Star Wars für die Datenbrille: Mein Wohnzimmer-Duell mit Darth Vader

Star Wars für die Datenbrille: Mein Wohnzimmer-Duell mit Darth Vader

, aktualisiert 01. September 2017, 13:42 Uhr
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Der Autor im virtuellen Lichtschwert-Kampf. (Foto: ck/tt)

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Ein Computerspiel holt Darth Vader und die Jedi ins eigene Wohnzimmer. Spieler sehen die Figuren durch eine Datenbrille – und schwingen, nun ja, eine Art Laserschwert. Wir haben mitgeschwungen.

Kylo Ren geht in die Offensive. Als er mit seinem Laserschwert auf mich eindrischt, weiche ich einen Schritt zurück. Gut, dass niemand hinter mir steht. Erst blockiere ich seinen Hieb, dann kontere ich. Der Ritter der Ersten Ordnung lässt einen Moment von mir ab. Wer sagt, dass Tennistraining nicht für Laserschwertduelle hilfreich ist?

Das Spiel „Star Wars: Jedi Challenges“ holt Figuren aus der berühmten Filmreihe ins Wohnzimmer. Und zwar nicht auf den Fernseher: Der Spieler trägt eine Datenbrille, die die Szene in das Sichtfeld einblendet.

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Und er hat ein Steuerungsgerät in der Hand, das den Waffen der Jedi nachempfunden ist und an der Spitze blau leuchtet – durch die Brille ist der Lichtschweif zu sehen. Der virtuelle Kampf mit dem Bösewicht wird also mit realen Bewegungen geführt. Möge die Macht mit der Dekoration sein!

Das Filmstudio Disney, Eigentümer der „Star Wars“-Marke, hat das Spiel gemeinsam mit dem Hardwarehersteller Lenovo entwickelt. Donnerstagabend feiert es auf der Elektronikmesse IFA in Berlin Premiere, Besucher konnten einzelne Szenen testen. Das Konzept zeigt die Möglichkeiten, die Augmented Reality bietet – so nennen Experten die Technologie, die zum Einsatz kommt. Für Lenovo ist es mehr als eine Spielerei: Der Konzern will sich in einem Zukunftsmarkt positionieren.

Für 300 Euro wird man zum Jedi

Wer in die Rolle eines Jedi-Ritters schlüpfen will, muss 300 Euro investieren. So viel kostet das Paket, das Lenovo vermarktet. Es enthält eine Augmented-Reality-Brille, das Lichtschwert sowie einen Peilsender zur Positionserkennung. Notwendig ist außerdem ein Smartphone, das ist das Gestell vor den Augen geschoben wird – die Bilder von dessen Bildschirm werden über einen Spiegel ins Sichtfeld eingeblendet. So sieht man beides, die reale Umgebung und die virtuellen Figuren.

Der avisierte Preis sei in vielen Haushalten im Budget für Weihnachtsgeschenke realistisch, sagte Stefan Engel, Chef von Lenovo Zentraleuropa, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Zeitpunkt ist fürs Unternehmen günstig, nicht nur wegen der Feiertage: Im Dezember bringt Disney den neuen „Star Wars“-Film „Der letzte Jedi“ weltweit in die Kinos, vermutlich begleitet von einer riesigen Werbekampagne. Vom zu erwartenden Hype wird das Spiel profitieren.

Es dürfte nicht bei diesem Titel bleiben: Lenovo und Disney hätten eine langfristige Partnerschaft geschlossen, sagte Engel. „Es wird hier noch mehr geben“, ließ der Manager durchblicken, auch wenn er keine Details nennen wollte. Partner Disney produziert etliche Filmserien, die sich für so ein Spielkonzept eignen, etwa mit den Marvel-Superhelden Spiderman und Captain America.


Die Macht im Wohnzimmer

Die Brille ist jedoch nicht auf das „Star Wars“-Spiel beschränkt. Sie ist mit dem „Daydream“-System von Google kompatibel. Nutzer können darauf also Virtual-Reality-Anwendungen nutzen. Dazu zählen Spiele, aber beispielsweise auch Ausflüge in virtuelle Umgebungen. So gibt es etliche Apps, die Zuschauer zu Urlaubsdestinationen, in die Tiefsee oder in ein Flugzeug mitnehmen. Auch eigene Fotos können Nutzer darauf anschauen: Auf der IFA sind zahlreiche 360-Grad-Kameras zu sehen.

Für Lenovo ist die „Star Wars“-Adaption ein Experiment, allerdings eines, das ein wichtiges Signal sendet. „Wir wollen mit dem Spiel zeigen, dass Lenovo nicht nur Rechner und Server herstellt, sondern auch im Bereich Augmented und Virtual Reality sehr aktiv ist“, sagt Lenovo-Manager Engel. „Der Markt öffnet sich gerade, es geht darum, sich Kompetenz zu erarbeiten.“ Denn Datenbrillen seien eine wichtige Plattform.

Nicht nur für Spiele: „Wir glauben, dass Augmented Reality im geschäftlichen Umfeld viel verändern wird“, sagte Engel. Erste Anwendungen zeigten das Potenzial – so gibt es Reparaturanleitungen, die Monteure bei der Arbeit direkt ins Auge gespielt bekommen. Oder Apps, die zeigen, wie Möbel aus dem Katalog in der eigenen Wohnung aussehen. Auch in Lagerhallen und Fabriken kommen diese Anwendungen teilweise zum Einsatz.

Diesen Trend haben zahlreiche Unternehmen erkannt. Microsoft hat mit der Hololens eine Brille für professionelle Zwecke entwickelt. Die Szene blickt zudem gespannt aufs geheimnisvolle Start-up Magicleap, das mit spektakulären Demos und 1,4 Milliarden Dollar Risikokapital auf sich aufmerksam macht. Auch Apple soll an so einem tragbaren Computer arbeiten.

Bisher sind allerdings nur wenige Modelle frei verfügbar, die zudem viel kosten – unter 1000 Euro sind sie kaum zu haben. Das erklärt, warum die verschiedenen Hersteller nach einer Erhebung des Marktforschers IDC 2016 lediglich 160.000 Geräte verkauft haben. Die größte Chance biete sich im kommerziellen Bereich, schreiben die Experten. Modelle wie das von Lenovo, die im Zusammenspiel mit dem Smartphone funktionieren, könnten der Technologie zum Durchbruch im Massenmarkt verhelfen.

„Lenovo ist stark im Geschäft mit Großunternehmen, da sehen wir großes Potenzial“, umreißt der Lenovo-Manager die Ambitionen. Für sein Unternehmen liegt die Macht nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch in der Fabrik.

Quelle:  Handelsblatt Online
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