
Neun Staaten planen unter der Nordsee das erste internationale Stromnetz in Europa. Was bringt das der Umwelt?
Das bringt die Erneuerbaren Energien einen entscheidenden Schritt nach vorne. Wenn heute viel Wind geht, das Stromnetz aber auch ohne den Windstrom voll ausgelastet ist, dann schalten die Netzbetreiber die Windparks ab. Wenn es keinen Wind gibt und noch Strom benötigt wird, dann holen sie ihn aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Über das neue Netz könnten die Netzbetreiber den Windstrom nach Norwegen schicken um ihn dort in Pumpspeicherkraftwerken zu speichern und dann zu nutzen, wenn Bedarf ist.
Also würde das neue Netz die Erneuerbaren Energien verlässlicher machen?
Verlässlich sind sie ja bereits. Wir können anhand der Daten aus den letzten 40 Jahren sagen, an welchem Tag wo wie viel Wind zu erwarten ist. Allerdings muss das europäische Netz ohnehin ausgebaut werden, um den Strom aus dezentralen Quellen wie eben den Windparks und privaten Solardächern zu integrieren.
Wie stark müsste denn das Stromnetz ausgebaut werden?
In der ganzen Europäischen Union brauchen wir 12 000 Kilometer zusätzliche Netzkapazität. Das sind vier Prozent mehr als das, was wir heute haben. Dann könnten wir bis 2050 90 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Parallel zum Netzausbau müssen die Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Wir dürfen nicht warten, bis das Netz fertig ist.
Was sind die Herausforderungen beim Bau des Untersee-Netzes?
Es sind weniger als man denkt. Die Frage, wo in der Nordsee Kabel verlegt werden können und wo nicht, wird bereits seit zehn Jahren diskutiert und ist auch schon geklärt. Die Verlegung selber ist technisch nicht sehr schwierig. Komplizierter sind die Gleichstromleitungen, die an manchen Stellen benötigt werden. Damit haben die Netzbetreiber bis jetzt wenig Erfahrung. Aber bis 2020 ist das Projekt ohne weiteres realisierbar.
Wenn das so einfach ist, warum hat man nicht schon früher damit angefangen?
Das liegt am Widerstand der großen Netzbetreiber, allen voran Eon. Sie unternehmen lieber gar nichts für den Netzausbau und schalten dann eben die Windparks ab. Aber bald geht das nicht mehr.
Wie meinen Sie das?
Das Stromnetz gehört einfach in staatliche Hände. Man privatisiert ja auch keine Straßen. Über kurz oder lang werden die Energieriesen ihre Netze abgeben.











