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Spitzenforscher: Wie Deutschland die besten Köpfe halten kann

von Noch Fragen? dieter.duerand@wiwo.de

Spitzenforscher werden weltweit umworben wie nie zuvor. Prominente Heimkehrer verraten, wie Deutschland die besten Köpfe halten oder zurückholen kann.

Laura Baudis forscht nach etwas, das noch kein Mensch zu Gesicht bekommen hat, obwohl es im Universum nach den Vorstellungen der modernen Physik massenhaft vorkommt: Dunkle Materie. Eine Theorie besagt, dass sie aus schweren Teilchen besteht, die während des Urknalls entstanden. Die Grundbausteine des Alls, im Fachjargon WIMPs genannt (Weakly Interacting Massive Particles), treten mit ihrer Umgebung trotz ihrer enormen Masse jedoch so selten in Wechselwirkung, dass bis heute ein handfester Beweis für ihre Existenz fehlt. Baudis will ihn liefern. „In den nächsten zehn Jahren sollte es gelingen“, ist die Astrophysikerin optimistisch. Die Kenntnis der genauen Beschaffenheit der Dunklen Materie würde viele Rätsel über die Entstehung der Welt lösen helfen – und der internationalen Forschergruppe um Baudis viel Ruhm einbringen, wahrscheinlich sogar den Nobelpreis. Bis April vergangenen Jahres jagte die Professorin den Teilchen an der Universität von Florida hinterher. Dann gelang es der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, die 37-Jährige abzuwerben. Seither baut sie die Detektoren, mit denen die geheimnisvollen Teilchen in einem Stollen unter 1400 Meter dickem Fels in den italienischen Abruzzen eingefangen werden sollen, in Deutschland. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Spitzenforscher aus den USA nach Deutschland zurückkehrt. Viel öfter geht die Reise in die entgegengesetzte Richtung. Nach einer Übersicht des Institute of International Education forschten 2004 mehr als 5000 deutsche Nachwuchswissenschaftler an amerikanischen Universitäten und Instituten – neuere Zahlen liegen nicht vor. Knapp über die Hälfte der hiesigen Hochschullehrer befürchtet nach einer aktuellen Umfrage des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), dass die Abwanderung noch zunehmen wird. Gerade erst hat der Top-Ökonom Harald Uhlig seinen Wechsel an die renommierte Universität von Chicago bekannt gegeben. Die Berliner Humboldt-Universität verliert damit einen ihrer profiliertesten und forschungsstärksten Volkswirte.

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Doch der Flucht von Forschern ins Ausland steht neuerdings eine wachsende Anzahl von Heimkehrern gegenüber. Die Kür von Eliteunis, Anreizprogramme für Top-Leute und Reformen, die die Karrierechancen von Jungakademikern verbessern sollen, haben das deutsche Wissenschaftssystem wieder attraktiver gemacht. „Wir brauchen uns international nicht zu verstecken“, findet der neue Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner. „Stimmen die Voraussetzungen, ist die Bereitschaft zur Rückkehr groß, das zeigen unsere Befragungen von Auslandsstipendiaten.“ Teilchenforscherin Baudis überzeugten die Aachener mit dem Angebot einer Voll-Professur, vier Stellen für ihre Forschungsgruppe und einer kräftigen Anschubfinanzierung für die Laborausstattung, etwa zur Hälfte aus Mitteln der Volkswagen-Stiftung finanziert. „Bessere Forschungsbedingungen hätte ich in den USA auch nicht angetroffen.“ Darüber hinaus besorgte die Uni-Leitung ihrem Ehemann, einem auf genetische Krebsforschung spezialisierten Mediziner, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Aachener Klinikum. In Florida hatte er allerdings eine Professur inne. „Solche Offerten für den Lebenspartner sind in den Vereinigten Staaten üblich“, berichtet Baudis. Derart umworben fiel ihr die Entscheidung nicht mehr schwer: „Wir fühlen uns der europäischen Kultur sehr verbunden und wollten gerne, dass unsere beiden Kinder hier zur Schule gehen.“ So treibt nach Erkenntnissen der German Scholars Organisation (GSO), in der sich rund 2000 deutsche Nachwuchswissenschaftler organisiert haben, denn auch nicht eine nachlassende Qualität der Forschung die Gelehrten außer Land. „Man muss nicht in die USA gehen, um Spitzenforschung zu betreiben und internationales Renommee zu gewinnen“, sagt GSO-Präsident Eicke Weber. Vielmehr fördern ein eklatanter Stellenmangel, fehlende Karriereaussichten und verkrustete Strukturen den Exodus. US-Universitäten geben befähigten Forschern im Anschluss an die Promotion die Chance, ihr Können als „Assistant Professor“ zu beweisen. „Da kann man schon mit 27 Jahren sein eigener Chef sein“, schwärmt Weber. Die Jungprofessoren erhalten dabei weitgehend freie Hand in Lehre und Forschung. Bewähren sie sich, können sie zum festangestellten Associated oder Full Professor aufsteigen. Die Auswahl sei zwar knallhart, hänge aber, so Weber, allein von der Leistung ab. „Das macht das Verfahren fair und transparent.“

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