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Stromnetz in der Nordsee: "Nicht so schwer wie es klingt"

von Katharina Sekareva

Deutschland und acht weitere europäische Staaten haben eines der ehrgeizigsten Energieprojekte Europas angestoßen - die Regierungen wollen ein Hochspannungsnetz unter der Nordsee verlegen, um ihre Ökostrom-Aktivitäten zu bündeln. Das Vorhaben gilt jetzt schon als ein Meilenstein auf dem Weg zum Ausbau regenerativer Energien. Das neue Netz soll bis zu 30 Milliarden Euro kosten und 2020 fertig sein. Sven Teske, Energieexperte bei Greenpeace, über das Mammutprojekt und den Widerstand der großen Netzbetreiber.

Sven Teske, Greenpeace
Sven Teske, Greenpeace

Neun Staaten planen unter der Nordsee das erste internationale Stromnetz in Europa. Was bringt das der Umwelt?

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Das bringt die Erneuerbaren Energien einen entscheidenden Schritt nach vorne. Wenn heute viel Wind geht, das Stromnetz aber auch ohne den Windstrom voll ausgelastet ist, dann schalten die Netzbetreiber die Windparks ab. Wenn es keinen Wind gibt und noch Strom benötigt wird, dann holen sie ihn aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Über das neue Netz könnten die Netzbetreiber den Windstrom nach Norwegen schicken um ihn dort in Pumpspeicherkraftwerken zu speichern und dann zu nutzen, wenn Bedarf ist.

Also würde das neue Netz die Erneuerbaren Energien verlässlicher machen?

Verlässlich sind sie ja bereits. Wir können anhand der Daten aus den letzten 40 Jahren sagen, an welchem Tag wo wie viel Wind zu erwarten ist. Allerdings muss das europäische Netz ohnehin ausgebaut werden, um den Strom aus dezentralen Quellen wie eben den Windparks und privaten Solardächern zu integrieren.

Wie stark müsste denn das Stromnetz ausgebaut werden?

In der ganzen Europäischen Union brauchen wir 12 000 Kilometer zusätzliche Netzkapazität. Das sind vier Prozent mehr als das, was wir heute haben. Dann könnten wir bis 2050 90 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Parallel zum Netzausbau müssen die Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Wir dürfen nicht warten, bis das Netz fertig ist.

Was sind die Herausforderungen beim Bau des Untersee-Netzes?

Es sind weniger als man denkt. Die Frage, wo in der Nordsee Kabel verlegt werden können und wo nicht, wird bereits seit zehn Jahren diskutiert und ist auch schon geklärt. Die Verlegung selber ist technisch nicht sehr schwierig. Komplizierter sind die Gleichstromleitungen, die an manchen Stellen benötigt werden. Damit haben die Netzbetreiber bis jetzt wenig Erfahrung. Aber bis 2020 ist das Projekt ohne weiteres realisierbar.

Wenn das so einfach ist, warum hat man nicht schon früher damit angefangen?

Das liegt am Widerstand der großen Netzbetreiber, allen voran Eon. Sie unternehmen lieber gar nichts für den Netzausbau und schalten dann eben die Windparks ab. Aber bald geht das nicht mehr.

Wie meinen Sie das?

Das Stromnetz gehört einfach in staatliche Hände. Man privatisiert ja auch keine Straßen. Über kurz oder lang werden die Energieriesen ihre Netze abgeben.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.01.2010, 10:05 UhrAnonymer Benutzer: cash cow

    interessant, diese grünen Wendehälse!
    Jahrelang musste ich in Podiumsdiskussionen und Veröffentlichungen sogenannter "Ökofachleute" die Meinung entgegennehmen, dass Alternative Energien die bösen Netze der noch böseren Monopolisten erübrigen würden.
    Jetzt fliegt diese Scharlatanmeinung auf - jedem Hauptschüler ist klar, dass dezentrale Erzeugung ein viel vermaschteres Netz benötigt als wenige Erzeugungszentralen.
    Und unter dem Deckmantel des "Wettbewerbs" (der ja von Anbeginn an bei den Tankstellen immer für so günstige Preise sorgt, oder?) wird jetzt der ultimative und schlimmste aller Monopolisten gefordert ... der Staat!
    Also, weg mit Vodaphone, O2, debitel etc, wir wollen unsere gute alte bundespost mit Einheitstelefon wieder haben ?
    Referenz Straßen: Her mit einem verstaatlichten Netz, wir wollen schließlich auch zu Spitzenzeiten den gleichen Stau in Strom-´, Gas- und Telefonnetzen haben wie auf den Autobahnen!
    Alles andere wäre ja törichtes, freiheitliches und selbstbestimmtes Leben!
    Sorry, aber wer bremst endlich diese Faschisten ????

  • 08.01.2010, 06:03 UhrAnonymer Benutzer: misterdata

    Aus Sicht des Haushaltsstromverbrauchers kann man das nur ablehnen.

    Das wären zusätzlich 3 Mia. Euro jährlich an Kosten für "erneuerbare Energieversorgung", ohne dass für den privaten Stromverbraucher ein Vorteil entsteht.
    Zusätzlich zu den 35 Milliarden Euro, mit denen die Deutschen bereits 2009 "erneuerbare Energie" und "Klimaschutz" zwangssubventionieren mussten. Mit stark steigender Tendenz von Jahr zu Jahr. 2010 werden es alleine aus der Solarsubventionierung schon wieder rund 2 Mia.mehr sein, vom Rest der steigenden Subventionierung zu schweigen.

  • 06.01.2010, 18:53 UhrAnonymer Benutzer: Cleanthinking

    interessant die Kritik an EON als bremser - im Handelsblatt wurde EON als großer Profiteur dargestellt... Aber North Sea Grid ist definitiv ein spannendes Projekt.
    Weitere Hintergründe gibt es auch hier: http://www.cleanthinking.de/energie-north-sea-grid-nordseenetz/3847/

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