Stammzellforschung: Forscher können aufatmen

Stammzellforschung: Forscher können aufatmen

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Ein Wissenschaftler zeigt am 13. März 2007 einen Behaelter mit Stammzellen in einem Labor der Universitaet von Georgia in Athens, USA. Der Bundestag debattiert am Freitag, 11. April 2008, ueber die Zukunft der embryonalen Stammzellforschung in Deutschland.

Nach einer erneuten sehr kontroversen zweistündigen Debatte haben die Bundtagsabgeordneten heute entschieden, wie es in Deutschland mit der Stammzellforschung weitergeht: Die Mehrheit – 346 von 580 Abgeordneten – stimmte dafür, den so genannten Stichtag einmalig zu verschieben. In Zukunft dürfen deutsche Forscher also mit embryonalen Stammzellen arbeiten, die vor dem 1.Mai 2007 – und nicht wie bisher vor dem 1.1.2002 – im Ausland gewonnen wurden. Die gute Nachricht daran: Für den Moment können deutsche Forscher aufatmen, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Susanne Kutter.

Die Forscher machen sich nicht mehr strafbar, wenn sie im Ausland mit Zellen arbeiten, deren Import nach Deutschland verboten wäre. 

Damit sind die Forscher in Deutschland wieder halbwegs up to date und können im internationalen Wettbewerb der Wissenschaftler mithalten. Mit den Zellen, die ihnen bisher gestattet waren, konnten sie das nicht leisten: Die älteren Zelllinien waren verunreinigt, genetisch degeneriert und deshalb für die Entwicklung von Therapien für Menschen völlig untauglich. Kaum ein Forscher außerhalb Deutschlands arbeitet noch mit ihnen. Der Effekt: Deutsche Forscher konnten sich an europäischen oder internationalen Forschungsprojekten kaum noch beteiligen.

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Dieses Problem ist erst einmal behoben. Dauerhaft gelöst ist es damit aber nicht.

Das hatten einige Parlamentarier auch erkannt – und entsprechend anders lautende Anträge gestellt. Etwa die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach und CDU-Politiker Peter Hintze, die sich für eine Abschaffung des Stichtags und weitgehende Liberalisierung der Forschung mit embryonalen Stammzellen aussprachen. „Wollen wir es ein bisschen richtig oder ganz richtig machen?“ hatte Hintze heute morgen in die Runde gefragt. Doch der Antrag erhielt nur 126 Ja-Stimmen.

Herausgekommen ist eine Lösung mit begrenzter Haltbarkeit. Diejenigen, die ein generelles Verbot der embryonalen Stammzellforschung in Deutschland beantragt hatten (118 Ja-Stimmen), werden so vermutlich recht behalten. „Einmal verschieben heißt jedes Mal verschieben“, formulierte es die CDU-Abgeordnete Hildegard Müller. In wenigen Jahren werden die Forscher vermutlich wieder vor dem selben Problem stehen.

Schade eigentlich, dass die Idee, eine Art nachschleppenden Stichtag zu installieren, im Laufe der fast einjährigen Diskussion zur Gesetzesänderung in Vergessenheit geraten ist. Er hätte sichergestellt, dass die Forscher immer nur solche Zelllinien benutzen dürfen, die schon ein halbe oder ganzes Jahr alt sind. Der Stichtag selbst hätte sich damit quasi laufend aktualisiert. Doch die ursprünglichen Verfechter dieser Idee hatten aufs Ganze gesetzt: Auf die konsequente Abschaffung des Stichtags. Leider war dieser forschungsoffene Ansatz im deutschen Bundestag nicht mehrheitsfähig.

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