computing beschert den US-Behörden europäische Daten

Gerade erst verlängerte US-Präsident Barack Obama zu diesem Zweck das umstrittene Spionagegesetz Patriot Act um weitere vier Jahre. Ein Gesetz, dass den US-Geheimdiensten weitreichende Überwachungskompetenzen zusichert. Das bereitet IT-Verantwortlichen in Europa Kopfschmerzen. Denn zeitgleich verlagern immer mehr Unternehmen Daten und Software ins Internet.

Dieses sogenannte Cloud Computing ist oft billiger, weil Firmen dadurch weniger eigene Server im Keller unterhalten müssen. Laut den Marktforschern von Forrester steigt der weltweite Umsatz mit solchen Diensten von jährlich 41 Milliarden Dollar bis 2020 auf 241 Milliarden Dollar.

37 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2011, 21:46 UhrAnonymer Benutzer: Jan

    Guter Artikel und manch gutes Kommentar. Was mich interessieren würde: warum kommt keiner auf die idee ein Rechenzentrum in einem Land aufzumachen, das juristisch wenige/keine Hebel besitzt, Daten offenzulegen? Gibt's irgendwelche legalen beschränkungen der Nutzung dann?

  • 15.08.2011, 00:53 UhrAnonymer Benutzer: Leser

    ich fand den Artikel sehr informativ. Danke.

  • 12.08.2011, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: azaziel

    @ Thomas Stoelzel - Ja, ihr Artikel ist sehr gut! Ueber Echelon siehe Duncan Campbell, 25.07.2000, bei Heise Verlag, http://www.heise.de/tp/artikel/6/6929/1.html

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