
Philip Matesanz fühlt sich missachtet. Seit Wochen versucht der 21-Jährige, mit Google in Kontakt zu kommen. Seitdem er im Juni einen Brief von dem US-amerikanischen Unternehmen bekommen hat, in dem er aufgefordert wurde, seinen Konvertierungsdienst Youtube-mp3.org vom Netz zu nehmen, habe er immer wieder um ein klärendes Gespräch gebeten, erklärt der Student. Resonanz – bisher Fehlanzeige.
Doch von vorne: 2009 stellte Philip Matesanz Youtube-mp3.org online, einen Dienst, mit dem Nutzer die Tonspur eines Youtube-Videos als mp3 auf den eigenen PC laden und später beispielsweise auf dem Smartphone anhören können. Pro Tag kamen Millionen Nutzer auf die Webseite und konvertierten Clip um Clip, resümiert Philip Matesanz. Seiner Meinung nach war diese Dienstleistung völlig legal: Schließlich funktioniere sein Dienst wie eine Art digitaler Kassettenrekorder, mit dem man Musik aus dem Internet aufnehmen könne.
Der Konzern Google, der 2006 das weltweit führende Video-Portal Youtube.com übernommen hat, sieht das anders: In einem offiziellen Brief, einem so genannten „Associate Product Counsel“, wurde Philip Matesanz schriftlich aufgefordert, seine Dienste einzustellen. „Als ich der Aufforderung nicht nachkam, sondern um ein Gespräch bat, wurden meine Server gesperrt“, erklärt Matesanz. „Das heißt, ich hatte plötzlich keinen Zugriff mehr auf Youtube.“
Inzwischen können die meisten Youtube-Clips auch nicht mehr via Youtube-mp3.org konvertiert werden. „In 60 Prozent der Fälle wird der Dienst von Google blockiert“, so Matesanz.
Der 21-Jährige hat sich deswegen an die Öffentlichkeit gewandt. Vor wenigen Tagen stellte er eine Internet-Petition online, mit der er Google die Erlaubnis abtrotzen will, Rekorder zu gestatten, mit denen Youtube-Videos für die private Nutzung aufgezeichnet werden dürfen. Rund 700.000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. „Ich finde es deswegen doppelt schade, dass Google sich nicht gesprächsbereit zeigt“, formuliert Philip Matesanz, der sich in einem Kampf „David vs. Goliath“ wähnt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass gar nicht Google selbst das Interesse hat, Konvertierungsdienste zu verbieten, sondern dass dahinter die Lobbyisten der Musikindustrie stecken“, spekuliert der Student.
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