Stammzellenforschung: Embryologe Stojkovic: Mercedes-Fahrer wollen auch lieber Original

Stammzellenforschung: Embryologe Stojkovic: Mercedes-Fahrer wollen auch lieber Original

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Der Embryologe Miodrag Stojkovic

Der weltweit führende Stammzellforscher Miodrag Stojkovic, der gerade in Spanien die staatliche Genehmigung zum Klonen erhielt, steht den sogenannten IPS-Zellen (von einer japanisch-amerikanischen Forschergruppe aus Hautzellen eines Erwachsenen umfunktionierte Stammzellen) kritisch gegenüber.

„Die Begeisterung für die IPS-Zellen gibt es fast ausschließlich in Deutschland. Und dort wird sie nicht von Wissenschaftlern getragen, sondern kommt vor allem aus religiös-kritischen Kreisen. Das ist ein deutsches Phänomen.“ Es müsse sich erst herausstellen, so Stojkovic im Interview mit der WirtschaftsWoche, „ob diese künstlich verjüngten Zellen tatsächlich dasselbe Potenzial wie die echten embryonalen Stammzellen haben und sich in alle über 200 Zell- und Gewebetypen des Menschen verwandeln können.“

Ob IPS-Zellen dabei zu Krebszellen entarten, sei genauso wenig auszuschließen wie bei embryonalen Stammzellen. Es scheine sogar wahrscheinlicher zu sein. Laut Stojkovic macht das technische Verfahren, mit dem diese Zellen zu Stammzellen zurückprogrammiert wurden, sie für jeglichen späteren Einsatz beim Menschen untauglich. Stojkovic: „Mich verwundert die Begeisterung in Deutschland: Dort ist jede gentechnische Veränderung in Lebensmitteln verpönt. Doch genmanipulierte Stammzellen sollen nun die Rettung sein.“ „Warum wir viel Zeit aufwenden, um eine teure und möglicherweise nur halb so gute Kopie des Originals zu schaffen, mit dem ich seit Jahren arbeite“, kann er nicht einsehen. „Mercedes-Fahrer wollen ja auch lieber das Original haben und nicht ein teures Abziehbild namens Lexus.“

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Stojkovic lebte und arbeitete von 1991 bis 2003 in Deutschland, bis der Deutsche Bundestag ein sehr weitreichendes Klonverbot beschloss (in Deutschland darf nur an enbryonalen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 außerhalb Deutschlands gewonnen wurden). Dann ging er nach Großbritannien und 2006 nach Spanien. Dort leitet er das Labor für Zell-Reprogrammierung im Centro de Investigación Príncipe Felipe (CIPF), dessen  stellvertretender Leiter er ist. In diesen Tagen erhielt er die staatliche Genehmigung zum Klonen. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Stojkovic trotz anstehender Gesetzesänderung hierzulande vorerst aus: „Selbst wenn der Stichtag jetzt fallen sollte, bleibt das deutsche Klonverbot noch bestehen. Neue Stammzelllinien in Deutschland herzustellen wäre weiterhin unmöglich. Und ich sehe auch keinerlei Anzeichen dafür, dass sich das so schnell ändern könnte.“

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