Staudamm-Projekt: Wie Mont Saint-Michel wieder zur Insel wird

Staudamm-Projekt: Wie Mont Saint-Michel wieder zur Insel wird

Mithilfe eines raffiniert angelegten Staudamms soll das Weltkulturerbe Mont Saint-Michel an der Küste der Normandie wieder zu einer Insel werden.

Wie eine Trutzburg ragt der gewaltige Granitblock aus den Sandmassen hervor. Auf seiner Spitze thront die riesige Kirche eines der bekanntesten Benediktinerkloster der Welt – das „Wunder des Abendlandes“ wird diese felsige Insel in einer weitläufigen Bucht in der Normandie bezeichnet, wegen ihrer außergewöhnlichen Lage, ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte und der Schönheit ihrer Architektur.

In der Dämmerung ist das Bild des Mont-Saint-Michel besonders beeindruckend, vor allem, wenn bei Flut Wellen um das Eiland spülen. Doch das ist nur noch selten zu beobachten. Die 1300 Jahre alte Wallfahrtsstätte ist fast vollständig mit dem Festland zusammengewachsen. Der Bau eines Straßendamms im 19. Jahrhundert und die Kanalisierung des Flüsschens Couesnon, der in die Bucht mündet, haben dafür gesorgt. Beide Eingriffe haben die natürlichen Strömungsverhältnisse in der Bucht so verändert, dass angespülter Sand von der Strömung nicht mehr abgetragen werden kann und sich vor der Insel ablagert.

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Schon vor Jahren haben Politiker beschlossen, den Mont-Saint-Michel wieder in eine Insel zu verwandeln. Schließlich gehört der Berg mit dem Themenpark Euro-Disney, dem Eiffelturm und dem Louvre zu den Top-Touristenzielen des Landes: Mehr als drei Millionen Menschen besuchen das Wahrzeichen jedes Jahr.

Der wichtigste Baustein des 164 Millionen Euro teuren, von der EU mitfinanzierten Großprojekts, steht nun kurz vor seiner Vollendung: ein raffiniert angelegter Staudamm. Ein „einzigartiges Projekt“ sei das Bauwerk, sagt der Architekt Luc Weizman, „ohne Beispiel“.

Zwischentitel

Der Staudamm soll helfen, natürlich ablaufende Strömungsprozesse in der Bucht wiederherzustellen, ohne das Landschaftsbild zu verunstalten. Mithilfe des Staudamms wollen die Ingenieure auch den kanalisierten Fluss Couesnon wieder in seinen ursprünglichen Verlauf bringen. Ziel ist, dass der Sand, den der Fluss mitführt und der sich bisher vor der Insel ablagerte, besser in der Bucht verteilt wird.

Bei Flut werden die Schleusentore geöffnet. Das Meerwasser kann so in das Flussbett des Couesnon hineinfließen. Es wird dann in einer künstlich vergrößerten Bucht im Hinterland, einer Art Rückhaltebecken, gesammelt. Zieht sich das Meer allmählich zurück, werden die Tore geschlossen. Bei Ebbe werden die riesigen Schleusenventile dann vorsichtig wieder geöffnet. Zusammen mit dem aufgestauten Meerwasser, durch das der Flusspegel des Couesnon steigt und eine höhere Fließkraft hat, trägt der Fluss nun die Ablagerungen durch einen relativ schmalen Spalt der Schleusentore weit hinaus in die Meeresbucht, statt den Sand, wie bisher, vor dem Mont-Saint-Michel abzulagern.

Filigrane Brücke

Der Staudamm ist nur das Kernstück eines größeren Plans. In den nächsten Jahren wird auch der zwei Kilometer lange Verbindungsdamm und der Parkplatz zu Füßen des Mont Saint-Michel abgerissen. Besucher sollen dann zu Fuß oder mit einem Zubringerbus über eine neue, filigrane Brücke aus Stahl und Holz zum Mont-Saint-Michel gelangen. Anders als der alte Straßendamm stört das auf Stelzen errichtete Bauwerk die komplizierten Strömungs- und Gezeitenverhältnisse in der Bucht nicht.

Das Gesamtprojekt soll 2015 fertig sein. Dann dauert es nach Schätzungen von Experten noch weitere zehn Jahre, bis der maritime Charakter des Mont-Saint-Michel, der 1979 zum kulturellen Erbe der Menschheit erklärt wurde, wiederhergestellt ist.

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