Studie: Ist Fliegen öko?

Studie: Ist Fliegen öko?

von Jürgen Rees

In einer umfangreichen Studie bescheinigt sich die Luftfahrtbranche eine bessere Ökobilanz als Bahn und Straße - zumindest ab einer Distanz von 500 Kilometer.

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Flugzeug

Der Titel der umfangreichen Untersuchung klingt abschreckend: Verkehrsträgeranalyse. Und tatsächlich ist das, was das Karlsruher Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und das Züricher Beratungsunternehmen Infras im Auftrag der Initiative Luftverkehr für Deutschland zusammengeschrieben haben, keine leichte Kost. Vielleicht liegt es auch daran, dass die 144-seitige Studie, die im September 2010 vorgestellt wurde in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Die Autoren sagen dazu, dass die Untersuchung von Anfang an vor allem als Argumentationshilfe für Politiker und andere Entscheidungsträger gedacht war. Doch auch die lesen lieber verständliche Untersuchungen.

Vielleicht liegt die Nichtbeachtung auch daran, dass man dem Auftraggeber, der Lobbyverein "Luftverkehr für Deutschland", Parteilichkeit unterstellt. Denn hinter der Initiative "Luftverkehr für Deutschland" stehen die Lufthansa, die Deutsche Flugsicherung sowie die beiden Flughäfen Frankfurt/Main und München.

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Tatsächlich bescheinigt der Bericht dem Luftverkehr die beste Ökobilanz aller Verkehrsträger, zumindest ab einer Entfernung von etwa 500 Kilometer.

Für "schöngerechnet" hält hingegen Luftfahrtexperte Heiko Balsmeyer vom Verkehrsclub Deutschland die Zahlen. Die in den Studien getroffenen Annahmen seien unrealistisch. Knackpunkt ist dabei die Ökobilanz. "Es ist entscheidend für das Ergebnis, wie hoch man den Preis pro Tonne CO2 für die Berechnungen ansetzt." Und der ist in der aktuellen Studie offenbar deutlich niedriger als in anderen Studien. Zudem fehlten auch die Gesundheitskosten, die durch Fluglärm entstehen.

Die externen Umweltkosten sind beim Luftverkehr am geringsten

Klar ist, dass nur eine intelligente Vernetzung der Verkehrsträger Straße, Schiene und Luftverkehr eine effiziente und nachhaltige Mobilität gewährleistet. Doch die Verkehrträger werden in ganz unterschiedlichem Maß vom Staat mit Steuergelder finanziert. Der Luftverkehr, schreiben die Autoren der Studie, verfüge mit 95 Prozent über den höchsten Kostendeckungsgrad und besitzt ab einer Distanz von 400 bis 500 Kilometern Kostenvorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern.

Die externen Umweltkosten je Personenkilometer sind beim Luftverkehr am geringsten, ebenso bezieht der Luftverkehr mit nur vier Prozent die geringsten Netto-Subventionen. So seien im Luftverkehr die privatwirtschaftlichen Strukturen am konsequentesten umgesetzt. Am stärksten subventioniert wurde im Jahr 2008 der Bahnverkehr mit rund 52 Prozent. Zu Diskussionen Anlass gibt immer wieder die steuerliche Behandlung des Luftverkehrs.

Während das Nichterheben der Kerosinsteuer auf Inlandflügen eine Subvention darstellt, ist dies bei internationalen Flügen auf Basis der Gesetzesgrundlagen nach internationalem Steuerrecht anders. Die steuerliche Befreiung von Kerosin- und Mehrwertsteuer ist danach kein Subventionstatbestand.

Im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern verursacht der Luftverkehr aufgrund des höheren Energieverbrauchs aber höhere Klimakosten. Allerdings zeigt sich, dass kein Verkehrsträger im direkten Vergleich seine volkswirtschaftlichen Kosten vollumfänglich deckt. Der Luftverkehr schneidet dabei am besten ab, mit einem Kostendeckungsgrad von 95Prozent gegenüber Strasse (83 Prozent für den Personen- und 80 Prozent für den Güterverkehr und Bahn 78 Prozent im Personen- und Güterverkehr.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

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