Stammzellen: Das nachwachsende Ersatzteillager

Stammzellen: Das nachwachsende Ersatzteillager

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Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum der Universität Leipzig schaut durch ein 6-Wellplatten-Gefäß

Stammzellen sind die medizinische Wunderwaffen der Zukunft. Sie sollen Arthrose, Diabetes oder Krebs heilen und Nerven, Organe und sogar Zähne nachwachsen lassen. Einige Therapien stehen kurz vor dem Durchbruch.

Nachwachsende Zähne – wer träumt nicht davon, während sich der Zahnarztstuhl nach hinten neigt, der Bohrer kreischt und der Arzt mit schwerem Gerät eine entzündete Zahnwurzel aus dem Kiefer bohrt oder gar Zahnimplantate installiert. Bislang waren Zähne – einmal schwer von Karies befallen – kaum noch zu retten. Doch das können Patienten künftig gelassener nehmen: Der japanische Wissenschaftler Takashi Tsuji von der Tokyo University of Science hat erstmals einen vollständigen Zahn gezüchtet.

Gelungen ist das dem Wissenschaftler mithilfe von Stammzellen – denjenigen Zellen, die für die Neubildung von Organen, Blut- und Immunzellen und die Reparatur von Hautverletzungen zuständig sind. Tsuji zog in einem Laborschälchen aus einer solchen Zelle eine sogenannte Zahnknospe heran. Die wurde in den Kiefer einer erwachsenen Maus verpflanzt, wo sie zu einem normalen Zahn heranwuchs. Das war freilich nur ein Zwischenschritt. Schon in wenigen Jahren, so glaubt Tsuji, werde das auch bei Menschen möglich sein.

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Dabei sind nachwachsende Zähne in der Natur nicht ungewöhnlich. Haie etwa haben ein sogenanntes Revolvergebiss, das aus mehreren Zahnreihen hintereinander besteht. Verlieren sie einen Zahn, klappt ein Zahn aus der zweiten Reihe nach. Beim Menschen ist eine wirkliche Regeneration allenfalls bei Hautverletzungen und Knochenbrüchen vorgesehen – nicht aber bei Verschleiß von Zähnen, Gelenken, Wirbeln, Hornhäuten oder dem Herzen. Die Folge sind die altbekannten Zivilisationskrankheiten Arthrose, Herzinfarkt und Bandscheibenprobleme .

Medizin des 21. Jahrhunderts

Bei all diesen Krankheiten hoffen Ärzte und Patienten auf Stammzellen: Sie sind der Schlüssel, um das biologische Programm des Wachstums zu starten. Forscher entdecken gerade, wie diese Zellen Gelenke wieder instand setzen können, zerstörte Nervenbahnen wieder aufbauen und Parkinson, Alzheimer oder Krebs heilen können. „Es ist die Vision einer neuen Medizin des 21. Jahrhunderts“, sagt der Rostocker Stammzellforscher und Herzchirurg Gustav Steinhoff.

Vor etwa zehn Jahren schien all das nur mit den ethisch umstrittenen Stammzellen aus abgetriebenen Embryonen möglich. Doch inzwischen haben Forscher auch die Potenziale der sogenannten adulten Stammzellen erkannt, die im Körper von Erwachsenen schlummern. Etwa im Knochenmark, in der Leber, der Haut oder im Gehirn. Sogar in frisch ausgefallenen Milchzähnen und Weisheitszähnen, die aus dem Kiefer operiert werden, finden sich die heilsamen Zellen.

Einige der innovativen Stammzelltherapien haben das Stadium von Tierversuchen längst verlassen. Sie sind 100-fach am Menschen erprobt und stehen kurz vor dem weltweiten medizinischen Durchbruch. Einer der Pioniere in der neuen Heilkunst ist der Rostocker Herzchirurg Steinhoff.

Seit Jahren erprobt der Direktor der Rostocker Universitätsklinik für Herzchirurgie ein neues Verfahren, um geschädigte Herzen wieder auf Touren zu bringen: Er spritzt Stammzellen in die kraftlosen Muskelbereiche, die nach einem Herzinfarkt absterben. Gut 300 000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen solchen Durchblutungskollaps, bei dem ein Blutgerinnsel eine der großen Adern, die das Herz versorgen, verstopft. Bei über 60 000 der Betroffenen endet solch ein Infarkt sofort tödlich, sagt Steinhoff.

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