Telekommunikation: Abgang der klassischen Telefonanlage

Telekommunikation: Abgang der klassischen Telefonanlage

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Die Kommunikationstechnik steckt in einem radikalen Umbruch

von Thomas Kuhn

In Tausenden Unternehmen ersetzen Internet oder Mobilfunknetz klassische Telefonanlagen. Mit der Technik wird Telefonieren flexibler und billiger. Telekom & Co. geraten unter Druck.

Ausgerechnet Handys. Auf die Idee, alle Bürotelefone aus seiner Druckerei zu verbannen und externe wie interne Anrufe nur noch über Mobiltelefone abzuwickeln, wäre Bernd Bradtmöller noch vor einem halben Jahr nicht mal im Traum gekommen. Denn sein Druckbetrieb im Kölner Süden liegt in einem Funkloch – ausgerechnet am Fuß eines Mobilfunk-Sendemasts. „Dort mit Handys zu telefonieren, das ging gar nicht“, sagt der Geschäftsführer der Grafischen Werkstatt Druckerei Gebrüder Kopp in Köln.

Nun aber wird genau das zur Regel: Bradtmöller hat die Telefonanschlüsse der Druckerei und des Büros in der Kölner Innenstadt ebenso gekündigt wie den Mietvertrag seiner Telefonanlagen, über die bisher die Anrufe liefen. Stattdessen rüstet er alle 50 Mitarbeiter mit Mobiltelefonen aus. Deren Verbindung ins Telefonnetz übernehmen seit wenigen Tagen zwei sogenannte Mikrozellen im Unternehmen, kompakte Handyfunkstationen, kaum größer als ein Desktop-PC.

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Damit spart der Kölner Unternehmer pro Jahr einige Tausend Euro Kommunikationskosten. Miete und Wartungsgebühren der alten Technik entfallen ebenso wie die Kosten der ISDN-Anschlüsse oder der Telefon-Standleitung zwischen beiden Betriebsstätten.

Angriff auf Milliardenmarkt der Telefonanlagen

Verantwortlich für Bradtmöllers Sinneswandel ist Marc Mauermann. Der frühere Vodafone-Vertriebsmanager ist Chef des im vergangenen Herbst gestarteten Mobilfunkanbieters Onephone aus Ratingen bei Düsseldorf. Der ermöglicht es Geschäftskunden, Firmenhandys als Nebenstellen einer virtuellen Telefonanlage zu nutzen, die für externe Anrufer unter normalen Festnetzrufnummern, einschließlich Durchwahlen, erreichbar ist.

Dabei übernimmt ein Computer im Onephone-Netz alle wichtigen Funktionen normaler Vermittlungsanlagen, wie sie bisher im Unternehmen stehen. So lassen sich etwa die Rufnummern mehrerer Hotline-Mitarbeiter zusammenfassen, sodass deren Telefone stets gemeinsam klingeln. Wer Anrufer an Kollegen weitervermitteln will, tippt nur deren Kurzwahl ins Handy ein, dann läutet dort das Telefon. Alle Funktionen lassen sich zudem nicht nur am Handy, sondern auch über eine Software im Arbeitsplatz-PC steuern. Dann reicht ein Mausklick auf die Rufnummer eines Geschäftskontaktes, und das Handy baut die Verbindung auf.

Mit diesem Angebot gehört Onephone – ein Joint Venture des gleichnamigen schwedischen Telefonspezialisten und der niederländischen E-Plus-Mutter KPN – zu einer jungen Garde innovativer Unternehmen, die gerade den deutschen Telekommunikationsmarkt aufmischt. Sie blasen mit neuartigen mobilfunk- oder internetgestützten Telefondiensten zum Sturm auf eine der lukrativsten Sparten in der deutschen Telefonbranche: Verkauf, Vermietung sowie Service von Telefonanlagen für Unternehmen.

Ein Riesengeschäft. Allein die Umsätze mit Unternehmen bis 500 Mitarbeiter taxiert der Bonner Betriebswirtschaftsprofessor Jens Böcker in einer Studie zum Marktpotenzial virtueller Telefonanlagen auf knapp 5,5 Milliarden Euro im Jahr.

„Wir befinden uns in einem radikalen Umbruch der Kommunikationstechnik in Unternehmen“, sagt Nicole Dufft, Geschäftsführerin des Berliner Beratungshauses Berlecon Research. Das Angebot Telefon-Hardware durch softwarebasierte Angebote zu ersetzen, falle in vielen Unternehmen mit der Bereitschaft zusammen, IT-Dienste von externen Anbietern über das Internet zu beziehen. Experten bezeichnen das als „Cloud Computing“.

Dabei buchen Kunden Rechenleistung oder Software aus dem Internet und zahlen nur für die Leistung, die sie tatsächlich nutzen. Ähnlich funktionieren virtuelle Telefonanlagen, die zugleich teure, oft nur teilweise ausgelastete Vermittlungstechnik ersetzen. Zumal Informations- und Kommunikationstechnik verschmelzen: „In fünf Jahren werden viele Unternehmen Telefoniedienste genauso aus dem Netz buchen wie Software“, sagt Dufft.

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