Technologie: "Nano ist nicht gleich Nano"

Technologie: "Nano ist nicht gleich Nano"

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Martin Möller

von Susanne Kutter

Martin Möller, Chemiker und Oberflächenforscher, zu möglichen Risiken von Partikeln und Strukturen im Zwergenformat.

Professor Möller, die Nanotechnik erobert gerade sämtliche Lebensbereiche, sie steckt in Autolacken, Outdoor-Kleidung, Glasreinigern oder Zahnpasta. Vielen Menschen macht das Sorgen. Zu Recht?

Es gibt viele Gründe, keine Angst davor zu haben. Nano ist nicht gleich Nano. Es gibt harmlose Nanoteilchen, die sich selbst auflösen, wie zum Beispiel Fett- oder Zuckerpartikel, die andere Stoffe im Körper transportieren. Am besten sind die Risiken bei kleinen harten Teilchen, den Nanopartikeln, erforscht. Sie bestehen etwa aus Silber, das antibakteriell wirkt, und werden in Sportkleidung eingearbeitet.

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Wo liegen die Gefahren? 

Entscheidend ist einerseits die Form der Nanopartikel, in der sie in den Körper gelangen, andererseits die konkrete chemische Zusammensetzung. Die Haut stellt zum Beispiel eine gute Barriere auch gegen Nanopartikel dar.

Nanopartikel in Kosmetik sind also eher unbedenklich? 

Wahrscheinlich ja. Werden sie dagegen eingeatmet, gelangen sie mitunter sehr tief in die Lungen. Würde es sich dann um Teilchen handeln, die lang und dünn sind wie das krebserregende, aber sehr viel größere Asbest, würde ich sagen: Vorsicht! Auch wenn die Partikel nicht abgebaut werden können – etwa Nanocarbonröhrchen, die auf Halbleitern zu finden sind –, können wir Langzeitwirkungen nur schwer einschätzen.

Andere Partikel, die man aus Farben oder Imprägnierspray kennt, können wie Mikrostäube kurzzeitig Entzündungen in der Lunge auslösen – wenn sie frei vorliegen. Immerhin wissen wir heute, dass fest in eine Matrix eingebundene Nanopartikel, etwa in Holzlacken, dort nicht wieder herauskommen. Selbst dann nicht, wenn der Lack von Schuhen abgerieben wird.

Welche Stoffe sind besonders gefährlich? 

Eine Substanz wie Titandioxid, das als Weißpigment seit Jahrzehnten in Farben enthalten ist, hat schon in Normalgröße eine schädliche Wirkung, wenn sie eingeatmet wird. Hier würde ich als Maler auch beim Versprühen von klassischen Farben eine Maske tragen. Inzwischen ist Titandioxid im Nanoformat aber längst wegen seiner selbstreinigenden katalytischen Wirkung für Beschichtungen eingesetzt. Da müssen wir genau hinschauen, wie gut es gebunden ist.

Titandioxid-Partikel gibt es auch in Sonnencreme.

Ja, alle großen Kosmetikhersteller nutzen es, weil es UV-Licht absorbiert und so die Haut schützt. Damit man nicht aussieht wie eine Kalkleiche, wurden die Partikel immer kleiner und transparenter gemacht. Gleichzeitig überziehen die Hersteller sie mit einer Schicht, damit sie keine katalytische Aktivität entwickeln. Für Titandioxid, das so behandelt wurde, ist keine Schädlichkeit bekannt.

Benutzen Sie Nanozahnpasta?

Warum nicht. Das Schlucken ist nach dem Einatmen zwar der effektivste Weg in den Körper. Doch auch hier kommt es auf die Substanz selbst an. Titandioxid, das bereits als Aufheller in Salatsoßen benutzt wird, muss nicht sein. Aber bei einer Zahncreme mit dem Mineral Apatit, das Kratzer in Zähnen glättet und im Körper auch natürlich im Zahnschmelz vorkommt, hätte ich keine Probleme.

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